NORDHEIM

Bahnhofstraße: Anlieger stellen eigenen Plan vor

Die Bahnhofstraße in Nordheim: Von Anliegern kam der Vorschlag, ein Teilstück wie einen Flurbereinigungsweg auszubauen.
Die Bahnhofstraße in Nordheim: Von Anliegern kam der Vorschlag, ein Teilstück wie einen Flurbereinigungsweg auszubauen. Foto: Eva Wienröder

Die Nordheimer Gemeindeführung hatte am Montag eine Anliegerversammlung zum geplanten Ausbau der Bahnhofstraße einberufen. In diesem Zuge sollen auch eine Haltestelle für die Museumsbahn und Parkplätze für die Kulturscheune angelegt werden. Es wurde ein langer Abend, an dem die Anlieger ausführlich über die Planungsvarianten informiert wurden, ihre Fragen stellen und auch ihre Vorstellungen und Wünsche vorbringen konnten. Schließlich legten sie sogar einen eigenen Planungsvorschlag vor.

Die Anwohner wünschen eine kleine, für sie kostengünstige Lösung, während die Gemeindeführung eher einen grundlegenden und mit entsprechend hohen Kosten verbundenen Ausbau mit staatlicher Förderung favorisiert. Die Bahnhofstraße ist bekanntlich seit Jahren ein Thema, bei dem die Emotionen auch schon so manches mal hochkochten. Nicht so bei der Zusammenkunft am Montagabend. Hier wurde in gegenseitigem Respekt ruhig und sachlich diskutiert. Beide Seiten zeigten sich demokratisch, und letztlich dürfte es gelungen sein, dass sich Gemeindeführung und Anlieger ein ganzes Stück nähergekommen sind.

Zahlreiche Zuhörer und dazu fast der gesamte Gemeinderat hatten sich im Bürgerkeller eingefunden. Dort standen neben Bürgermeister Thomas Fischer noch Robert Zehe vom gleichnamigen Planungsbüro aus Bad Neustadt sowie von der Verwaltungsgemeinschaft Fladungen Geschäftsstellenleiter Conny Schmuck, Kämmerer Ludwig Backhaus und Veronika Schubert, zuständig für das Beitrags- und Gebührenwesen, für Fragen zur Verfügung.

Bereits im Dezember waren die vier Planvarianten in der Gemeinderatssitzung vorgestellt worden (wir berichteten). Ludwig Backhaus erläuterte noch einmal die angedachten Möglichkeiten, legte dazu die aktualisierte Kostenschätzung des Planungsbüros vor, erklärte, bei welchen Ausbaumodellen Fördermittel zu erwarten sind und wie sich die Eigenanteile der Haus- und Grundeigentümer errechnen.

Fragenkatalog

Christine Warmuth und Maria Seiler hatten im Vorfeld im Namen der Anlieger einen Fragenkatalog eingereicht, der durchgegangen wurde. Dazu gaben Gemeindeführung, Verwaltung und Planer Stellungnahmen ab. Bei den Fragen – 34 an der Zahl – ging es unter anderem um die Bauausführung, auch im Zusammenhang mit Themen wie Straßenentwässerung, Kanalneubau und -sanierung, sowie um rechtliche und finanzielle Aspekte. Matthias Schneider als Sachverständiger auf dem Gebiet Verwaltungsverfahren und Verwaltungsprozess stellte in Vertretung der Anlieger zu einzelnen Punkten weiterführende Fragen. Diese gingen zum Teil sehr ins Detail. Bürgermeister Fischer und Verwaltungsleiter Schmuck sagten dazu, dass man sich in der Planungsphase der Grundlagenermittlung befinde und einige Aspekte, zum Beispiel das Kanalsystem betreffend, daher bis dato noch nicht tiefergehend berücksichtigt werden konnten.

Da es sich nur um wenige Anlieger handelt, kann das Straßenbauvorhaben für Einzelne je nach Ausbauvariante und Grundstücksgröße sehr teuer werden. Von bis zu 40 000 Euro war schon die Rede. Die Grundstückseigentümer trugen aber nicht nur ihre Sorge vor, was eine mögliche finanzielle Belastung angeht, denn sie fürchten auch um die Wohn- und Lebensqualität, wenn die Bahnhofstraße zur Durchfahrtsstraße und dann womöglich gar als Hauptverbindung zwischen Sondheimer Straße und Heufurter Straße dienen würde. Damit würde man auch den ursprünglichen Charakter des alten Bahnhofsareals und ein Stück Idylle verlieren, wurde beklagt.

Der eigentliche Zweck des Abends sollte sein, zu klären, ob und welche Vorstellungen die Anlieger konkret haben. Christine Warmuth gab dazu eine Erklärung ab, in der verschiedenste Aspekte der vorgestellten Planvarianten noch einmal kritisch hinterfragt wurden. Sie bekräftigte, dass seitens der Anwohner kein großer Ausbau gewünscht wird.

Warmuth überreichte dazu ein Schreiben der Anlieger an die Gemeinde, mit dem sie die Planung und Berechnung einer „kleinstmöglichen Ausbauvariante“ beantragen und eine Reihe von Vorschlägen unterbreiten. Eugen Hippeli stellte dazu eine neue, von den Anliegern erarbeitete Planvariante vor, die sich in zwei Teilabschnitte teilt. Die Idee ist, vom Feuerwehrhaus parallel zur Bahnschiene bis etwa auf Höhe des Gasthauses „Zur Eisenbahn“ eine geteerte Straße anzulegen, in etwa wie ein Flurbereinigungsweg, ausgelegt für zehn Tonnen Achslast, vier Meter breit und mit einseitiger Entwässerung. Um den Verkehr zu verlangsamen, könnten entsprechende Elemente integriert werden.

Vorschlag zur Güte

Nach Erfahrungswerten schätzt Hippeli die Kosten für die Wegstrecke von rund 240 Metern auf 80 000 Euro und sieht auch gute Chancen, über das Flurneuordnungsverfahren eine Förderung zu bekommen. Platz für Parkplätze, die auch als Auflage für die Kulturscheune noch auszuweisen sind, wäre ausreichend vorhanden, ebenso die Möglichkeit, eine Haltestelle für die Museumsbahn einzurichten. Das vorhandene Straßenstück zu den Gärten könnte so gelassen und als Fußweg ausgewiesen werden, so die weitere Idee.

Als separate Maßnahme müsse man laut den Ausführungen Hippelis den rund 210 Meter langen Streckenabschnitt zwischen Gaststätte und evangelischer Kirche sehen. Hier seien eine Kanalsanierung und ein neuer Straßenaufbau notwendig. Um etwas zu den Kosten sagen zu können, müssten die Grundlagen noch genauer ermittelt werden.

Der Antrag wird demnächst Thema im Gemeinderat sein. Das Gremium hat dann über den Vorschlag zu befinden und, ob es eine dahingehende Planung in Auftrag gibt. Conny Schmuck regte an, eine Arbeitsgruppe zu bilden, in der sich Vertreter der Gemeinde und der Anliegergemeinschaft mit den verschiedenen Möglichkeiten befassen.

Vier Varianten der Gemeinde für die Bahnhofstraße

Ludwig Backhaus, Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft Fladungen, stellte bei der Anliegerversammlung zum Ausbau der Bahnhofstraße mit Anlage eines geschotterten Parkplatzes und der Einrichtung einer Museumsbahnhaltestelle in Nordheim nochmals die vier vom Ingenieurbüro Zehe ausgearbeiteten Planungsvarianten vor. Variante eins, drei und vier beinhalten einen Rad- beziehungsweise Gehweg.

Variante eins: Die Bahnhofstraße wird lediglich als Zufahrtsstraße genutzt, es gibt nur einen Wendehammer und die Straße bleibt Sackgasse. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 763 400 Euro, davon müssen die Anlieger 279 600 Euro (ohne Anteil der Gemeinde für kommunale Grundstücke) tragen.

Variante zwei: Die Bahnhofstraße wird Durchfahrtsstraße (ohne Gehweg) inklusive Umfahrung Feuerwehrhaus. Gesamtkosten: 765 800 Euro, der Anteil der Anlieger beträgt 287 800 Euro.

Variante drei: analog Variante 2, aber mit durchgehendem Geh-/Radweg. Die Gesamtkosten betragen 812 800 Euro. Es gibt 140 000 Euro staatliche Förderung, die Anlieger tragen 207 600 Euro.

Variante vier: Es erfolgt lediglich eine Reparatur der Straße. Die Kosten betragen 511 100 Euro. Nur die Beleuchtung wäre umlagefähig, die Anliegerbeiträge belaufen sich auf 15 700 Euro.

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