BAD KÖNIGSHOFEN

Auf dass der Tischtennis-Boom anhält

Standing Ovations! Matthias Braun und „Mister Shakehands”, Akihiko Kotani, der Sponsor aus Japan, beklatschen mit MdL Steffen Vogel einen spektakulären Ballwechsel von Darko Jorgic gegen den Österreicher Flegerl. Foto: Rudi Dümpert

In der VIP-Lounge herrscht Herzlichkeit. Hier ein Hallo, dort ein Auch-wieder-mal-da. Tischtennis-Bundesliga zieht, gegen den deutschen Rekordmeister Düsseldorf zumal. 1260 Zuschauer verkündet Hallensprecher Jürgen Halbig stolz, ein Rekord.

Rang zwei in der Zuschauertabelle

Das echte Ausmaß dieser Zahl wird erst deutlich im Vergleich mit den Zuschauerzahlen der anderen Bundesliga-Teams. Da führte in dieser Runde Düsseldorf vor diesem Spieltag mit 6600 Gästen vor Bad Königshofen. Die neuerliche Rekordzahl brachte das Bundesligateam aus dem Grabfeld auf 6514 Zuschauer knapp an Düsseldorf heran. Stolze 723 Gäste haben die TSVler damit im Durchschnitt bei den Heimspielen begrüßt – ein echter Boom. Auf den weiteren Plätzen folgen Fulda (535) und Mühlhausen (390).

Und das mit dem Begrüßen nehmen die Bad Königshöfer wörtlich. Kaum einer, der nicht per Handschlag von TSV-Manager Andy Albert in der Halle empfangen und auf die Plätze begleitet wird. Das beeindruckt auch Andreas Preuß, den Manager von Borussia Düsseldorf: „Mein Kompliment an das ganze Drumherum. Was hier abgeht, ist sensationell. Hier kann mal was ganz Großes entstehen. Düsseldorf hat auch mal klein angefangen. Wenn es überall so wäre, dann wäre die Bundesliga ein Stück weiter, ohne Frage.“

Neues Konzept Turnierpatenschaft

An das berühmte Stück weiter denkt man hinter den Kulissen der Königshöfer Tischtennisabteilung schon längst. Nicht nur, dass mit dem Ungarn Bence Majoros schnell ein weiteres junges Talent für den nach Saarbrücken wechselnden Darko Jorgic gefunden wurde. Marketing-Mann Bernd Knahn und Manager Andy Albert stellten bei der abschließenden Pressekonferenz ihr Konzept der Turnierpatenschaft für das TSV-Eigengewächs Kilian Ort vor.

Demnach muss der 21-jährige Sportsoldat noch in diesem Jahr mehrere internationale Turniere spielen. Und die finden weltweit von Slowenien über Thailand bis Hongkong statt. Das kostet natürlich Geld. Andy Albert: „Als ich das Finale um die Deutsche Meisterschaft sah, wie Timo Boll – von Kopf bis Fuß voll dekoriert mit Sponsoren gegen Kilian spielte, und bei unserem Königshöfer nur die Bundeswehr auf dem Trikot prangte, dachte ich mir: Da ist noch viel Luft nach oben!“

Kilian Ort begleiten

14 500 Euro – so haben die Königshöfer errechnet – müssten für diese Turnierserie aufgebracht werden. „Wir bieten unseren Geschäftspartnern an, dass sie Kilian auf diesen Weg begleiten – im Rahmen einer sogenannten Turnierpatenschaft“, erklärt Bernd Knahn. Er denkt an Trikotsponsoring, sei aber auch für individuelle Wünsche offen. Fest steht nur, dass der erwirtschaftete Betrag ausschließlich der sportlichen Weiterentwicklung von Kilian Ort als Tischtennisprofi dient.

Zwei von zehn erhoffte Geldgeber wurden am Rande des Spiels gegen Düsseldorf schon gefunden. Oliver Haschke und Matthias Braun machen mit. Braun, ehemaliger TSV-Tischtennisspieler, arbeitet seit 30 Jahren in München als Abteilungsleiter bei der Bayerischen Landesbank. Bei vier Heimspielen war er in dieser Saison in Bad Königshofen dabei. Das verbindet er immer mit einem Besuch bei seiner Mutter. „Die hat dem Kilian als Kind schon über die Straße geholfen. Und ich bin aus alter Verbundenheit schon seit Jahren Mäzen des TSV.“

Mit Josef Ort in einer Mannschaft

Er habe das zusätzliche Engagement mit seiner Familie abgesprochen und schnell zugesagt. „Ich verzichte aber auf Werbefläche. Dafür soll mir Kilian zwei Trainerstunden geben!“, sagt der Jurist und Bankkaufmann, der mit Kilian Orts Vater Josef früher in einer Mannschaft gespielt hat. Und jetzt wieder öfters zum Schläger greift - ohne internationale Ambitionen.

Für einen Hauch Internationalität in Bad Königshofen sorgen nicht nur die Tischtennisspieler in der Box, die dieses Mal aus Slowenien, Japan, Österreich, Deutschland und Schweden stammten, sondern bisweilen auch Pater Paul Mutume. Der Pfarrvikar in Bad Königshofen ist aus Uganda. „Ich war heute bereits das zweite Mal in der Halle. Bevor ich nach Bad Königshofen kam, hatte ich diese Sportart nicht gekannt. Sie ist aber sehr dynamisch und spannend. Es ist schön, dass Bad Königshofen so eine gute Mannschaft hat, die so vielen Leuten Freude bereiten kann. In der Halle war es viel wärmer als draußen in diesem fürchterlich kalten Weiß.“

Auch der Afrikaner kann sich für den Tischtennis-Boom im Grabfeld erwärmen. Und das im Wortsinne.

Mitarbeit: Rudi Dümpert

Bitte zusammenrücken! Hallensprecher Jürgen Halbig musste seinen Appell mehrere Male übers Mikro durchsagen, dass auch alle Interessenten einen Platz fanden in der Halle beim Spiel gegen den designierten deutschen Meister Borussia Düsseldorf. Foto: Rudi Dümpert

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