Saal

Brexit hätte beinahe den Jubiläumsbesuch verhindert

Seit 25 Jahren kommen sie zum Flugsportverein Grabfeld nach Saal und sind hier vor allem von der Betreuung, dem guten Essen und den Wetterverhältnissen begeistert. Unser Bild zeigt (von links): Norbert Krämer (Flugsportverein Grabfeld) sowie die englischen Gäste Andrew Braun, Geoff Galzebrook, Malcolm Birch, Geoff Payne, David Miller, John Reed, Tony Hutchings, Tony Manwaring, Rupert Robertson, Guy Corbett und Fluglehrer Peter Volz sowie den Vorsitzenden des Flugsportvereins Grabfeld Christian Schön.
Seit 25 Jahren kommen sie zum Flugsportverein Grabfeld nach Saal und sind hier vor allem von der Betreuung, dem guten Essen und den Wetterverhältnissen begeistert. Unser Bild zeigt (von links): Norbert Krämer (Flugsportverein Grabfeld) sowie die englischen Gäste Andrew Braun, Geoff Galzebrook, Malcolm Birch, Geoff Payne, David Miller, John Reed, Tony Hutchings, Tony Manwaring, Rupert Robertson, Guy Corbett und Fluglehrer Peter Volz sowie den Vorsitzenden des Flugsportvereins Grabfeld Christian Schön. Foto: Hanns Friedrich

Es hätte nicht viel gefehlt und das 25-jährige Bestehen der Freundschaft zwischen dem Segelflieger gliding Club Dunstable (England) bei London und dem Flugsportverein Grabfeld hätte nicht stattfinden können. Wäre es im April zum Brexit gekommen, dann hätte es zwei Möglichkeiten gegeben. "Bei 'No Deal' hätten wir nicht nach Europa und damit nach Saal einreisen können, denn dann hätten wir keine Zulassung und auch die Lizenzen wären ungültig gewesen", sagt Toni Hutchings. Mit "Deal" wäre luftfahrtmässig alles geregelt gewesen und die Londoner hätten nach Deutschland einreisen können. Glücklicherweise wurde die Brexitentscheidung auf Oktober dieses Jahres verschoben.

Damit stand dem Jubiläumstreffen nichts mehr im Wege. Wie aber kam es zu der doch recht ungewöhnlichen Freundschaft? Begonnen hat alles vor 30 Jahren, als Fluglehrer Peter Volz im Urlaub in Australien Toni Hutchings  kennen lernte und dabei natürlich das Thema "Segelflug" eine Rolle spielte.

Engländer schätzen die familiäre Atmosphäre und die Flugbedingungen

Im Jahr 1990 fand das erste Treffen in Saal statt, in den letzten Jahren dann regelmäßig zum Pfingstfest. So auch in diesem Jahr. "Es sind die familiäre Atmosphäre, die Flugbedingungen und die gute Bewirtung", sagt Guy Corbett lachend. Auch wenn in diesem Jahr das Wetter in Saal nicht immer mitspielte, war es doch angenehmer als in London, wo es um die Pfingsttage kalt war und regnete. Der gliding Club Dunstable habe 360 Mitglieder und betreibe eine kommerzielle Segelflugausbildung, erläutert Peter Volz.

Noch einmal auf den Brexit und die damit verbundenen Einschränkungen angesprochen, sagen die Fluggäste aus London, dass viele Engländer nicht abschätzen könnten, was das für das Land bedeutet. "Wir hoffen auf eine erneute Abstimmung, bei der dann auch diejenigen, vor allem die Jugend, zur Wahl gehen, denn dann dürfte es anders ausfallen", sagen die englischen Flieger. Auch innenpolitisch sei der Brexit ein "Pulverfass", vor allem was Irland und Schottland betrifft.

Gegenbesuch hat ebenfalls stattgefunden

"Wir hoffen jetzt das Beste und, dass wir im nächsten Jahr wieder problemlos in die EU-Staaten einreisen und hierher nach Saal zu unseren Fliegerfreunden können", meint Toni Hutchings. "Natürlich waren auch schon die Saaler in Dunstable in England und zwar zum 75. Bestehen des Vereins", erklärt Fluglehrer Peter Volz auf die Frage nach Gegenbesuchen.

In den vergangenen zehn Tagen haben die englischen Flieger sowohl das Grabfeld als auch die Rhön, sowie die verschiedenen Gegenden aus der Vogelperspektive erkundet und waren auch in Thüringen. Pro Tag legten sie oft mehr als 500 Kilometer zurück und landeten unter anderem in Weiden in der Oberpfalz, in Hof und flogen bis nach Erfurt und Leipzig. "Die Wetterverhältnisse, die Thermik ist hier viel besser als bei uns auf der Insel", sagen sie als Erläuterung für diese Flüge.

Mit einem Motorflugzeug in den Himmel ziehen lassen

Nicht mit der Winde sondern im Flugzeugschlepp-Start, also durch ein Motorflugzeug, ließen sich die Engländer in den oftmals weiß-blauen Himmel ziehen. Der Grund: "Dann ist man schneller im Wolkenbereich und hat die notwendige Thermik", erklärt Christian Schön, Vorsitzender des Flugsportvereins Grabfeld.

Die Gäste sind schon seit vielen Jahren in der historischen Mühle in Hollstadt untergebracht, fügt er an. "Solche Treffen bei uns am Flugplatz sind somit auch für unsere heimischen Gastronomen, aber auch für die Einzelhändler von Vorteil", sagt der Vereinsvorsitzende. Schmunzelnd erzählt Peter Volz, dass sich die Gäste aus London vor allem immer auf den Nachtisch freuen. Dank sagte Vorsitzender Christian Schön am letzten Abend vor allem an Peter Volz und Manfred Hartmann, die sich um die Gäste kümmerten und am Flugplatz ehrenamtlich zur Verfügung standen.

Der Saaler Flugplatz ist für verschiedene Fluglager von jeher interessant. So waren in diesem Jahr schon Den Helder (Holland), da, dann eben Dunstable (England) und als nächstes haben sich zum 1. Juli die Gleitschirmflieger Heilbronn sowie danach der Verein Bohmte/Melle und FC Condor Antersberg angesagt. Weiter geht es am 7. September mit dem  Ferienfliegen. "Langeweile kommt bei uns am Flugplatz in Saal keinesfalls auf", sagen Peter Volz und Christian Schön lachend, die am letzten Abend dann zum Buffet ins Fliegerheim der Grabfeldflieger eingeladen hatten.

Sie sind die Gründer der Freundschaft zwischen Dunstable (England) und dem Flugsportverein Grabfeld:  Toni Hutchings  und  Peter Volz.
Sie sind die Gründer der Freundschaft zwischen Dunstable (England) und dem Flugsportverein Grabfeld: Toni Hutchings und Peter Volz. Foto: Hanns Friedrich
Beim traditionellen Pfingstfest rollten die Engländer mit ihren Segelflugzeugen im Schlepp über den Platz.
Beim traditionellen Pfingstfest rollten die Engländer mit ihren Segelflugzeugen im Schlepp über den Platz. Foto: Hanns Friedrich

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