RHÖN-GRABFELD/BAD KISSINGEN

Anreize fürs Landleben schaffen

Die Rhön als Landschaft hat zweifelsohne ihre Reize, doch es bedarf in Zukunft auch neuer Anreize, damit es sich lohnt, in dem Landstrich im Norden Bayerns gut leben zu können.
Die Rhön als Landschaft hat zweifelsohne ihre Reize, doch es bedarf in Zukunft auch neuer Anreize, damit es sich lohnt, in dem Landstrich im Norden Bayerns gut leben zu können. Foto: Sonja Demmler

Die Vorzüge des Landlebens sind heutzutage oft schwer vermittelbar. In der Stadt hat man mehr Möglichkeiten eine Arbeitsstelle zu finden, einzukaufen und die Freizeit zu gestalten, argumentieren Städter. Wer Menschen fürs Landleben begeistern will, muss Anreize schaffen. Das ist das Ziel eines neuen bundesweiten Modellprojekts, für das sich die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld am 4. Januar offiziell bewarben.

„Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen“ lautet der Titel des Vorhabens, für welches das Bundesverkehrsministerium den beiden Rhön-Landkreisen auf zweieinhalb Jahre hin insgesamt 480 000 Euro in Aussicht gestellt hatte. Die Mittel – übrigens die höchste Fördersumme bundesweit – wurden am 21. Januar zugesagt, der formale „Zuwendungsbescheid“ wird Mitte Februar erwartet.

Die Planungen sind angelaufen, es gibt bereits ein erstes Konzept. Die Landkreise arbeiten hierbei eng mit dem Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Würzburger Hochschule für Angewandte Wissenschaft und mit dem Bad Kissinger Zentrum für Telemedizin zusammen. Der Landkreis Rhön-Grabfeld übernahm die Federführung in der Projektleitung.

Zwei zentrale Bausteine

Zwei Ziele nennt der Bad Kissinger Wirtschaftsförderer Jürgen Metz zuvorderst: Man muss die Ströme des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) besser an die Versorgungszentren anbinden. In der Vergangenheit habe man beim Wort ÖPNV immer an die Schülerverkehre gedacht. Die haben nach wie vor auch Priorität, sagt Metz auf Anfrage. Künftig müsse man jedoch bei der Entscheidung zu einer Busverkehrslinie viel öfter die Struktur der jeweiligen Städte, Märkte und Dörfer mit in die Planungen einbeziehen.

Wird dort viel eingekauft? Gibt es interessante Zulieferfirmen? Fährt man dorthin zum Arzt? Alles Fragen, die nach Ansicht des Wirtschaftsförderers bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielen müssen. Denn schließlich will man die Menschen ja vor Ort halten oder jungen Familien von außen vermitteln, dass die Rhön-Landkreise lebenswert sind.

Das Projekt hat auch noch einen zweiten zentralen Baustein, der in die Zukunft weist. „Wir wollen uns ein Elektromobil anschaffen und es telemedizinisch ausstatten“, kündigt der Wirtschaftsförderer an. Medizinisches Fachpersonal soll mit diesem „Tele-Mobil“ die Runde über Land machen und den Bürgern die gewünschten Hilfeleistungen bieten. Früher gab?s die Gemeindeschwester, jetzt wird dieses Besuchssystem weiterentwickelt, erklärt Metz die Zukunftsfähigkeit dieses Plans.

Das Elektromobil und die Rhön

Das Fahrzeug könnte noch dieses Jahr angeschafft werden. Dann muss man es technisch-medizinisch ausstatten, bevor es vielleicht schon 2017 an den Start geht. Und dann gehe die Arbeit ja erst richtig los, so der Kreisentwickler weiter. Denn man müsse freilich erst mal austesten, inwieweit ein Elektromobil überhaupt für die langen und teils steilen Wege in der Rhön tauglich ist.

Ein weiterer Gedanke des Mobilitätskonzepts ist es, eine Art digitaler Mitfahrzentrale zu installieren. MFGs gibt es bereits in der Rhön. Jedoch muss man sich im Internet anmelden, was Metz sehr kompliziert findet. Denn manchmal müsse man solche Fahrten auch flexibler gestalten. Seiner Vorstellung nach könnten solche Buchungen künftig vielleicht sogar über eine App erfolgen. Aber das ist für ihn noch Vision.

Jetzt müssten erst mal Erhebungen zum Ausgangszustand gemacht werden. Dazu gibt es vielerorts in den Städten und Kommunen bereits verwertbare Unterlagen, so Metz weiter. Wenn die neue Stabsstelle für dieses Projekt im Landratsamt Bad Neustadt geschaffen sein wird, kann man darangehen, all diese Daten zu sichten und auszuwerten. „Dann müssen wir in die Tiefe gehen, und zwar gemeinde- und ortsteilscharf.“

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