Willmars

Aufregung im "Nicolhaus": Warum muss der Heimleiter gehen?

Wegen "schwerwiegender Differenzen" müssen der aktuelle Heimleiter und seine Frau gehen. Für die Entlassung erntet der Vorstand Kritik. Was steckt hinter den Vorwürfen?
Undurchsichtige Situation: Für das Kinderheim Nicolhaus in Willmars wird eine neue Heimleitung gesucht. Der bisherige Heimleiter Martin Bohn sowie seine Frau Martina Bohn, die als Sekretärin im Nicolhaus arbeitete, müssen gehen. Über den Grund schweigt sich der Diakonieverein Willmars aus. Foto: Marc Huter

Streitereien in der Führungsetage des Kinderheims Nicolhaus in Willmars sorgen derzeit für Aufregung. Der aktuelle Heimleiter muss gehen, ein Nachfolger wird gesucht. Doch die Situation ist unübersichtlich. Warum muss Martin Bohn, Leiter des evangelischen Kinderheims seit 1997, sein Amt überhaupt niederlegen? Diese Frage konnte Silvia Baumbach bislang nicht eindeutig beantworten. Baumbach ist die Vorsitzende des Diakonievereins Willmars, dem Träger des Hauses. "Es gibt Differenzen, die wir nicht beilegen können", erklärte sie die Kündigung, die auch die Ehefrau des Heimleiters, Sekretärin Martina Bohn, betrifft. Beide seien von ihren Tätigkeiten bis zum 31. Dezember freigestellt. Dann endet der Vertrag.

Um welche Differenzen es sich handelt, konnte Baumbach indes nicht offen legen. "Wir haben uns beidseitig darauf geeinigt, keine Details nach draußen dringen zu lassen." Nun soll der Posten der Heimleitung neu besetzt werden. Eine Stellenausschreibung wurde bereits veröffentlicht. Der stellvertretende Heimleiter Gregor Koob, der die Leitung aktuell kommissarisch übernimmt, erklärte auf Anfrage dieser Redaktion, dass der Trägerverein alleine die Entscheidung getroffen habe. "Ich habe auch nur den Beschluss bekommen", so Koob.

Diskussionen auf der Mitgliederversammlung

Der Posten des Heimleiters war nun am Montagabend bei der Jahreshauptversammlung des Diakonievereins Willmars das beherrschende Thema. Vor rund 30 anwesenden Mitgliedern bemühte sich die Vorsitzende des Diakonievereins, Silvia Baumbach, zwar um Normalität und blickte mit weiteren Verantwortlichen auf das vergangene Jahr zurück. Dennoch warteten die Mitglieder gespannt auf die Stellungnahmen zur Kündigung von Heimleiter Martin Bohn. Er war ebenfalls anwesend und folgte dem Geschehen regungslos.

Bei der Jahreshauptversammlung des Diakonievereins Willmars ging es auch um die Entlassung von Kinderheimleiter Martin Bohn. Foto: Nicolas Bettinger

"Die Differenzen zwischen Heimleitung und Vorstand bestehen nicht erst seit letzter Zeit", sagte Silvia Baumbach und begründete damit den "schweren Schritt" der Kündigung. Die Vorstellungen darüber, wie ein Heim geleitet werden soll, seien zu weit auseinander gegangen. Baumbach wolle sich aber bewusst zurückhalten, um keine Details nach außen dringen zu lassen. "Auch wenn das natürlich Raum für Spekulationen bietet", so die Vorsitzende.

Hintergründe zur Kündigung? Pressevertreter werden aus dem Raum gebeten

Die Entscheidung, das Ehepaar Bohn vom Dienst freizustellen, sei einseitig gefallen und sorge natürlich für Unmut. Diesem Unmut sei allerdings ein "für uns inakzeptables Verhalten" gefolgt, führte Baumbach weiter aus. Wie das genau aussah, wollte die Vorsitzende zunächst nicht sagen. Doch mit dieser unklaren Aussage wollte sich einer der Mitglieder nicht zufrieden geben. "Das ist hier kein Kaffeekränzchen, sondern die Mitgliederversammlung. Sie sind zur Auskunft verpflichtet", wendete Rainer Claaßen ein.

"Das ist hier kein Kaffeekränzchen, sondern die Mitgliederversammlung. Sie sind zur Auskunft verpflichtet."
Rainer Claaßen, Mitglied des Diakonievereins Willmars

"Wir wollen aber hier nichts schüren", antwortete Baumbach. Im Saal wurde es unruhig. Der freigestellte Heimleiter Martin Bohn äußerte sich zu den Vorwürfen ebenfalls nicht. Konzentriert folgte er dem Geschehen und machte dabei nicht den Eindruck, sich einer Schuld bewusst zu sein. Er könne sich aktuell dazu nicht äußern, da es sich um ein "laufendes Verfahren" handele. Bohn ist nicht beim Diakonieverein Willmars, sondern bei der Kirche angestellt. Diese müsse die Situation aktuell prüfen. Erst dann könne man sich öffentlich äußern.

An einer Schuld des Heimleiters zweifelte indes Rainer Claaßen. Wiederholt forderte er die Vorsitzende Baumbach auf, Stellung zu beziehen. "Wir wollen keine schmutzige Wäsche waschen, aber wenn Sie es wissen wollen, dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit", sagte Baumbach daraufhin. Nach einer kurzen Diskussion über Pressefreiheit schickte Silvia Baumbach die Pressevertreter aus dem Raum und führte die Sitzung fort. Wer die dauerhafte Nachfolge Bohns als Heimleiter übernimmt, bleibt derzeit noch offen. Genau wie die Frage, was wirklich zur Kündigung führte.

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