Althausen

Aus einer Not heraus die Handwaschung

Normalerweise gießt Pfarrer Karl Feser  den Gläubigen am Gründonnerstag in der Kirche von Althausen  frisches Wasser auf  die Hände. Wegen der Corona-Virus-Pandemie muss  die symbolische Handwaschung jedoch heuer  ausfallen.
Normalerweise gießt Pfarrer Karl Feser den Gläubigen am Gründonnerstag in der Kirche von Althausen frisches Wasser auf die Hände. Wegen der Corona-Virus-Pandemie muss die symbolische Handwaschung jedoch heuer ausfallen. Foto: Josef Kleinhenz

„Es wird keine öffentlichen Gottesdienste geben, daher hat sich das Thema Handwaschung heuer erledigt“, sagt Pfarrer Karl Feser, der Leiter der Pfarreiengemeinschaft „Grabfeldbrücke“ auf Anfrage. Die Hände auszustrecken und sich darauf frisches Wasser  gießen zu lassen, um sich mit Blick auf Ostern sinnbildlich „rein“ zu waschen, ist für die katholischen Christen Althausens insofern ein besonderer Brauch, weil sie damit persönlich in das Abendmahlsgeschehen einbezogen werden. Bei der Gründonnerstagsliturgie werden also nicht etwa  zwölf ausgewählten Mitgliedern der Pfarrgemeinde die Füße gewaschen, wie es Jesus bei seinen Jüngern beim Letzten Abendmahl tat, sondern die Hände aller Anwesenden, die der Einladung zum Altar folgen.    

Eine Fußwaschung wäre für  Pfarrer Karl Feser „natürlich  noch eindrücklicher“, dennoch empfindet er die Handwaschung als eine  „gute Sache“. Denn dabei werde  nicht nur ein begrenzter  Personenkreis angesprochen, sondern  die ganze Gemeinde.    

Pfarrer Karl Feser ist sich der Symbolik des ursprünglichen Zeichens bewusst: „In der antiken Lebenswelt gehört die Fußwaschung zum Dienst der Sklaven an den Gästen“.  Obwohl  eine „niedere“ Dienstleistung, drücke die Fußwaschung Achtung und Verehrung, Zuvorkommen und Zugewandtheit aus. Die Geste Jesu in Form der Fußwaschung  sei  Ausdruck seiner Liebe zu den Menschen und „dienender Selbsthingabe“.  Das gelte aber ebenso für die Handwaschung als Reinigungsritual mit symbolischer Bedeutung. Karl Feser erläutert,  dass im Johannes-Evangelium auf das Abendmahl nur  kurz hingewiesen, dafür aber von der Fußwaschung ausführlich erzählt werde (Joh. 13, 1-17).  

An die Gläubigen gewandt, sagt er: „Der Herr erweist mir einen Dienst, so wie ich auch immer wieder anderen einen Dienst erweisen soll“. Das sinnbildliche Waschen der Hände ist in der Konsequenz also  zugleich Auftrag, dem Nächsten und den Menschen zu dienen.

In Althausen wurde die  Handwaschung 1993 von dem verstorbenen Ruhestandspfarrer Felix Funk aus einer gewissen Not heraus eingeführt. Er wollte ursprünglich eine Fußwaschung durchführen und suchte  vergebens nach  zwölf Personen entsprechend der Zahl der Apostel, denen Jesus die Füße wusch. Zumindest ist es ihm nicht gelungen, eine  komplette Gruppe  zusammenzubringen. So öffnete Funk die Teilnahme an der Handwaschung für die ganze Pfarrgemeinde.            

Wie bei der Kommunion,  stellen  sich  die Kirchenbesucher  in der Reihe  auf, ehe sie vor den Altar treten. Während  der Pfarrer den Gläubigen aus einem Krug Wasser auf ihre geöffneten Hände über eine Wanne gießt,  reichen ihnen assistierende Ministrantinnen und Ministranten ein Tuch  zum Abtrocknen. Danach kehren die Teilnehmenden  in ihre Bank zurück.    

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