Bad Königshofen

Bad Königshofen: "Es war einmal - die DDR"

Einmal Trabi fahren: Diesen Wunsch erfüllten sich anlässlich der Ausstellung Sulzfelds Bürgermeister Jürgen Heusinger (links) und Aubstadts Bürgermeister Burkhard Wachenbrönner. Foto: Regina Vossenkaul

Wie ein Märchen erscheint die Geschichte von einem geteilten Land, das am Ende durch Proteste mutiger Menschen, durch Kerzen und Gebete wieder vereint wurde. "Es war einmal – die DDR" hat Hanns Friedrich, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld, die im Archäologischen Museum eröffnete Ausstellung genannt. Sie zeigt Dokumente, Fotos, Bilder und Utensilien aus der Zeit des "Kalten Krieges" anlässlich des 30. Jahrestags der Grenzöffnung.

Besonderer Blickfang in der Ausstellung ist ein Zufallsfund, ein Modell des ehemaligen Grenzübergangs Eußenhausen-Meinin... Foto: Regina Vossenkaul

An einen Staat, der Mauern und Metallgitterzäune baute, Millionen Minen verlegte, Selbstschussanlagen, Stolperdrähte und Signalanlagen installierte und Hundelaufanlagen baute, erinnerte Friedrich in seiner Begrüßung. Bespitzelungen, Inhaftierungen, Angst und Schießbefehl gehörten zum Alltag. Der Landkreis Rhön-Grabfeld hatte eine 113 km lange Grenze gemeinsam mit der DDR. Deshalb war man bei der Grenzöffnung hautnah dabei, als sich fremde Menschen in die Arme fielen, die Dörfer sich gegenseitig besuchten und Kontakte neu geknüpft wurden.

Helden der Wiedervereinigung

Die wahren Helden der Wiedervereinigung seien die DDR-Bürger, sagte Landtagsabgeordneter Steffen Vogel, der von Sulzfelds Bürgermeister Jürgen Heusinger mit einem Trabi zum Museum gefahren worden war. Die Volksarmee war bei den Protesten damals bereit, zuzuschlagen, aber am Ende verschwanden Mauer und Zäune ohne Gewalt – ein Wunder der Geschichte und ein freudiger Moment. Vogel zitierte einen Befehl an die Grenzsoldaten der DDR: "Zögern sie nicht vor der Anwendung der Schusswaffe, auch wenn Frauen und Kinder dabei sind". Die am Abend des 9. Novembers 1989 verkündete Reisefreiheit für DDR-Bürger machte den Schießbefehl überflüssig. Um 4 Uhr früh am 10. November öffnete sich der Grenzübergang Eußenhausen. Vogel bedankte sich beim Verein für Heimatgeschichte, der dieses Ereignis wiedererlebbar gemacht hat. Die Grabfelder seien schon immer Brückenbauer gewesen, so der Abgeordnete.

Landrat Thomas Habermann ist als Bad Neustädter mit der Grenze aufgewachsen und hat sich als Kind gewünscht, einmal hinter die Gleichberge schauen zu können, berichtete er in seiner Ansprache. Sehr emotional war für ihn die Grenzöffnung mit Trabi-Schlangen und menschlichen Begegnungen. "Wir haben ein Stück Weltgeschichte miterlebt". Als er nach der Wiedervereinigung für einige Zeit als Richter am Bezirksgericht Meiningen arbeitete, hatte er Akteneinsicht und las "unglaubliche Urteile". Todes- und Gefängnisstrafen aus nichtigen Gründen, verbunden mit Enteignungen, schockierten ihn. Die Urteile waren oft von der SED-Bezirksleitung vorgefertigt, die Gerichtsverhandlung eine Theatervorstellung. "Das muss man erzählen, damit so etwas nie wieder passiert", so der Landrat. Er bedankte sich bei dem Verein für die Ausstellung und die Arbeit von Reinhold Albert und dem Hauptorganisator der Ausstellung, Hanns Friedrich, die zur Bewusstseinsbildung beitrage.

Persönliche Eindrücke eines Zollbeamten

Auch Bürgermeister Thomas Helbling berichtete von seinen persönlichen Eindrücken, die er als damaliger Zollbeamter an der Grenze hatte. An "bedrückende Begegnungen", wenn er DDR-Grenzer traf, erinnerte er sich und an Besucher, die er davon abhalten musste, bis zum Grenzzaun zu laufen, denn schon etliche Meter vorher begann DDR-Gebiet. "Wir haben nie erwartet die Grenzöffnung zu erleben", so Helbling. Das sei dem Durchhaltevermögen vieler DDR-Bürger zu verdanken.

Fotos vom Alltag an der Grenze, vom Minenräumen und der Grenzöffnung kann man in der Ausstellung "Es war einmal ... die ... Foto: Regina Vossenkaul

Zu Wort kam ebenso Christian Seber, Bürgermeister der thüringischen Gemeinde Grabfeld, der bei der Grenzöffnung acht Jahre alt war und sich vor allem an das Begrüßungsgeld erinnerte, das ihm einen Walkman bescherte. Heute arbeite man innerhalb der Grabfeld-Allianz zusammen am Image des Grabfelds. Auch wenn die erste Euphorie weg sei habe man viele Kontakte knüpfen können.

Ein Stück Grenzzaun ist in den Vitrinen neben vielen anderen Exponaten zu sehen. Foto: Regina Vossenkaul

Stellvertretender Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte, Reinhold Albert, sprach das Schlusswort und erinnerte an die vielen Bücherveröffentlichungen, Führungen, Ausstellungen und Vorträge, um die Erinnerung wach zu halten, damit so etwas nie wieder geschieht. Die deutsche Teilung sei letztendlich eine Folge der verbrecherischen Politik von Adolf Hitler und dem NSDAP-Regime gewesen, das den zweiten Weltkrieg zu verantworten hat. Angesichts der jüngsten Wahlergebnisse in Thüringen rief er dazu auf, für die Demokratie zu kämpfen.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Archäologischen Museums und des Museums für Grenzgänger geöffnet: Dienstag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr, Montag Ruhetag.                 

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