BAD NEUSTADT

Aufgeschlossen: Einheit leben

Helmut Bär
HelmutBär Foto: privat

Liebe Leserin, lieber Leser, den „Tag der Deutschen Einheit“ feierten wir in dieser Woche. Dabei hatten viele unter uns im Wahlkampf den Eindruck, dass sich die Parteien überhaupt nicht einig sein wollen. Es galt, sich gegeneinander abzugrenzen. Und noch in diesem Monat gibt es das 500-jährige Reformationsjubiläum, das so manche hauptsächlich mit der Trennung zwischen Katholiken und Evangelischen verbinden. Wie schwierig es ist, Einheit herzustellen, zeigen nicht nur freiwillige Bündnisse wie die Europäische Union, sondern erst recht von Konflikten und Kriegen zerrissene Länder wie die Ukraine und Syrien. Im unmittelbaren Lebensbereich von Familie und Gemeinden erleben wir auch nicht nur Einheit, sondern oft Trennung und Differenzen, die unüberbrückbar scheinen.

Dabei sehnen wir uns alle mehr oder weniger nach Einheit. Diese stellt sich nicht automatisch ein. Das war und ist bei der deutschen Einigung so und das gilt für die anderen genannten Bereiche. Andererseits können wir im staatlichen Bereich und in der Familie immer wieder diese gute Erfahrung machen: Man kann verschiedene Standpunkte einnehmen und trotzdem an der Einheit festhalten und darauf hinarbeiten.

So erwarten wir von den Parteien, dass sie ihre Verantwortung für das Wohl unseres Landes wahrnehmen, Gemeinsamkeiten suchen und – soweit möglich – unterschiedliche Standpunkte hinten anstellen. Erst recht erwarten wir von den Kirchen, dass sie auch im Jahr des Reformationsgedenkens aufeinander zugehen, was ja geschieht. Dabei könnte der folgende Ausspruch Jesu wegweisend sein: „Wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.“ Die Grundlage für die Einheit unter Christen ist der Wille Gottes, wie ihn Jesus Christus verdeutlicht. Diesen gilt es immer wieder in der Achtung voreinander zu suchen und in die Tat umzusetzen. Es kommt dabei nicht darauf an, in allen Dingen einig zu sein, sondern eine gemeinsame Grundlage oder ein gemeinsames Ziel anzuerkennen. Ein solches Modell von Einheit könnte auch für andere Lebensbereiche gelten: In unserem Land ist es das Grundgesetz, das es immer wieder neu zu interpretieren und zu verwirklichen gilt, in der EU die Europäische Verfassung, in der Familie und Ehe gemeinsam gesteckte Ziele. Trotz mancher Uneinigkeit kann so Einheit gelebt werden.

Helmut Bär Pfarrer i. R. Foto: Dekanat

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