BAD NEUSTADT

Aus stürmischen Anfängen in ruhige Fahrwasser

In der Laurentiusstube blickten der Vorsitzende Alois Heinisch (von links) und seine Vorgänger Alfons Nothhelfer und Dietrich Haase auf die Entwicklung der Sozialstation St. Laurentius seit 1978 zurück. Die Pflegedienstleitung liegt seit 1992 in den Händen von Bruno Kleinhenz (rechts). Foto Nerche-Wolf Foto: Karin Nerche-Wolf

Die Caritas-Sozialstation St. Laurentius hat sich im Laufe von 40 Jahren zur größten Sozialstation des Landkreises entwickelt. Dazu haben engagierte Mitarbeiter beigetragen, aber auch die Vorsitzenden, die die richtigen Weichen stellten. Das Besondere an ihrem Einsatz: Sie stehen ehrenamtlich an der Spitze des Trägervereins. Drei von ihnen werfen nun einen Blick zurück auf vier bewegte Jahrzehnte.

Eigentlich hätte sich Pflegedienstleiter Bruno Kleinhenz gewünscht, dass aus Anlass des Jubiläums alle fünf ehemaligen Vorsitzenden ihre Erfahrungen lebendig werden lassen, aber altersbedingte Gründe hinderten Pfarrer Josef Wirth und Dr. Georg Habermann daran, sich der geselligen Runde von Alfons Nothhelfer, Dietrich Haase und Alois Heinisch anzuschließen.

Die gemeinsamen Gedanken wanderten zurück ans Ende der Siebzigerjahre, als sich abzeichnete, dass die Ordensschwestern, die vor allem in Brendlorenzen die Aufgabe der Alten- und Krankenbetreuung wahrnahmen, nicht mehr in der Lage sein würden, diese Tradition fortzusetzen. Also musste eine andere Lösung gefunden werden und die bestand in der Gründung der Sozialstationen. Zwei machten in der Diözese Würzburg den Anfang, dann kamen 1978 St. Laurentius in Bad Neustadt, St. Kilian in Mellrichstadt und St. Peter in Bad Königshofen hinzu.

Die Gründungsväter von St. Laurentius waren Altlandrat Gottfried Miller in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer des Diözesanbüros und Caritas-Pfarrer Gregor Becker. Erster Vorsitzender des Trägervereins wurde Pfarrer Josef Wirth, der sich in einem Telefongespräch jetzt daran erinnerte, dass er sich damals von den Verbänden ziemlich alleingelassen fühlte. Auch bei den Pfarrgemeinden brauchte es manche Überzeugungsarbeit, bis sie sich im Laufe der Zeit anschlossen.

Außerdem bereitete die Pflegedienstleitung, die von den Vorsitzenden eingesetzt wird, Pfarrer Wirth manches Kopfzerbrechen. Zu Beginn lag sie noch in den Händen der Ordensschwestern, 1980 folgte ihnen dann Hermann Prison. 1984 sprang Diakon Alfons Nothhelfer für Pfarrer Wirth als Vorsitzender des Trägervereins ein. Er setzte sich dafür ein, dass Schwester Margarete Lammeyer 1985 die Pflegedienstleitung übernahm und die teilweise stürmischen Zeiten damit ein Ende fanden.

Als Alfons Nothhelfer 1987 aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz abgeben musste, fiel die Entscheidung erneut ein wenig überfallartig aus: Dr. Georg Habermann wurde in Abwesenheit gewählt. Und als dem karitativ eingestellten Ruhestandspolizisten Dietrich Haase im Jahr 2000 das Amt schmackhaft gemacht wurde, ließ man ihn in einen Ordner hineinschnuppern. Fast erschlagen wurde er dann, als ihm Dr. Habermann nach der Wahl einen ganzen Berg von Ordnern übergab.

Darin war unter anderem festgehalten, dass die Sozialstation unter seiner Führung zunächst vom Büro im Kindergarten Mariä Himmelfahrt ins neue Gemeindehaus Mariä Himmelfahrt und 1995 von dort in die Martin-Luther-Straße umgezogen war. Auf dem ehemals vom amerikanischen Militär genutzten Gelände gab es endlich ausreichend Platz für die stetig wachsende Fahrzeugflotte des Pflegepersonals.

Doch die paradiesischen Zustände hielten nicht lange an, denn der Aufgabenberg und die Mitarbeiterzahl wuchsen kontinuierlich, sodass wieder Platzmangel herrschte. Als der Neubau in der Goethestraße entstand, ergab sich die Möglichkeit, Räumlichkeiten und Stellplätze zu erwerben und damit mietunabhängig zu werden. 2008 erfolgte während der 15-jährigen Haase-Periode der Umzug ins eigene Reich, das später durch den Kauf einer zusätzlichen Wohnung im selben Gebäude noch einmal erweitert wurde.

Gebraucht wird der Platz für die vielfältigen Angebote der Sozialstation, zu denen Kurse und Pflegeentlastungstage gehören.

Der einzige Vorsitzende, der sich auf seine Aufgabe wirklich vorbereiten konnte, ist der amtierende: Alois Heinisch. Er löste Dietrich Haase 2015 ab, führt alle gewachsenen Traditionen wie die Gedenkgottesdienste und das Laurentiusbrot weiter und sieht seine Aufgabe für die nahe Zukunft in der Schaffung einer Tagespflege. Sie soll für 15 bis 20 Personen im Urbanusheim in Leutershausen entstehen.

Ganz wichtig war es der Gesprächsrunde, zum einen die Kontinuität der Pflegedienstleitung hervorzuheben, die nun schon seit 1992 in den Händen von Bruno Kleinheinz liegt, zum anderen die Verdienste von Irmgard Schlagbauer zu würdigen. Die Frau des früheren Bürgermeisters Josef Schlagbauer engagierte sich von der ersten Stunde an bis zu ihrem Tod im Jahr 2004 als Kassiererin und war mit ihrer soliden Finanzführung maßgeblich daran beteiligt, dass St. Laurentius seine Eigenständigkeit behalten hat und Rücklagen für seine eigenen Räume bilden konnte.

Schlagworte

  • Bad Neustadt
  • Karin Nerche-Wolf
  • Ehrenamtliches Engagement
  • Josef Wirth
  • Ordensschwestern
  • Pfarrer und Pastoren
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!