Bad Neustadt

Befragung zeigt: Das Auto ist der größte Feind der Seilbahn

Der Stadtrat ist sich einig: Das  Seilbahn-Projekt in Bad Neustadt hat nur dann Sinn, wenn es in ein modernes Verkehrskonzept eingebunden ist. Wie soll dieses aussehen?
Auf Distanz gehen: Was man den Bürgern abverlangt, gilt auch für die Stadträte. So sah die Sitzordnung des Stadtrats in der Stadthalle Bad Neustadt aus.
Auf Distanz gehen: Was man den Bürgern abverlangt, gilt auch für die Stadträte. So sah die Sitzordnung des Stadtrats in der Stadthalle Bad Neustadt aus. Foto: Stefan Kritzer

Was halten die Leute von einer Seilbahn vom zentralen Busbahnhof hoch zur Promenade des Rhön-Klinikums? Würden sie sie nutzen? Das Institut für Verkehrswesen und Raumplanung der Universität der Bundeswehr München hat eine Umfage gestartet. Nun liegen die Ergebnisse vor. Projektmanagerin Nadine Menz präsentierte die Zahlen in der Sitzung des Stadtrats, die aus Corona-Schutzgründen in der Stadthalle stattfand.

1574 Menschen haben an der Befragung teilgenommen. Viele davon waren ambulante und stationäre Patienten des Campus, Mitarbeiter, Besucher und Touristen. Mehr als die Hälfte der Befragten waren Bürger der Stadt oder wohnen in der näheren Umgebung. Die Bereitschaft, eine Seilbahn zu nutzen, lag bei 76 Prozent. 

Wer nimmt den Bus, wer fährt Auto?

Dieser doch sehr hohen Zustimmungsrate muss man eine andere Zahl gegenüberstellen: Gerade einmal 2,3 Prozent der Befragten nutzen gegenwärtig den öffentlichen Personennahverhehr (ÖPNV) täglich. Selbst die Mitarbeiter des Campus, die gratis mit dem Bus zur Arbeit fahren können, kommen lieber mit dem Auto auf den Klinikberg. Das hat nachvollziehbare Gründe.

Die Nessi-Fahrpläne sind nicht auf die Schichtzeiten der Kliniken und auch nicht auf den Arbeitsbeginn in den großen Unternehmen der Stadt abgestimmt. Neben der Taktung sind die Betriebszeiten und die schlechte Anbindung umliegender Orte Gründe, warum die Bürger nicht auf die Nessi umsteigen. Außerdem fährt die Hälfte der Befragten lieber Auto, weil sie dann zeitlich flexibler sind und bequemer ans Ziel kommen. Im Fall des Campus finden die Autofahrer kommode Parkmöglichkeite. Auch das ist ein Grund, nicht auf den Bus umzusteigen.

Ws muss sich am Verkehrskonzept ändern?

Ein Bespiel belegt dies: Will eine Krankenschwester, die in Brendlorenzen wohnt, um 6 Uhr ihren Dienst antreten, so müsste sie erstmal zur Post oder zur Siemensstraße laufen, um in die Nessi einzusteigen, die um 5.52 Uhr am Campus ankommt. Sie wäre mindestens 37 Minuten unterwegs. Setzt sie sich ins Auto, ist sie in sieben Minuten auf dem Klinikberg.

Das Fazit des Instituts: Soll die Seilbahn ein Nahverkehrsmittel werden, das im Fünf-Minuten-Takt den Campus anbindet, dann muss das komplette Nahverkehrsangebot der Stadt um die Seilbahn angepasst werden. Zentrale Punkte dabei sind: Der Busbahnhof als Talstation muss zu einem zentralen Umsteigepunkt entwickelt werden, die geplante Seilbahn-Linie muss in das ÖPNV-Netz integriert werden und umliegende Gemeinden müssen besser angebunden werden. 

Wann kommt der Landkreis ins Spiel?

Projektmanagerin Menz geht noch weiter: Die Taktung der Stadtbusse muss integriert werden in die Neuausrichtung des kompletten ÖPNV im Landkreis Rhön-Grabfeld, an der das Landratsamt gerade arbeitet.

Die Stellungnahmen einzelner Stadträte macht deutlich, dass die Seilbahn als Chance gesehen wird. Gegen die Weiterführung des Projekts sprach sich nur Bernhard Lorz (SPD) aus. "Die Seilbahn wird eine reine Touristenattraktion", sagte er. Solange der Individualverkehr "gepampert" werde, gerieten der ÖPNV oder ein Seilbahnprojekt immer ins Hintertreffen. 

Was sagen die Stadträte zu den Plänen?

Seine Stadtratskollegen wollen das Projekt weiterverfolgen. Gerald Pittner (Freie Wähler), Karl Breitenbücher (Grüne), Alexander Barthelmes (CSU), Rita Rösch (SPD) und Janis Heller (SPD) warben dafür, den ÖPNV und die Stadtbuslinien umzubauen und die Seilbahn in das Projekt zu integrieren. Bastian Steinbach (CSU) regte an, Ideen zu sammeln, wie das Projekt Seilbahn besser vermarktet werden kann.

Mit einer Gegenstimme wurde beschlossen, weitere Untersuchungen zum Projekt Seilbahn zu starten. Die Fragen, die darin zu klären sind: Wie kann die Seilbahn in das ÖPNV-Netz der Stadt und in den Nahverkehrsplan des Landkreises, der den Bahnhof und nicht den Busbahnhof als Nullknotenpunkt definiert, eingebunden werden? Welche weiteren Nutzergruppen kann man erschließen? Welche baulichen Maßnahmen wären nötig?

Zu den Kosten des gesamten Projekts wurden bei der Sitzung in der Stadthalle keine Zahlen genannt.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Bad Neustadt
  • Martina Harasim
  • Ambulanz
  • Autofahrer
  • Bastian Steinbach
  • Bundeswehr
  • Busbahnhöfe
  • Bürger
  • CSU
  • Freie Wähler
  • Gerald Pittner
  • Karl Breitenbücher
  • Krankenhäuser und Kliniken
  • Krankenschwestern
  • SPD
  • Seilbahnen
  • Städte
  • Universität der Bundeswehr München
  • Verkehr
  • Öffentlicher Nahverkehr
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
2 2
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!