Bad Neustadt

Bad Neustadt: "Día de Muertos" beschert unvergessliche Eindrücke

Voller Symbolik ist der Altar zum Totengedenktag. Foto: Marion Eckert

Das Alte Amtshaus stand am Samstag ganz im Zeichen des "Día de Muertos",  des mexikanischen Totengedenktages. Im Rahmen des interkulturellen Projektes "Cruzando fronteras" ("Grenzen überquerend") war dies der Abschluss des Besuchs der Mexikanischen Freunde in Bischofsheim und Bad Neustadt.

Wie schon in der Bischofsheimer Stadtpfarrkirche vor einer Woche, war auch im Alten Amtshaus ein typisch mexikanischer Totengedenkaltar aufgebaut. Beispielhaft galt er der berühmten mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo, deren Werke internationale Bekanntheit erlangt haben und aufgrund ihrer starken Prägung durch die mexikanische Volkskultur, von der mexikanischen Regierung als "nationales Kulturgut” erklärt wurden. Das Louvre in Paris erwarb das Selbstportrait "The Frame” als erstes Werk eines mexikanischen Künstlers.

Auf großes Interesse stieß die interkulturelle Veranstaltung zum "Día de Muertos", dem mexikanischen Totengedenktag in Bad Neustadt. Foto: Marion Eckert

Tod ist in der mexikanischen Kultur nicht das Ende

Der "Día de Muertos" ist einer der wichtigsten mexikanischen Feiertage. Er wird am 2. November begangen und ist eine Verbindung von indigener und christlicher Tradition. Grundlage dieses Feiertages ist die von den eingeborenen Völkern Mexikos stammende Vorstellung, dass die Geister der Verstorbenen am "Día de los Muertos" ihre Familien und geliebten Menschen besuchen kommen. Im Rahmen dieser Mythologie stirbt eine Seele nicht, sondern verweilt am jenseitigen Ort des Todes (spanisch Mictlan) und kehrt jedes Jahr an einem bestimmten Tag auf Besuch ins Diesseits zurück, um dann mit den lebenden Verwandten zu feiern.

Der Tod wurde in diesen Kulturen also nicht als Ende betrachtet, sondern das Leben selbst lediglich als eine Durchgangsstation zwischen verschiedenen Daseinsformen angesehen. Nach dem Kalender der Azteken fiel dieser Tag in den Zeitraum zwischen Ende Juli und Anfang August, wurde aber durch die christlichen Priester während des 16. und 17. Jahrhunderts auf Allerheiligen beziehungsweise Allerseelen verschoben.

Kerzen als Leitlinien auf dem Weg zur Heimat

Um die Seelen willkommen zu heißen, wird jener bereits erwähnte Altar dekoriert, auf dem ein Foto des Verstorbenen steht, aber auch dessen Lieblingsspeisen und -getränke zu seinen Lebzeiten. Prächtig geschmückt war der Altar im Alten Amtshaus mit leuchtend gelben und orangefarbenen Papierblumen, auch Flor de Muertos ("Blume der Toten") genannt. Man glaubt, dass Verstorbene die Farben Orange und Gelb am besten erkennen können.

Das Kreuz auf dem Weg zum Altar symbolisiere die Himmelsrichtungen, es wurde von den spanischen Missionaren aufgenommen. Kopal und Weihrauch vertreiben böse Geister und reinigen den Raum um den Altar. Kerzen bedeuten Licht, Glaube und Hoffnung, sie dienen den Seelen als Leitlinien, um ihre Heimat zu erreichen und auch ihre Rückkehr in den Himmel zu erleichtern.

Ein Altar zu Ehren der mexikanischen Malerin Frida Kahlo war im Alten Amtshaus in Bad Neustadt im Rahmen des interkulturellen Projektes "Cruzando fronteras" ("Grenzen überquerend") zum "Día de Muertos", dem mexikanischen Totengedenktag, aufgebaut. Foto: Marion Eckert

Catrinas erinnern daran, dass jeder Mensch sterben wird

Der Altar weist drei Ebenen auf, die oberste steht für den Himmel, die mittlere für die Erde und die untere für die Wanderung der Seele. So befinden sich auf der mittleren Ebene die Speisen, Salz als das Element der Reinigung, Schnaps, der die Seelen an die angenehmen Momente des Lebens erinnern soll - Tequila war eines von Frida Kahlos Lieblingsgetränken. Wasser wird angeboten, damit die Geister ihren Durst stillen können. Das Brot drückt die Gastfreundlichkeit des Gastgebers aus. Reich verziert ist der Altar mit Kerzen, Blumen und den filigranen "Papel Picado", die unter anderem Catrinas zeigen.

Wie schon in Bischofsheim gab es auch in Bad Neustadt phantasievoll geschminkte und verkleidete Catrinas zu bestaunen. Das sind Menschen, die sich als Tote verkleiden, um damit daran zu erinnern, dass jeder Mensch irgendwann einmal sterben wird. Die Catrinas symbolisieren Menschen, die vielleicht gerade gefeiert haben, als sie der Tod ereilte.

Prächtig und phantasievoll geschminkte und verkleidete Catrinas gab es ebenfalls zu sehen. Foto: Marion Eckert

Buntes Volksfest zu Ehren der Toten statt Trauerveranstaltung

Der Tag der Toten ist keine Trauerveranstaltung, sondern ein farbenprächtiges Volksfest zu Ehren der Toten.  Dieses Fest wurde 2003 von der UNESCO zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit erklärt und ist somit Teil des Weltkulturerbes. Mit dem amerikanischen Halloween hat der "Día de Muertos" nichts zu tun.

Natürlich gab es auch musikalische Darbietungen. Bis weit in die Abendstunden musizierten Künstler der Kreismusikschule wie auch mexikanische Musiker im ersten Stock des Alten Amtshauses in unterschiedlichen Stilrichtungen.

Schüler aus dem Rhön-Gymnasium haben den "Día de Muertos" auf ihre Weise interpretiert. Foto: Marion Eckert

Außerdem gab es eine Ausstellung von "Alebrijes", das sind bunte, tierähnliche Fantasiefiguren aus Mexiko, die Schüler des Schönborn-Gymnasiums in Münnerstadt  hergestellt haben. Schüler des Rhön-Gymnasiums haben sich ebenfalls mit Kunstwerken am "Día de Muertos" in Bad Neustadt beteiligt. Ganz unterschiedlich interpretierte Totenköpfe haben sie reich verziert ausgestellt. Eine Fotoausstellung mit Bildern aus Mexiko und Märchen mit Heidi Andriessens sorgten dafür, dass dieser Tag im Alten Amtshaus unvergessliche Eindrücke bescherte.

Prächtig und phantasievoll geschminkte und verkleidete Catrinas gab es ebenfalls zu sehen. Foto: Marion Eckert
Auf großes Interesse stieß die interkulturelle Veranstaltung zum "Día de Muertos", dem mexikanischen Totengedenktag in Bad Neustadt. Foto: Marion Eckert
Auch Männer verkleideten sich der mexikanischen Tradition entsprechend als "lebende Tote". Foto: Marion Eckert
Wer mochte, konnte sich als Catrina schminken lassen. Foto: Marion Eckert

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