Wülfershausen

Böhm plädiert beim Armenseelenfest in Wülfershausen für Toleranz

Landtagspräsident a.D. Hans Böhm war der Festredner beim 100. Armenseelenfest der Gemeinde Wülfershausen. Mit Bürgermeister Wolfgang Seifert (links) legte er einen Kranz nieder. Foto: Hanns Friedrich

"Wir leben in einer Zeit der Gedankenlosigkeit, in einer Zeit, in der der Tod verdrängt oder gar verherrlicht wird!" Das sagte Landtagspräsident a.D. Hans Böhm, als Festredner beim 100. Armenseelenfest  in Wülfershausen am Samstagvormittag.  Er war kurzfristig für Ministerin Dorothee Bär eingesprungen, die tags zuvor aus privaten Gründen absagte. Der besondere Gedenktag in Wülfershausen verweise aber auch auf eine Zeit, in der die Menschen im Krieg regelrecht "verheizt" wurden. Sie seien überzeugt gewesen, ihre Heimat zu schützen.

Aus eigenem Erleben schöpfte Domkapitular Prälat Karl Rost in seiner Predigt. 12 Jahre war er damals, als die Nachricht kam, dass sein Bruder "den Heldentod für Volk und Vaterland gestorben ist." Solch ein Erlebnis sei wohl auch ein Grund für die Geschwister Gertrud und Marianne Weber gewesen 1920 die Stiftung ins Leben zu rufen, um der Toten zu gedenken. Prälat Rost war anstelle von Diözesanbischof Franz Jung, nach Wülfershausen gekommen.

Im Trauermarsch ging es von der Kirche zum Kriegerehrenmal. Alle Vereine und Verbände, Mitglieder des Gemeinderates, die... Foto: Hanns Friedrich

Der Ursprung des Armenseelenfestes geht in die Zeit des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 zurück, ist aber auch eine Erinnerung an die Gefallenen der beiden Weltkriege. Die Geschwister legten fest, dass alljährlich ein Gottesdienst für die Verstorbenen gefeiert wird, sagte Prälat Probst im Gottesdienst, den er gemeinsam mit Ortspfarrer Pater Silvester feierte. Stolz könnten die Wülfershäuser sein, denn sie sind in der Diözese die einzigen, die solch ein Fest feiern. Die Weltkriege hätten vielen Männern das Leben gekostet. Junge Männer, Familienväter seien es gewesen. Jeder Gefallene habe eine schreckliche Wunde gerissen. Sein Bruder kam 1942 auf der Insel Krim ums Leben, als er auf eine Mine fuhr. Als die Mutter dies erfuhr, weinte sie, der Vater habe kein Wort gesprochen, sei wie versteinert gewesen. Der Sohn des Getöteten hat später dies alles aufgezeichnet. So sei er für ihn lebendig gewesen.

 Nach dem Gottesdienst ging es mit den Wülfershäuser Musikanten im Trauermarsch zum Kriegerehrenmal. Dort war Landtagspräsident Hans Böhm eingesprungen, nachdem Ministerin Dorothee Bär am Freitagabend absagen musste. Für die Wülfershäuser habe er das gerne gemacht. Hier habe er sich immer wohl gefühlt und so sagte er zu. "Die Wülfershäuser sind etwas Besonderes und das zeichnet sie aus, denn sie machen etwas wann und wo sie es für richtig halten." Das zeige das Armenseelenfest, das ja eigentlich im November gefeiert wird, wenn die Natur nicht, wie heute in der Blüte steht und zeigt, wie großartig sie ist.

Feuerwehrkameraden legten am Ehrenmal in Wülfershausen einen Kranz im Namen der Gemeinde Wülfershausen nieder. Festredne... Foto: Hanns Friedrich

"Notwendig sei immer die Trauer, die Erinnerungen weckt, den Blick weitet und ermuntert zur Solidarität. Nur wer trauern kann ist auch fähig zur Liebe und das bedeute, dass man den Toten verbunden bleibt und deshalb sind wir heute hier, ehren die Toten und feiern das 100. Armenseelenfest." Bürgermeister Wolfgang Seifert legte gemeinsam mit Böhm einen Kranz am Ehrenmal nieder.  Vereine und Verbände nahmen mit Fahnenabordnungen teil, ebenso die Vertreter der Kirche. Mit dem Lied vom guten Kameraden, der Bayern- und Deutschlandhymne endet die eindrucksvoll gestaltete Feierstunde zum 100. Armenseelenfest. Am Nachmittag stand der Friedhofsgang mit einer Andacht in der Stephanuskapelle an.

Schlagworte

  • Wülfershausen
  • Hanns Friedrich
  • Brüder
  • Dorothee Bär
  • Franz Jung
  • Gottesdienste
  • Hans Böhm
  • Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen
  • Männer
  • Mütter
  • Söhne
  • Tote
  • Verstorbene
  • Väter
  • Weltkriege
  • Wülfershäuser Musikanten
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!