BAD NEUSTADT

Ausdruck des Wohlstands

Ein hübsches Beispiel ländlicher Bauweise hielt Paul Köttnitz vor gut 100 Jahren mit seiner Kamera fest. Wo steht das Bauernhaus? Foto: Eckhard Heise

Bei der Aufgabe unserer Sommerserie „damals und heute“ hatten die Bad Neustädter am vergangen Dienstag ganz klar einen Heimvorteil. Und der wurde auch genutzt, denn alle eingegangenen Antworten waren richtig, als der Pavillon auf dem Gelände der Gärtnerei Kantner in Brendlorenzen erkannt wurde.

Das barocke Kleinod gegenüber dem Gymnasium mit seinem elegant geschwungenen Zwiebeldach mutet etwas verloren an in der ansonsten zeitgenössischen Bebauung am Rande von Brendlorenzen. Über seine Entstehung ist nicht viel herauszufinden gewesen, laut Bad Neustädter Chronik soll das kleine Gebäude 1780 errichtet worden sein und hängt „irgendwie mit dem Schloss in Neuhaus zusammen“, hat Christof Kantner, der heutige Eigentümer, in Erfahrung gebracht.

Damals noch in freier Flur

Der Betreiber der Gärtnerei weiß, dass sein Urgroßvater das Gelände gekauft hat. Damals stand der Turm in freier Flur, wie auch die Aufnahme von Paul Köttnitz zeigt, auf der auch noch die Kirche von Brendlorenzen zu erkennen ist. Nur ein kleines Stück entfernt steht noch ein zweiter allerdings völlig anders gestalteter Pavillon, der jedoch nicht so sehr ins Auge fällt.

Zum ersten Stock führt eine geschwungene Steintreppe, die am Eingang in einen achteckigen Raum mit Parkettboden endet. Der Pavillon sei im Grunde nie richtig genutzt worden, berichtet Kantner. Er könne sich erinnern, dass das Zimmer in seiner Jugend und Kindheit ab und an als Treffpunkt diente. Als Ausstellungsraum für die Gärtnerei wäre das hübsche Ambiente zwar bestens geeignet, doch liegt das Gartenhaus zu weit abseits vom übrigen Verkaufsbereich.

Kaum Nutzen, hohe Kosten

So hat das Gebäude keinerlei Nutzen, verursacht aber nicht unerhebliche Unterhaltskosten. Bei der Dacheindeckung werden zum Beispiel gewölbte Biberschwanzziegel verwendet, die natürlich ihren Preis haben. Irgendwann wird auch eine Sanierung des Dachstuhls fällig werden, da jetzt schon zu erkennen ist, dass sich die aufwendige Holzkonstruktion im Laufe der Jahre verzogen hat.

Die Erbauer konnten sich den Luxus einer solchen Ruheoase am Rande der Stadt offensichtlich leisten. Damals muss auch das wirtschaftliche Leben von Bad Neustadt floriert haben. Eine ganze Reihe exklusiver Bürgerhäuser und öffentlicher Gebäude ist in dieser Zeit erbaut worden. Bad Neustadt galt als Perle unter den Städten in Unterfranken.

Ländliche Bauweise

Eine ähnliche Beschreibung hätten sich die Einwohner des Dörfchens, in dem sich unser heutiges gesuchtes Haus befindet, sicherlich auch gewünscht. Wie die bäuerliche Kleidung und die unbefestigte Straße erahnen lassen, ist die Aufnahme wohl wieder auf einer der Landpartien des Bezirksamtsassessors Paul Köttnitz entstanden. Wie weitere Fotomotive aus der Sammlung des Stadtarchivs andeuten, muss der Beamte eine Vorliebe für den Bereich am Fuße der Rhön gehabt haben. Besonders schätzte er offensichtlich die ländliche Bauweise, von der er einige besonders attraktive Beispiele auf Papier festhielt.

Das gesuchte Haus ist fast zur gleichen Zeit wie der Pavillon gebaut worden, geht aus einer Inschrift an der Giebelwand zur Hauptstraße hervor, die weiter in den Besengau führt. Das gesuchte Dorf hat vor kurzem übrigens für Schlagzeilen gesorgt, da in seiner Umgebung der erste Rückkehrer einer hier längst ausgerotteten Raubtierart aufgetaucht ist.

Sommerserie, Teil 6

Auch in diesem Sommer haben wir für Sie unsere Sommerserie vorbereitet. Wir präsentieren Ihnen diesmal historische Fotos des Bezirksamtsassessors Paul Köttnitz aus den Jahren kurz nach dem Wechsel ins 20. Jahrhundert. Die Originale befinden sich im Stadtarchiv von Bad Neustadt. Sie sollen die Aufnahmen mit Motiven aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld nun lokalisieren oder Fragen beantworten, die sich auf das Foto beziehen.

Antworten bitte per E-Mail an redaktion.rhoen-grabfeld@mainpost.de oder Postkarte an Main-Post, Industriestraße 8, 97616 Bad Neustadt. Unter allen Teilnehmern verlosen wir am Ende der Sommerserie Bücher und Sporthandtücher.

Der Pavillon am Rand von Brendlorenzen ist Ausdruck des wirtschaftlichen Aufschwungs von Bad Neustadt. Foto: Paul Köttnitz
Das äußere Erscheinungsbild hat sich kaum verändert, nur die Umgebung ist jetzt eine völlig andere Foto: Eckhard Heise

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