SULZDORF

Auf den Spuren jüdischer Vorfahren

Spurensuche: David Lewin und seine Frau Sylvia (links) aus London begaben sich mit ihren Verwandten, die in der ganzen Welt verstreut sind, auf die Spuren ihrer Vorfahren. Die stammen unter anderem aus Sulzdorf, wo sie in der Ortsmitte Bürgermeister Walter Krug (Sechster von links) willkommen hieß. Höhepunkt des Besuchs war eine Führung durch den Kreisheimatpfleger im jüdischen Friedhof der Gemeinde. Foto: Reinhold Albert

Aus Europa, Amerika und Israel kamen die Teilnehmer eines ungewöhnlichen Familientreffens, das dieser Tage erstmals stattfand und unter anderem die Grabfeldgemeinde Sulzdorf zum Ziel hatte. David Lewin aus London erforschte mit Unterstützung des Rhön-Grabfelder Kreisheimat- und Archivpflegers Reinhold Albert sowie Rainer Domke aus Kronach die Familiengeschichte seiner Frau Sylvia. Sie ist eine Nachfahrin des aus der Lederheckengemeinde stammenden Abraham Löb Sulzdorfer.

Lewin spürte zahlreiche Nachfahren in Europa, Amerika und Israel auf und lud sie und ihre Partner nach Franken ein, wo sie Stationen der Familiengeschichte eben in Sulzdorf sowie in Burgpreppach, Altenstein und Kraisdorf im benachbarten Kreis Haßberge besuchten.

Abraham Löb Sulzdorfer wurde 1756 in Sulzdorf als Sohn des Lehrers Löb geboren. 1787 waren die Juden zum Erwerb von Familiennamen aufgefordert worden. Die Familie führte deshalb, wohl nach ihrem Wohnort, zunächst ausschließlich den Namen Sulzdorfer.

Abraham Löb Sulzdorfer wird 1809 in einer Forderungssache gegen einen Andreas Rüth aus Obereßfeld als „Judenschullehrer“ der jüdischen Präparandenschule Burgpreppach (heute Kreis Haßberge) genannt, ergaben Recherchen im dortigen Fuchs'schen Schlossarchiv. Urkundlich tritt er dann 1816 als Rabbiner in Adelsdorf bei Forchheim auf.

In einer im Staatsarchiv Bamberg verwahrten Judenmatrikel von 1822 ist vermerkt, dass Abraham Löb nunmehr den Namen Stein angenommen hatte. 1825 wurde er Distriksrabbiner im Raum Forchheim. Eines der sieben Kinder des Abraham und seiner Ehefrau Gelche war der Reformrabbiner Dr. Leobold (Loeb) Stein. Dieser war wie sein Mentor, der berühmte fränkische Dichter Friedrich Rückert (1788 – 1866), auch ein politischer Dichter und veröffentlichte eine Vielzahl literarischer Werke.

In der Ortsmitte von Sulzdorf wurde die Reisegruppe zunächst von Bürgermeister Walter Krug willkommen geheißen. Krugs Familie hat eine besondere Beziehung zu den ehemaligen jüdischen Einwohnern der Gemeinde, pflegt sie doch schon jahrzehntelang den außerhalb des Dorfes liegenden jüdischen Friedhof.

Kreisheimatpfleger Reinhold Albert berichtete aus der Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde Sulzdorf. Immerhin waren ein Drittel der Ortseinwohner im 18. und 19. Jahrhundert jüdische Mitbürger. 1833 wurde ein Judenfriedhof angelegt. Die letzte Bestattung fand dort 1905 statt. 1920, lange vor der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, verließ die letzte jüdische Familie das Dorf. Der überwiegende Teil wanderte nach Amerika aus oder zog in die großen Städte.

Abraham Löb Sulzdorfer wurde 1756 in Sulzdorf geboren. Sein Porträt, 1840 gemalt, wird von seiner Nachfahrin Sylvia Lewin in London in Ehren gehalten. Abraham war zuletzt Distriktsrabbiner in der Forchheimer Gegend. Foto: Repro: Albert

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