Bad Königshofen

Bad Königshofen: Viel Verständnis für die Bauernproteste

Zufallsumfrage unter Passanten auf dem Marktplatz. Alle bringen  den Landwirten viel Sympathie entgegen. Sie seien nicht alleine Schuld an Umweltproblemen.
Um die 200 Landwirte starteten am 17.Januar mit ihren Traktoren von Iphofen über die Bundesstraße 8 zur Großdemonstration nach Nürnberg.
Um die 200 Landwirte starteten am 17.Januar mit ihren Traktoren von Iphofen über die Bundesstraße 8 zur Großdemonstration nach Nürnberg. Foto: Daniel Peter

Viele vor allem konventionell wirtschaftende Landwirte fühlen sich mittlerweile als Prügelknaben der Nation. Für hohe Nitratwerte im Boden und Grundwasser werden sie ebenso verantwortlich gemacht wie für das Artensterben. Dazu kommen schwankende Preise für die Erzeugnisse und  eine immer mehr um sich greifende Bürokratie. Die neue Düngeverordnung war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Vielen Bauern reicht es jetzt, sie drücken ihren Unmut überall dort aus, wo Landwirtschaftspolitiker zu finden sind. Zu ihren Demonstrationen in Berlin, Nürnberg, Kloster Seeon oder auch Iphofen fahren sie zu Hunderten mit ihren Treckern, die Straßen und Plätze  blockieren. Eigentlich alle der Befragten auf dem Bad Königshöfer Marktplatz zeigten Verständnis für dieses Vorgehen.

Die Düngeverordnung müsste neu überdacht werden

Die Zufallsumfrage unter Passanten auf dem Marktplatz kann dabei aber nicht den Anspruch erheben, repräsentativ zu sein.  Abgesehen davon hatten sich auch nur sehr wenige Angesprochene bereit erklärt, unter Namensnennung zum Thema ihre Meinung zu sagen. Und gar nur zwei waren mit einem Foto einverstanden. Dafür machten um so mehr deutlich, sich noch gar nicht mit dem Thema befasst zu haben.   

Ewald Kirchschlager aus Sulzfeld findet die Proteste zumindest teilweise sehr wichtig und richtig. Insbesondere die neue Düngeverordnung müsste überdacht werden, erklärte er. "Die Bauern arbeiten Tag und Nacht und werden nicht ordentlich entlohnt", findet er und sieht eine Ursache dafür in den vielen Importen landwirtschaftlicher Erzeugnisse.     

Margarethe Graf
Margarethe Graf Foto: Michael Petzold

"Die Bauern sind nicht allein  dran schuld", sagt Margarete Graf aus Irmelshausen, die auf einem  Bauernhof in Mellrichstadt aufgewachsen ist. Für zu viel Nitrat im Boden würden auch Kleingärtner sorgen. Das gleiche gilt ihrer Meinung nach auch für das Artensterben. Auch in Schrebergärten würden Insektenvernichtungs- und Pflanzenschutzmittel gespritzt. Um die Bauern besser zu unterstützen, sollte man ihnen mehr Zuschüsse geben.      

Einer muss sich doch auch mal wehren

"Wir haben Freunde, die sind Landwirte, und deshalb haben wir auch großes Verständnis", sagt Andrea Marquardt aus Aubstadt auf die Proteste angesprochen. "Es muss sich ja auch mal einer wehren", sagt sie, denn "die sind nicht an allem Schuld". Irgendwann werde das auch im Einzelhandel so weit sein, hofft sie. Den Wettbewerb mit dem Onlinehandel empfindet sie nämlich als zutiefst unfair.   

Peter Mohr aus Großwenkheim sieht die Sache differenziert. Zum einen habe die Politik die Landwirtschaft so gesteuert, dass fast nur noch große Betriebe übrig sind, die so viel produzieren, wie sie können, um zu überleben. Andererseits hält er die Landwirtschaft durch den Einsatz von Spritzmitteln schon hauptsächlich dafür verantwortlich, dass auf den Wiesen kaum noch eine Blume blüht.

Die Proteste sind für ihn aber gerechtfertigt. "Es muss sich was ändern", ist Mohr überzeugt und plädiert für höhere Milch-und Getreidepreise sowie kleinere Flächen, um den Lebensraum für Tiere besser schützen zu können.       

Georg Thein
Georg Thein Foto: Michael Petzold

Die kleinen Bauern sollten besser gestellt werden, findet Georg Thein aus Höchheim. Außerdem erhielten sie für ihre Leistung zu wenig, die Lebensmittel seien einfach zu billig. Auch er ist der Ansicht, dass sich die Politik hier ändern müsse. Für die Umweltprobleme will er die Bauern aber nicht allein verantwortlich machen. "Wir sind schon alle selber schuld an unserem Untergang", meint Thein.   

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Bad Königshofen
  • Michael Petzold
  • Artenschwund
  • Bauernproteste
  • Blumen
  • Düngeverordnungen
  • Kleingärtner
  • Landwirte und Bauern
  • Landwirtschaft
  • Landwirtschaftliche Produkte
  • Pflanzenschutzmittel
  • Sozialer oder politischer Protest
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!