OSTHEIM

Alte Uniformfabrik wieder wie neu

Feinarbeit: Kreuz über dem Sturz des „Drücke“-Eingangs.
Feinarbeit: Kreuz über dem Sturz des „Drücke“-Eingangs.

Wie macht man ein verfallenes, jahrzehntelang ungenutztes Haus wieder zu einer architektonischen Perle? Man baut es auseinander, nimmt sich die Teile in seiner Zimmermanns-Werkstatt vor, richtet alles wieder her und baut es an gleicher Stelle wieder auf.

Genau das hat der Ostheimer Zimmermeister Lothar Hahl mit der alten Uniformfabrik neben dem Orgelbaumuseum gemacht. Seit wenigen Tagen ist das Gerüst abgenommen. Das wunderschöne, sattrote Fachwerk leuchtet Besuchern unweit des Stadteinganges entgegen. Ein Blickfang ist in Ostheim entstanden, der sich sehen lassen kann.

Mit Lothar Hahl, der seit 2002 für die Freien Wähler im Ostheimer Stadtrat sitzt, hat die alte Uniformfabrik den richtigen Kümmerer gefunden. „Alte Häuser sind meine Leidenschaft, schon mein ganzes Berufsleben lang“, sagt der Zimmermann, der 1977 vom hessischen Ehrenberg nach Ostheim kam und in den Zimmereibetrieb Grob einheiratete.

Auch im Ratsgremium war das Gebäude in Nachbarschaft des Hansteinschen Schlosses, das seit 1986 leer stand, Thema. 1991 wurde es von der Stadt erworben, einer Nutzung wurde es aber nicht zugeführt. Auf der Denkmalschutzliste steht das ehemalige Hofhaus des Hansteinschen Schlosses aber schon länger.

2012 haben Lothar Hahl und seine Frau Heidrun dann zugeschlagen und das Gebäude erworben. Die Vorplanungen und das Aufmaß haben dann etwas Zeit in Anspruch genommen, ehe zu Jahresbeginn 2014 das einzigartige Sanierungsprojekt begann.

„Das Gebäude ist Stück für Stück vollständig abgebaut worden, alle Teile wurden in unsere Werkstatt gebracht. Der Platz war komplett leer“, erklärt Hahl. Steine, Balken, Wände: Alles wurde nummeriert und von Hahl und seinen Mitarbeitern saniert. Manche morschen Holzteile wurden ausgetauscht. Eine gute Hilfe waren auch die Fachleute der Firma Stiel-Bau Ostheim, die sich mit Gebäudetranslozierungen schon einen Namen gemacht haben.

„Zwei Drittel des Fachwerks sind original“, weiß der Hausherr. Auch die steinernen Elemente wie zum Beispiel die markanten Eck-Quaderungen an der straßenseitigen Front oder gefaste Steinsäulen sind aus der Errichtungszeit.

Nur die sogenannte Drücke, eine Art länglicher, schmaler Balkon, war nicht mehr erhalten geblieben. „Drücke“ hat mit dem Wort Trocknen zu tun – solche Balkone wurden als Wäschetrocken- und Lagerplatz genutzt. Aber die Zapfenlöcher wurden gefunden sowie die ehemalige Öffnung mit dem segmentbogigen Sturz. „Der ist kunstvoll geschnitzt und mit einem kleinen Kreuz gekrönt, das gefällt mir besonders gut“, sagt Lothar Hahl.

Kein Wunder, dass die Sanierung der alten Uniformfabrik auch die Aufmerksamkeit des Denkmalschutzamts fand. Dr. Anette Faber und ihr Nachfolger Christian Schmidt haben tatkräftig Unterstützung geleistet, und auch Kreisbaumeister Herbert Bötsch hatte sein fachmännisches Auge auf dem Projekt.

Lothar Hahl hat innerhalb von zwei Jahren den Dornröschenschlaf des Hauses nun beendet. Zum ersten April zieht schon der erste Bewohner in das zweistöckige Gebäude ein. Insgesamt sechs seniorengerechte, barrierefreie Wohnungen zwischen 56 und 92 Quadratmetern werden zur Verfügung stehen, dazu gehört auch ein Aufzug neben dem Treppengang.

Vor dem Haus wird jetzt noch ein Steingarten mit Terrasse angelegt. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Projekt. Es gibt so viele schöne Häuser in Ostheim. Mit dem alten Hofhaus ist ein weiterer Blickfang hinzugekommen“, so Hahl.

Die Uniformfabrik

Das Hofhaus des Hansteinschen Schlosses stammt aus dem Jahr 1589, der Erweiterungsbau nach Norden aus dem späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert. Bis circa 1900 wurde es als Knechtsunterkunft und Stallung genutzt. 1900 bis 1907 war dort eine Plüschweberei zuhause, danach ein Werk der Uhrenfabrik Thiel aus Ruhla. 1935 Erwerb durch den Uniformhersteller Klee & Trabert, dadurch der Name Uniformfabrik.

Vorzeigeprojekt: Die komplexe Sanierung der sogenannten Uniformfabrik im Herzen der Stadt Ostheim durch das Team von Zimmermeister Lothar Hahl ist sehr weit fortgeschritten. Im April zieht der erste Mieter in das Fachwerkgebäude direkt neben dem Orgelbaumuseum ein.
Vorzeigeprojekt: Die komplexe Sanierung der sogenannten Uniformfabrik im Herzen der Stadt Ostheim durch das Team von Zimmermeister Lothar Hahl ist sehr weit fortgeschritten. Im April zieht der erste Mieter in das Fachwerkgebäude direkt neben dem Orgelbaumuseum ein. Foto: Fotos (2): Gerhard Fischer

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