WALTERSHAUSEN

Bauern und Jäger – wie Hund und Katz'?

Wildschäden trüben oft das Verhältnis zwischen Bauern und Jägern. Für eine Verbesserung des Klimas könnte eine Internetplattform zum Meinungsaustausch beitragen, wie jetzt bei einer Diskussionsrunde in Waltershausen angeregt wurde. Das Foto ist bei Rannungen im Landkreis Bad Kiss... Foto: Horst Bertzky

Bauern und Jäger an einen Tisch zu bringen und Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen, das ist das Ziel von Karl Graf von Stauffenberg, der zu einer Diskussionsrunde unter dem Motto „Landwirtschaft und Jäger – gemeinsam gegen Wildschaden“ ins Bräustüble in Waltershausen eingeladen hatte. Stauffenberg, selbst Jäger und Besitzer einer (verpachteten) landwirtschaftlichen Fläche, nahm zunächst Stellung zu zwei aktuellen Themen.

Afrikanische Schweinepest rückt näher

Die Afrikanische Schweinepest rückt immer näher, bisher gebe es jedoch kein infiziertes Wild- oder Hausschwein auf deutschem Gebiet, berichtete Stauffenberg. „Das Thema ist noch lange nicht gegessen, wird aber viel zu hoch gekocht“, meint er. Er verwies auf die kurze Inkubationszeit von zwei Tagen und die Sterblichkeitsrate von fast 100 Prozent.

Die Gefahr geht vom Menschen aus

Wie soll ein infiziertes Wildschwein in einen Mastbetrieb einbrechen? Die Gefahr gehe eher von den Menschen aus, die ungekochte Wurstwaren über die Grenzen bringen und achtlos wegwerfen – hier dürfe die Aufklärung nicht nachlassen. Zweites Problem sei die EU-Verordnung zum Aufbewahren von Feuerwaffen, was Stauffenberg als „gravierendes Problem“ bezeichnete, weil man vergessen habe Sonderregelungen für Jäger und Sportschützen einzubauen. Darauf hinzuwirken wäre Sache des Innenministeriums gewesen. Jetzt habe die FDP-Bundestagsfraktion einen entsprechenden Antrag gestellt.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Wie in der Aussprache deutlich wurde, sind Wildschäden die Hauptstreitpunkte zwischen Jägern, die ihre Abschussquoten erfüllen sollen, und Landwirten, die wirtschaftlich denken müssen. Dazu kommt weiterer Konfliktstoff, der schnell zu Verallgemeinerungen führen kann, wie „Die Bauern pflügen jeden Quadratmeter um, sogar die Wiesenwege, und melden schon Wildschaden an, weil ein Reh übers Gras gelaufen ist.“ Von den Bauern wiederum wird behauptet, die Jäger würden ihre Pflichten vernachlässigen und den Wildbestand nicht auf einem Niveau halten, das wenig Wildschäden verursacht.

Wichtig: bessere Kommunikation

Mit guter Kommunikation könnten viele Konflikte verhindert werden, darüber waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. „Wenn schon ein Schätzer eingeschaltet werden muss, stimmt etwas nicht. Man sollte aufeinander zugehen und sich einigen“, sagte dazu Jürgen Otto, Landwirt und Sprecher der Jagdgenossenschaft Rhön-Grabfeld. Insgesamt habe sich das Miteinander von Bauern und Jägern aber verbessert, gab Georg Scheuring, Nebenerwerbslandwirt, Geschäftsführer des BBV Bad Kissingen und ehrenamtlicher Jagdvorsteher zu bedenken.

Unterschiedliche Interessen

Wie schwierig es ist, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen, zeigten einige Beispiele aus der Praxis, die bei der lebhaften Diskussion erwähnt wurden. Unter anderem ging es um die erste Mahd der Wiesen im Frühjahr, wenn Kitze und Hasen in höchster Gefahr sind. Zeitliche Absprachen, die es dem Jagdpächter ermöglicht hätten, die Wiese vorher abzulaufen, wurden nicht eingehalten, so einer der Vorwürfe. Man habe keinen Ansprechpartner vor Ort, weil der Jagdpächter in Frankfurt oder sonst wo wohne, berichtete die andere Seite.

„Wildretter für alle“, forderte Jäger Jürgen Sujka, die würden auf Wärme reagieren, andererseits könne man die Wiesen auch mit Drohnen abfliegen. Thomas Schmitt, Vorsitzender der Kreisgruppe Bad Neustadt im Bayerischen Jagdverband, gab zu bedenken, dass die Jagdpacht den Jägern Spaß machen sollte. „Alle sind gut beraten, dazu beizutragen, dass es auch so ist.“

Plattform zum Meinungsaustausch

Graf Stauffenberg regte an, eine Plattform zu schaffen, wo sich Bauern und Jäger über Probleme wie diese austauschen können, eventuell bei einem vierteljährlichen Stammtisch im Landkreis. Der Vorschlag wurde von den Anwesenden begrüßt. „Wenn sich alle an einen Tisch setzen würden, merken sie schnell, dass sie eigentlich alle Supertypen sind“, kommentierte Schmitt.

Diskussion zum Thema Wildschäden: Auf Einladung von Karl Graf von Stauffenberg (Zweiter von rechts) diskutierten Bauern ... Foto: Regina Vossenkaul

Schlagworte

  • Waltershausen
  • Regina Vossenkaul
  • Claus Schenk Graf von Stauffenberg
  • Karl Graf
  • Landwirte und Bauern
  • Schweinepest
  • Thomas Schmitt
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!