Irmelshausen

Am Irmelshäuser See: Leben wie die Steinzeitmenschen

Feuer machen war in der Steinzeit eine schweißtreibende Arbeit, lernten die Kinder von Karl-Heinz Morbitzer (links). Foto: Regina Vossenkaul

Innerhalb des Bündnisses für Bildung, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung waren im Bad Königshöfer Ferienprogramm zwei Gruppen von Kindern ab acht Jahren den ersten Vorfahren auf der Spur. Was brauchten die Menschen, um sesshaft zu werden und wie überlebten sie? Dieser Frage gingen die Teilnehmer gemeinsam mit den Leitern David Polotzek, Jutta Derleth und Karl-Heinz Morbitzer am Badesee in Irmelshausen nach.

Schutz vor Regen und Wind

Die erste Gruppe hatte leider Pech mit dem Wetter und musste deshalb das Programm in das Vhs-Haus und den Garten verlegen, die zweite Gruppe konnte dagegen wie geplant in Irmelshausen nacherleben, was für die Steinzeitmenschen Alltagsleben war. Zu den drei wichtigsten Grundbedürfnissen der ersten Siedler oder durchziehenden Sippen gehörte der Schutz vor Regen und Wind, lernten die Kinder. Hütten wurden gebaut, die je nach geplanter Aufenthaltsdauer mehr oder weniger haltbar konzipiert waren. Das reichte vom einfachen Jägerstand bis zu stabilen Konstruktionen, die durch Flechtwerk aus Ästen, Zweigen und Binsen sowie wasserdichten Dächern Schutz boten. Eine Jungen- und eine Mädchengruppe bauten diese Schutzhütten nach, wobei die Mädchen mehr Ausdauer und Sorgfalt bewiesen als die Jungen. Letztere interessierten sich mehr für die Nahrungsbeschaffung, die zweite Grundbedingung für einen guten Lagerplatz.

Noch nicht perfekt, aber auf dem Weg dorthin: Die Mädchengruppe baute ihren kleinen Unterschlupf. Foto: Regina Vossenkaul

Beim Kapitel "Fallen bauen" lernten die Kinder von David Polotzek, dass es dabei nicht darauf ankam, die Tiere zu töten, sondern darum sie festzuhalten. So hatten die Jäger Frischfleisch und mussten ihre Fallen nicht dauernd ablaufen. Eine einfache Vogelfalle bauten die Teilnehmer gemeinsam, die Schlinge hält die Tiere am Fuß fest. Natürlich gab es auch andere Jagdmöglichkeiten mit Speeren oder Pfeil und Bogen. Pflanzen, Pilze, Nüsse, Beeren und vieles mehr liefert die Natur, allerdings konnten die Teilnehmer nur einen kleinen Ausschnitt des Angebots nachvollziehen und sammelten Löwenzahn, Spitzwegerich, Gänseblümchen und alles, was die Umgebung an Essbarem lieferte. Die echten Vorfahren haben natürlich während der jeweiligen Erntezeiten Vorräte angelegt, um gut durch den Winter zu kommen.

Anstrengend: Feuer machen

Um die Nahrung zubereiten zu können, gab es unterschiedliche Möglichkeiten des Feuermachens. Da lernten die Kinder den Bogenbohrer kennen und merkten, dass es gar nicht so leicht ist, zwei Hölzer durch Reibung so zu erhitzen, dass sich feines Material durch Anblasen entzünden lässt. Zweites Problem: Wie transportierten die Menschen Feuer von einem Lagerplatz zum anderen? Auch die Steinzeitmenschen wollten sich Arbeit ersparen und trugen deshalb einen Baumpilz mit sich, in dem die Glut bis zu 72 Stunden vor sich hin glimmte. So konnte am nächsten Lagerort schnell ein neues Feuer entfacht werden.

Zwischenergebnis: Die Jungengruppe legte eine Pause ein. Foto: Regina Vossenkaul

"Die Steinzeitmenschen kannten zwar keine Metallverarbeitung, ihr Wissen über Konstruktionen, Hebelkraft und vieles mehr wird jedoch unterschätzt", sagte Polotzek. Er zeigte den Kindern die Maße Daumen, Hand und Elle, und wie man mit Hilfe von Schnüren und Knoten vom rechten Winkel bis zum Sechseck jede geometrische Figur konstruieren kann. Was die Kinder nur in der Theorie nachvollziehen konnten, weil es für sie zu schwer und gefährlich ist, ist der Bau eines Steinkreises am Ufer des Badesees. Da helfen Badeseepächter Andreas Butzert und Bürgermeister Michael Custodis, die es begrüßen, dass dort Kulturprogramme stattfinden. Ein Whiteboard, das stehen bleiben kann, wird von Schreinermeister Michael Heusinger angefertigt und an einer Seite des Steinkreises aufgestellt. Die verankerten "Hinkelsteine" werden später nach Art der Höhlenmalereien verziert, berichtete Polotzek.

Ständige Gemeinschaftsarbeit

Auf die Frage, ob der Kurs Spaß gemacht hat, zeigte sich Ida Kiesel aus Wülfershausen, die gemeinsam mit ihrer Schwester zum ersten Mal dabei war, begeistert. "Ich hätte nie gedacht, wie zeitaufwändig das Alltagleben damals war", sagte sie. Gelernt habe sie auch, dass man allein nicht viel bewirken kann und das Leben ständige Gemeinschaftsarbeit war.  

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