WALTERSHAUSEN

Bäckermeister Amthor beklagt „ungleiche Förderlage“

Fordert Hilfen: Bäckermeister Ullrich Amthor.
Fordert Hilfen: Bäckermeister Ullrich Amthor. Foto: Josef Kleinhenz

EG-Fördermittel müssen her. Bäckermeister Ullrich Amthor in Waltershausen macht bei seinem Besuch von Informationsveranstaltungen, bei denen er vor Fachleuten der Lebensmittelbranche spricht, die problematische Zukunftsperspektive der kleineren und mittleren Bäckereibetriebe am ehemaligen bayerischen Grenzstreifen deutlich und fragt sich, wie Bäckereien im Landkreis Rhön-Grabfeld zukunftsfähig bleiben sollen.

Denn von 1989 bis heute, innerhalb von 25 Jahren, schlossen im Kreis Rhön-Grabfeld nach seiner Darstellung insgesamt 60 Bäckereien, die der Innung angehörten, ihre Türen. „Allein am ehemaligen Grenzstreifen von Fladungen bis Sternberg gaben 15 Bäckereien ihren Betrieb auf“, so Amthor. Die Versorgungslücke am Ort sei aber nicht kompensiert worden. „Heute existieren im Landkreis Rhön-Grabfeld nur noch 19 von einst 79 Bäckereien“, so Amthor.

Der Waltershäuser ist stellvertretender Obermeister der Bäckerinnung für die Landkreise Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen und hat das Thema wiederholt bei seinen Berufskollegen angesprochen. „Um der prekären Situation entgegenzutreten, muss nicht nur um ein EG-Förderprogramm, sondern auch um den beruflichen Nachwuchs gerungen werden“, fordert er. Seit der Wende 1989 erhielten Handwerksbetriebe in den neuen Bundesländern EG-Mittel zur Förderung der wirtschaftsnahen Infrastruktur, zur Schaffung von gewerblichen Investitionen und für flankierende arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, nicht aber am Standort des ehemaligen Grenzgebietes von Rhön und Grabfeld. „Bei uns an der bayerischen Grenze geht es eher rückwärts statt vorwärts im Gegensatz zum benachbarten Thüringen, in das die Fördermittel fließen“, sagt Amthor. Denn den kleinen und mittleren Bäckereien fehle es an Mitteln für Investitionen, um mit neuen Entwicklungen Schritt zu halten oder Existenzen in der Nachfolge der Betriebe zu gründen.

Amthor macht seinem Unmut Luft: „Mit der Förderung für Thüringen ergibt sich ein Ungleichgewicht und eine Wettbewerbsverzerrung und das ist nicht demokratisch, sondern ungerecht.“ Das Thema um die Verteilung staatlicher EG-Fördermittel müsste daher nach seiner Ansicht dringend auf den Prüfstand. Das allgemeine Problem handwerklicher Betriebe im Grenzgebiet zu Thüringen sollte den Politikern hinlänglich bekannt sein. Es sei nicht tragbar, die ungleiche Förderlage zwischen dem Grenzgebiet Bayern und Thüringen weiterhin auf die lange Bank zu schieben und dauerhaft hinzunehmen. „Die Politik muss in diesem Fall neue Akzente setzen, zumal es immer auch um Arbeitsplätze und Familienexistenzen geht“, so Amthor, der es gerne gesehen hätte, wenn sein 24-jähriger Sohn den Familienbetrieb in Waltershausen übernehmen würde. Aber er orientiere sich inzwischen beruflich als Industriemechaniker in einem neuen Zweig und sei daher für das eigene Unternehmen vorerst nicht mehr verfügbar. Die Nachfolge müsse daher später geregelt werden. „Allgemein ist es ein Problem, bei kleinen und mittleren Bäckereien auf dem Land, einen geeigneten Nachfolger oder Interessenten zu finden“, weiß der Bäckermeister.

Zur Bäckerei Amthor, die noch eine Filiale im nahen Bad Königshofen besitzt, gehört ein Dutzend Mitarbeiter. Um selbst einen Beitrag zur Förderung des beruflichen Nachwuchses zu leisten, stellt Ullrich Amthor in seinem Betrieb regelmäßig Auszubildende ein. Nicht zuletzt mit Blick auf die Nachfolgegeneration im Bäckerhandwerk will Amthor erreichen, dass für das bayerische Grenzgebiet die gleichen Förderbedingungen herrschen wie im benachbarten Thüringen.

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