Als Schiedsrichter eine Super-Zeit gehabt

Zu Gast in Bad Königshofen bei der Familie Zinßler (links Norbert, rechts Daniel) war dieser Tage der ehemalige Bundesliga-, UEFA- und FIFA-Schiedsrichter Aron Schmidhuber. Foto: FOTO Rudolf Dümpert

Beim letzten Heimspiel des Bezirksligisten TSV Bad Königshofen gegen TSV Großbardorf II war ein ganz berühmter Sportsmann unter den Zuschauern und kaum jemand bemerkte es. Aron Schmidhuber aus München, inzwischen aus beruflichen Gründen wohnhaft in Eibelstadt bei Würzburg, ehemaliger Bundesliga-, UEFA- und FIFA-Schiedsrichter, zu Besuch bei seinem Berufskollegen Norbert Zinßler, inzwischen ein Freund der Familie. Unserer Zeitung gab der Altinternationale, Jahrgang 1947, ein Interview über seine bemerkenswerte Karriere als „Chef im Ring“, 14 Jahre lang in der Bundesliga und 12 Jahre lang für die UEFA und die FIFA, im Europacup, bei Europa- und Weltmeisterschaften.

Frage: Ihre Freunde nennen Sie Peter, bekannt sind Sie als Aron, wie das?

Schmidhuber: Mein Vater war Israeli, meine Mutter Münchnerin. Ich habe ihn leider nie kennengelernt. Als er mich gemacht hatte, wollte er unbedingt nach Israel zurück, meine Mutter wollte nicht mit. So kurz nach dem Krieg war die Situation ja auch etwas schwieriger.

Wann und wie sind Sie zur Schiedsrichterei gekommen?

Schmidhuber: Ich habe als junger Kerl bei Sportfreunde München und dann bei Brunntal in der A-Klasse gespielt. Das war ungefähr so viel wie heute Bezirksoberliga. Und weil man als Gastgeber damals die Reservespiele selber pfeifen musste und ich etwas verletzungsanfällig war, musste ich da oft ran und habe mit 26 einen Schiedsrichterkurs mitgemacht. Ich bin dann auch verhältnismäßig schnell jedes Jahr eine Klasse aufgestiegen und sehr schnell in die Bundesliga rein gekommen. Heute hätte ich als Anfänger mit 26 keine Chance mehr so aufzusteigen. Im zweiten Jahr Bundesliga bin ich schon auf die FIFA-Liste gekommen und war 1990 bei der WM in Italien und 1992 bei der EM in Schweden dabei.

Welche Spiele haben Sie da geleitet?

Schmidhuber: Da gilt ja auch die Regel der Unparteilichkeit, und Deutschland kam jedes Mal so weit im Turnier, dass für mich frühzeitig Schluss war. 1990 habe ich England gegen Irland gehabt, dann im Achtelfinale Spanien gegen Jugoslawien. Einen Tag davor hat Deutschland gegen Holland gewonnen, dann muss eben der Schiedsrichter aus Neutralitätsgründen raus aus dem Turnier, egal ob er gut oder schlecht war. Deutschland wurde dann Weltmeister. 1992 habe ich bei der EM das Spiel Dänemark gegen Schweden geleitet. Dann wars auch schon vorbei, Deutschland kam ins Endspiel gegen Dänemark, wurde Zweiter. Eine etwas ungerechte und komische Situation für einen Schiedsrichter. Der muss sich ja praktisch wünschen, dass seine Nationalmannschaft ausscheidet. Komisch schon, ungerecht nicht, das wusste man schon vorher. Und das geht auch gar nicht anders und ich habe mich auch damit abgefunden.

Wie viele Bundesligaspiele und wie viele internationale haben sie geleitet?

Schmidhuber: In der Bundesliga 153 und international auch über 100. Dabei war das Europapokalendspiel der Meister, heute Championsleague-Endspiel, FC Barcelona gegen Sampdoria Genua im Wembleystadion in London. Im Uefa-Pokal habe ich das Endspiel Juventus Turin gegen AC Florenz gepfiffen und dann noch das Supercup-Endspiel FC Porto gegen Ajax Amsterdam. Herausragend war noch das Championsleague-Spiel AC Mailand gegen Real Madrid. Hinzu kamen 26 A-Ländespiele.

Es ist also doch ganz schön interessant und attraktiv, ein guter und erfolgreicher Schiedsrichter zu sein?

Schmidhuber: Ganz gewiss. Zunächst war es ja so, dass ich irgendwie weiter dabei bleiben wollte, nachdem ich nicht mehr aktiv spielen konnte. Ich habe dann den Trainerschein gemacht und noch einmal einen Schiedsrichterkurs, wozu mich der damalige Schiedsrichterobmann der SR-Gruppe Bad Tölz überredet hat, so wie ich das mit dem jungen Daniel Zinßler von Königshofen eine Generation später gemacht habe. Streng war ich eigentlich schon immer und habe mich auch verhältnismäßig schnell durchgesetzt. Klar ist das schön, wenn man es bis ganz oben geschafft hat. Aber in den Vordergrund soll man sich ja als Schiedsrichter nie spielen. Man sagt ja immer, der beste Schiedsrichter ist der, den man gar nicht merkt. Aber immer geht es halt doch nicht.

Was war das besonders Schwere an der Aufgabe?

Schmidhuber: Es gibt Derbys und andere hektische Spiele. Und wichtig ist halt immer, dass man keine Fehler macht, was ja fast nicht geht, nur am Fernseher bei dreimaliger Ansicht der Zeitlupe aus verschiedenen Perspektiven. Es soll wenigstens kein Spiel entscheidender Fehler sein, was mir eigentlich ziemlich gut gelungen ist. Natürlich habe ich auch meine Fehler gemacht wie alle. Es gibt da keinen, der ohne Fehler durch kommt.

War es nicht ebenso schwer, nach dem Spiel sofort vor der Kamera das Mikrophon unter die Nase gehalten zu bekommen?

Schmidhuber: Doch! Heute sagen wir unseren Schiedsrichtern, dass sie erst duschen und sich ordentlich anziehen sollen und nicht durchgeschwitzt und unter den frischen Eindrücken eines hektischen Spiels Rede und Antwort stehen. Im Übrigen ist ja keiner zu einem Interview verpflichtet.

Sie sagten „Wir sagen unseren Schiedsrichtern“. Haben Sie heute noch eine Funktion im Schiedsrichter-Wesen?

Schmidhuber: Es gibt da zwei Gremien, das eine ist der DFB-Schiedsrichter-Ausschuss, dessen Chef Volker Roth ist, sein Stellvertreter Eugen Striegel. Süddeutscher Obmann ist der Manfred Amerell. Und ich bin im Lehrstab. Wir sind für Lehrgänge und Beobachtungen zuständig und für eine Coaching-Gruppe, mit der wir nach dem Spiel, speziell mit Jüngeren, ein ausführliches Coaching machen, mit einer Video-Cassette die wichtigen Szenen noch einmal raus filtern und diskutieren.

Dann kommen Sie immer noch ganz schön draußen rum?

Schmidhuber: Ja, ich bin in ganz Deutschland unterwegs zum Beobachten und mache jetzt auch die Beobachtungen für die UEFA und die FIFA, zum Beispiel nächstes Wochenende das WM-Qualifikationsspiel Albanien gegen Schweden oder für die UEFA zuletzt in Barcelona gegen Krakau.

Schiedsrichter unterliegen ja einer sehr niedrigen Altersgrenze. Ihre aktive Zeit ist also schon ein paar Jahre her. Heute bekommt man für ein Spiel 4100 Euro. Wie viel bekamen Sie?

Schmidhuber: Die ersten Jahre waren es immer 72 Mark pro Spiel, später 100. Die letzten zwei Jahre bekam ich 2500 Mark. Heute geht es auch nach Leistung. Die können schön verdienen, was ja auch richtig ist bei diesen Anforderungen und dieser Verantwortung. Die sind viel Zeit für Training, Schulungen und Prüfungen unterwegs. Einige arbeiten noch Vollzeit, manche halbtags.

Möchten Sie noch mal 20 Jahre jünger sein?

Schmidhuber: Ich denke, ich habe eine super Zeit mitgemacht und man kann ja das Rad eh nicht zurück drehen. Ich bereue nichts und ich habe immer gern gepfiffen. Als Beobachter bekommen wir nicht viel. Aber Spaß macht es immer noch.

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