Bad Königshofen

Am Todesstreifen: Die Schrecken der deutsch-deutschen Grenze

Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert bei seinem Vortrag im Gewölbekeller des Museum Schranne in Bad Königshofen. Sein nächster Vortrag ist am kommenden Freitag, 18. Oktober um 19 Uhr. Dann geht es um die verschwundenen Dörfer im einstigen Grenzgebiet. Foto: Hanns Friedrich

Augenzeugen wie der ehemalige Beamte der einstigen Grenzpolizei und Kreisheimatpfleger Reinhold Albert aus Sternberg sind in diesen Tagen Mauerfall-Jubiläums vor 30 Jahren gefragt. Sie können authentisch berichten, wie das damals war, als man im Landkreis Rhön-Grabfeld von den Nachbarn in Thüringen durch Stacheldraht, Minenfelder und Selbstschussanlagen getrennt war. Aufgewachsen in Sternberg, nur wenige  hundert Meter von der damaligen innerdeutschen Grenze entfernt, hat Albert die deutsch-deutsche Teilung hautnah miterlebt. Das wurde bei seinem Vortrag im Gewölbekeller des Museum Schranne deutlich. Die Grenze im Landkreis Rhön-Grabfeld betrug 113 Kilometer, im Bereich Hassberge 15 Kilometer. 

Die Grenze war auch ein Besuchermagnet. Jährlich kamen bis zu 30 000 Menschen. Dazu gab es Führungen an der Grenze und Informationsstellen. Eine der ersten in Deutschland war die in Breitensee. Weitere Stellen gab es in Königshofen, Rappershausen und Fladungen. Zunächst ging Albert  auf die Teilung Deutschlands ein, die schon lange vor dem eigentliche Ende des Zweiten Weltkriegs, nämlich 1943, von den Siegermächten USA, England und der Sowjetunion beschlossen worden war. Dazu zeigte Albert eine Fotoaufnahme vom Einmarsch der Amerikaner am 8. Mai 1945 in Königshofen. Es war, wie Reinhold Albert sagte, "eine furchtbare Zeit". Eine Zeit, in der auch ein Massenmörder im Bereich der späteren innerdeutschen Grenze unterwegs war.

Nach dem Krieg trieb auch ein Frauenmörder im Gebiet der späteren Grenze sein Unwesen 

Dort gab er sich als kundiger Führer aus, der Menschen über die Grenze in den Westen helfen wollte. Dabei hatte er es auf Frauen abgesehen. 40 Frauen hat er umgebracht und missbraucht. Auch im sogenannten "Trappstädter Eck" war er aktiv und hat im Wald bei Schlechtsart eine Frau getötet. Später wurde er gefasst und bekam eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Mörder hat sich später in seiner Gefängniszelle erhängt. In den Anfangsjahren nach dem Krieg konnte man ungehindert von West nach Ost, da es nur einen etwa hüfthohen Zaun gab.

Landwirte durften damals noch ihre Felder mit einer Genehmigung bewirtschaften. Albert erinnerte daran, dass die Amerikaner einst auch Thüringen besetzt hatten, dann aber aufgrund der 1943 geschlossenen Vereinbarungen sich wieder zurück gezogen haben. Dazu gehörte auch das Heldburger Unterland. Das war zu diesem Zeitpunkt für ein gutes Vierteljahr besatzungsfreies Gebiet. In Heldburg setzten die Amerikaner einen Zahnarzt als kommissarischen Bürgermeister ein. Dieser wollte erreichen, dass das Heldburger Unterland zu Bayern kommt. Was ihm aber, wie die Geschichte zeigt, nicht gelang. 

Auch einige Unternehmen siedelten von Thüringen nach Unterfranken um 

In dieser Anfangszeit siedelten auch einige Unternehmen, die in Thüringen ansässig waren, wie die Firma Reich nach Mellrichstadt um oder Ofenbau Schwarz nach Königshofen. Vom Ausbau der Grenzanlagen berichtete der Kreisheimatpfleger. In seiner Kindheit hörte er immer, wenn Minen an der Grenze detonierten. Oft lösten Wildtiere oder im Winter die Schneelast die Detonationen aus. Aber auch Menschen mussten hier ihr Leben lassen. Über 1000 Minentote forderte die 1394 Kilometer lange Grenze bis 1989. Albert sprach auch die Zwangsumsiedlungen an, von denen ein Drittel der Bewohner der grenznahen Ortschaften betroffen waren. Die meisten mussten sich im Bereich Gotha niederlassen, und seien von der ansässigen Bevölkerung schlecht behandelt worden, was einmal in Streufdorf auch zu einem Aufstand führte. 

Die Grenze wurde in den 40 Jahren immer mehr ausgebaut. Es gab den Grenzzaun mit 3,20 Meter Höhe, 50 Zentimeter in die Tiefe, Minenfelder wurden angelegt, ein Sicherungsstreifen und der Kolonnenweg mit Telefonsäulen zum nächsten Grenzturm. Besonders gefürchtet waren die Selbstschussanlagen, die eine Streuweite von knapp 30 Metern hatten und Flüchtende vor allem im Gesicht und im Oberkörperbereich verletzten. All diese Geschehnisse und Erlebnisse hat Albert in mehreren Veröffentlichungen verarbeitet.  

Im nächste Vortrag am kommenden Freitag, 18. Oktober, berichtet Reinhold Albert um 19 Uhr dann über die verschwundenen Dörfer. Treffpunkt ist wieder der Gewölbekeller des Museum Schranne. Der Eintritt ist frei.

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