Bad Neustadt

Bund Naturschutz fühlt Neuschter Kandidaten auf den Zahn

Vor 18 Jahren hatte der Bund Naturschutz in Bad Neustadt letztmals den Bewerbern Wahlprüfsteine vorgelegt. Im Drei-Kandidaten-Wahljahr ist es nun wieder so weit.
Wahlprüfsteine des Bund Naturschutz: An der Brückenstraße zwischen Gartenstadt und Brendlorenzen empfehlen sich nicht nur die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl. Die Straße ist auch ein neuralgischer Punkt im Radwegenetz der Stadt. Hierzu wurden die Bewerber ebenfalls befragt. Foto: Gerhard Fischer

Klimawandel, Flächenversiegelung, Elektromobilität: Umweltschutz und nachhaltiges Denken stehen nicht erst seit der Fridays-for-Future-Bewegung immer wieder im Fokus. Organisationen wie der Bund Naturschutz (BN) streiten seit Jahrzehnten für eine umweltgerechtere Politik. Der Ortsverband Bad Neustadt hat sich nun unter den Bürgermeisterkandidaten der Stadt sowie den übrigen Listen-Vertretern umgehört, was diese umweltpolitisch in der Kreisstadt bewegen wollen.       

Unter dem Titel "Wahlprüfsteine des Bund Naturschutz" ist an die Bürgermeister-Kanidaten Christiane Hanshans (CSU), Johannes Benkert (Neuschter Liste) und Michael Werner (Freie Wähler) ein Fragenkatalog gesandt worden. Auch Rita Rösch (SPD), Karl Breitenbücher (Grüne) und Hartmut Schmutz (FDP) wurden um Stellungnahmen gebeten.

Liste an konkreten Ideen

Herausgekommen ist eine umfangreiche Liste an Ideen und politischen Positionen zu Themen wie Begrünung der Stadt, Radwegenetz, ökologisches Bauen oder zur Gestaltung des Bahnhofsumfeldes. "Vor 18 Jahren hatten wir bei der ersten Kandidatur von Bruno Altrichter gegen Josef Schlagbauer schon einmal solche Wahlprüfsteine erarbeitet", erinnert sich der Ortsverbandsvorsitzende Martin Müller.    

Er ist sehr zufrieden mit den Antworten, die er mit der BN-Kreisvorsitzenden Susanne Richter ausgewertet hat. "Man spürt, dass sich die Kandidaten sehr viel Mühe mit den Antworten gemacht haben", freut sich Richter.   

Entscheidungshilfe für die Wähler

Müller hofft, dass auch mit den Wahlprüfsteinen seines Interessenverbandes eine Hilfe zur Entscheidungsfindung bei den Bürgern geleistet werde. "Die Entscheidung überlassen wir den Wählern". Markante Punkte zu den einzelnen Themen haben Richter und Müller bei jedem der Befragten gefunden. Und streng auf Naturschutz bezogen ist der Fragenkatalog auch nicht gewesen. So hatte die SPD-Stadtratskandidatin Rita Rösch immer wieder Gelegenheit, auch soziale Aspekte in ihre Antworten einzubringen, um nur ein Beispiel zu nennen.      

Dass der Bund Naturschutz auch das Fair-Trade-Thema aufgegriffen hat, liege im Selbstverständnis des Verbandes. "Fair Trade ist ein Baustein für nachhaltiges Wirtschaften und der BN ist auch Mitglied im Fair-Trade-Town-Team", betont Kreisvorsitzende Richter. Auf das Thema Beschilderung als Fair-Trade-Town ist man auch deshalb gekommen, weil Städte wie Bad Brückenau zum Beispiel eine solche Beschilderung besitzen.  

Klares Bekenntnis zum Umweltpreis

Auch der Umweltpreis der Stadt Bad Neustadt ist Thema. Überraschungen gibt es da keine bei den Antworten. Alle Befragten sind für die Beibehaltung des Preises, der gemeinsam von Stadt und Bund Naturschutz verliehen wird. 

Susanne Richter (Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzende) und Martin Müller (Ortsvorsitzender Bad Neustadt) haben zusammen mit einer Arbeitsgruppe den Fragenkatalog entworfen.  Foto: Gerhard Fischer

Unter den Großthemen, von denen diese Redaktion die wichtigsten in einer Grafik zusammengefasst hat, sind zum Beispiel unter dem Punkt "Konsequenter Einsatz für die Energiewende" interessante Punkte vermerkt: So will der Grüne Karl Breitenbücher Gebäude der Stadt nur noch im Passivhaus-Standard verwirklichen. Rita Rösch (SPD) will öffentliche Parkplätze in der Innenstadt nur für E-Autos und Behinderte freihalten.

Visionen statt Kleinklein

Dass sich Lokalpolitik nicht im Alltags-Kleinklein erschöpft sondern auch von Visionen lebt, zeigt die Abschlussfrage des Bund Naturschutz: "Wie stellen Sie sich unsere Stadt in zehn Jahren vor?". Christiane Hanshans wünscht sich hier "gelebte Nachhaltigkeit im Zusammenspiel der drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales".

Steinwüsten statt Grünflächen: Der neue Vorplatz am Gemeindehaus Mühlbach ist für den Bund Naturschutz ein Negativ-Beispiel. Foto: Gerhard Fischer

Michael Werner von den Freien Wählern wünscht sich, "dass wir in zehn Jahren weiterhin wirtschaftlich stark sind" und der Verkehr so gelenkt wird, dass Bad Neustadt weiterhin lebenswert ist. Johannes Benkert von der Neuschter Liste hofft auf eine wesentlich grünere Innenstadt und einen Fair-Trade-Gedanken, der selbstverständlich zum Alltag der Menschen gehört.

Ist der Marktplatz von Bad Neustadt grün genug? die befragten Kandidaten können sich mehr Grün in der guten Stube der Stadt vorstellen. Foto: Gerhard Fischer

 FDP-Mann Hartmut Schmutz schließlich will für ein mehr an Verkehrsberuhigung arbeiten und für Kernzonen mit Grünflächen. "Sozial, nachhaltig, tolerant", mit diesen Schlagworten umschreibt Rita Rösch (SPD) ihre Vision für die Kreisstadt, während Karl Breitenbücher von autonomen Kleinbussen träumt, die den Campus bedienen, während die Innenstadt weitgehend autofrei geworden ist. 

Der komplette Inhalt der BN-Wahlprüfsteine für Bad Neustadt kann nachgelesen werden im Untermenü "Ortsgruppe Bad Neustadt" auf:
www.rhoen-grabfeld.bund-naturschutz.de 

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