Ostheim

Andreas Ortlepp: Fleisch ist Vertrauenssache

Andreas Ortlepp aus Ostheim freut sich nach dem dreiwöchigen Umbau seiner Metzgerei, dass er den Blaumann wieder gegen seinen Metzgerkittel tauschen durfte.
Andreas Ortlepp aus Ostheim freut sich nach dem dreiwöchigen Umbau seiner Metzgerei, dass er den Blaumann wieder gegen seinen Metzgerkittel tauschen durfte. Foto: Markus Buettner

Gerade in den ländlichen Regionen ist das Kneipensterben, das Wegfallen von kleinen Dorfläden und der Mangel an kleinen Handwerksbetrieben ein bewegendes Thema. Schließlich werden der Heimatwert und die gesellschaftliche Wichtigkeit dieser Betriebe meist erst deutlich, wenn sie nicht mehr da sind.

Umso erfreulicher ist es, dass Metzger Andreas Ortlepp aus Ostheim bewusst in seine Heimat und sein Handwerk investiert hat. Drei Wochen lang hat er seinen Laden völlig neu gestaltet und ausgestattet. Die Wurst- und Fleischversorgung für die nächsten Jahre ist in Ostheim erst einmal gesichert. Ein Signal.

Wichtig: Persönliche Gespräche mit den Kunden

Natürlich hätte Ortlepp auch einen Online-Shop für seine Wurstwaren eröffnen können. Aber das widerstrebt ihm. „Fleisch ist Vertrauenssache, und die Leute kommen zu mir, weil sie mir als Metzger Vertrauen schenken. Deshalb will und werde ich an meiner Fleischtheke in Ostheim festhalten. Das ist für mich wichtig, weil ich da auch das persönliche Gespräch habe. Ich will auch in Zukunft meine Kundschaft mit Namen ansprechen und suche geradezu den persönlichen Kontakt.“

Auf diesen Kontakt muss Ortlepp derzeit aber noch ein bisschen verzichten. Denn trotz der Wiedereröffnung gibt es die Gerichte für den Mittagstisch wegen der Corona-Krise bis auf weiteres nur zum Mitnehmen, und die Kunden müssen an der Fleischtheke einen Sicherheitsabstand zum Personal halten.

Keine Eröffnungsparty wegen der Corona-Krise

Gerne hätte der Ostheimer am Wiedereröffnungstag, dem 26. März 2020, eine große Eröffnungsparty mit den Kunden gefeiert. Daraus wurde leider nichts. Doch Andreas Ortlepp sieht auch in der Krise das Positive: "Unser Konzept ist neu und im Laden selbst ist auch alles neu. In den vergangenen Tagen hatte unser Team etwas mehr Zeit, sich in alles einzuarbeiten, als das wohl bei normalem Betrieb möglich gewesen wäre." Dennoch: Trotz Corona-Krise kamen viele Kunden in den Laden, die sich laut Ortlepp allesamt sehr diszipliniert verhalten haben. "Alle haben auf Abstand geachtet, manche sogar vor dem Laden gewartet, um die Regeln einzuhalten", lobt er seine Kundschaft.

Auch wenn er sich wünscht, dass sein Geschäft bald wieder im Normalbetrieb laufen kann, sieht er doch die Maßnahmen der Regierung als notwendig an. Und hofft, dass sie dazu beitragen, dass die Verbreitung des Virus im Land eingedämmt wird. Auch wenn das für ihn selbst weniger Umsatz bedeutet. "Immerhin dürfen wir im Lebensmittelhandel unsere Läden öffnen, den Einzelhandel treffen die Maßnahmen deutlich härter", sagt Ortlepp. 

Er ist Heimatunternehmer mit Leib und Seele. „Ich denke, gerade in Zeiten wie diesen sind lokale Lieferketten und ein Miteinander der Unternehmer wichtiger denn je. Jetzt zählt es, die verschiedenen Betriebe in der Region zu unterstützen und ganz bewusst dort einzukaufen."

Metzgerei als sozialer Treffpunkt

Bei allem Verständnis für die Einschränkungen im Zuge der Corona-Krise: Andreas Ortlepp hofft natürlich, dass diese nicht zu lange dauern. Denn seine Metzgerei ist mehr als nur ein Verkaufsladen, sie ist auch ein sozialer Treffpunkt für die Menschen aus Ostheim und der Region. „Manchmal singt sogar die Rheuma-Liga in der Mittagspause ein Ständchen. Wenn ich meine Waren nur online verschicken würde, fehlt mir genau dieser Kontakt zum Kunden", so der Metzger.

"Für viele ist der Onlinehandel vielleicht die Zukunft, für mich nicht. Ich will jeden Kunden kennen und will den Kontakt haben. Meine Kunden legen Wert darauf, dass ich da bin. Und wenn ich einen Tipp geben kann, wie der Braten am besten gelingt, dann erfüllt mich das“, macht der Ostheimer deutlich.

Steak-Sprechstunde nach Corona

Genau deshalb hat der 44-Jährige seine Metzgerei nun von Grund auf renoviert und modernisiert. Bei all seinen Wurst- und Fleischerzeugnissen achtet Ortlepp auf eine „Nose-to-tail“-Verarbeitung der Tiere und auf den Bezug durch regionale Landwirte. Die neu gestaltete Metzgerei soll die Hochwertigkeit der Produkte widerspiegeln.

In Zukunft, nach Corona, will Ortlepp in einem neu gestalteten Bereich freitags eine „Steak-Sprechstunde“ anbieten, bei der seine Kunden alle Fragen zum Grillen und Verarbeiten von Fleisch stellen sollen. Durch den Umbau wurde der Sitzbereich, gerade für den Mittagstisch, umgestaltet und vergrößert. Ein breiteres Angebot soll in Zukunft verfügbar sein. „Für die Kunden verändert sich gar nichts, aber alles ist neu“, fasst Ortlepp seinen Umbau zusammen. 

Flanksteaks für die Handwerker

Den am Umbau beteiligten Handwerksbetrieben fiel der Abschied von der Baustelle nach der Fertigstellung nicht einfach. Verständlich. Schließlich gibt es nicht auf jeder Baustelle frische Burger, Spare-Ribs oder Flank-Steak in der Mittagspause.

Eines scheint sicher: Andreas Ortlepp ist Metzger und wird es auch bleiben. Das hat der Ostheimer beim dreiwöchigen Umbau seiner Metzgerei festgestellt. „Ich bin Handwerker mit dem Fleischermesser, nicht mit dem Akkuschrauber. Endlich stehe ich nicht mehr in meinem eigenen Laden im Weg.“ Jetzt kann er sich wieder um die Fleisch- und Wurstversorgung in der Region kümmern und tauschte gern den Blaumann gegen den weißen Metzgerkittel.

Einen Appell hat er noch an seine Kunden mit Blick auf die Oster-Feiertage: Wer kann, sollte weitschauend einkaufen und das Fleisch nach Möglichkeit einfrieren, um zu verhindern , dass es am Ostersamstag zu großem Andrang mit Wartezeiten kommt. Und natürlich sind bereits jetzt Vorbestellungen möglich.

Alles neu: Top-modern präsentiert sich die Metzgerei Ortlepp in Ostheim nach dem Umbau.
Alles neu: Top-modern präsentiert sich die Metzgerei Ortlepp in Ostheim nach dem Umbau. Foto: Markus Buettner

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