OBERWALDBEHRUNGEN

Bewegende Arien vom Leid der Gottesmutter

Beeindruckten mit dem „Stabat Mater“ von Pergolesi: (von links) Magdalene Schmid-Schindler, Carola Kroczek, Monika Oser (Sopran), Harald Dittrich (Altus), Wolfram Schmidt, Erik Wiesener und Christoph Schindler. In der Mitte des Altarraums der Oberwaldbehrunger Kirche musiziert Stefan Hiby am Cembalo. Foto: Fred Rautenberg

Für die Katholiken ist der letzte Sonntag im November vor dem ersten Advent das Hochfest des Christkönigstages, sozusagen der krönende Abschluss des Kirchenjahrs mit dem Triumph des Erlösers. Auch die evangelische Kirche feiert diesen Sonntag in besonderer Form, wenn auch mit ganz anderem Inhalt. Sie nennt diesen Tag Totensonntag oder auch Ewigkeitssonntag.

Zur Erinnerung an die Verstorbenen gestaltete Pfarrer Oliver Englert am vergangenen Sonntag in der Oberwaldbehrunger Kirche einen Gottesdienst mit geistlicher Musik. Dort, in dem anheimelnden kleinen Gotteshaus am Berg, kam das „Stabat Mater“ von Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736) aus der Zeit des Barock zur Aufführung.

Solch hochklassige musikalisch-fromme Kunst hatte das Kirchlein vermutlich in seiner Geschichte noch nicht gehört, wie Pfarrer Englert am Ende treffend sagte. Die acht Aufführenden waren keineswegs alle professionelle Musiker, und trotzdem hatte ihre Darbietung eine solche Fülle und Qualität, dass man ihnen wünschen möchte, sie könnten ihr „Stabat Mater“ noch einmal in einer großen Kathedrale aufführen.

Die Sopranistin Monika Oser und der Countertenor (oder Altus) Harald Dittrich, beide aus Bad Königshofen, sowie sechs Instrumentalisten sangen und spielten das aus dem Mittelalter stammende lateinische Gedicht, das vom Leid der Gottesmutter spricht, die unter dem Kreuz bei ihrem sterbenden Sohn steht. Am Leitfaden des Gedichts in seiner Originalsprache erklangen Gesangsstücke, die Arien aus der barocken Oper vergleichbar sind. Gesanglich sehr anspruchsvolle Arien, die zu bewältigen eine Herausforderung für jeden Sänger sind. Der Sopran bewegte sich fast permanent in hohen und höchsten Tonlagen, und Harald Dittrich sang mit lupenreiner und gleichzeitig kraftvoller Kopfstimme die Altus-Partie.

Mit Magdalene Schmid-Schindler (erste Violine), Carola Kroczek (zweite Violine), Wolfram Schmidt (Viola), Erik Wiesener (Violoncello), Christoph Schindler (Kontrabass) und Stefan Hilby am Cembalo hatten die Sänger eine adäquate instrumentale Begleitung. Um den Taufstein im Altarraum der Kirche geschart, brachten sie mit Perfektion die anspruchsvolle Musik von Pergolesi zu Gehör. Diese Musik hatte, besonders am Anfang eine geradezu emotional-expressive Kraft, um den Schmerz Mariens hörbar zu machen. Die Besucher darauf vorbereitet hatte Susanne Hiby, quasi als Prolog zum „Stabat Mater“. Ihr Vater Stefan Hiby, der Leiter der Truppe, hatte für seine Tochter ein eigenes Tonstück für Viola da Gamba komponiert, sehr modern und ganz auf die musikalisch umgesetzte Erfahrung von Leid und Seelenschmerz ausgerichtet.

Die Spiritualität der Musik wurde durch Sprecheinlagen von Pfarrer Englert noch gesteigert. Er hatte mit einem Gedicht von Pablo Neruda in das Thema des Ewigkeitssonntags eingeführt. Sprechtexte zum Tod, zur Ewigkeit und zur Herrlichkeit bei Gott vertieften die religiöse Thematik und gaben den Gläubigen die tröstliche Gewissheit, dass das irdische Ende keineswegs das absolute Ende ist.

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