Oberelsbach

Bundesweiter Ranger-Treff zum Schutz der Nacht

Nicht nur in der Theorie, sondern auch vor Ort in der Rhön ließen sich die Teilnehmer des bundesweiten Ranger-Treffens über Maßnahmen zum Schutz der Nacht informieren. Foto: Thomas Pfeuffer

Der Schutz der Nacht steht im Sternenpark Rhön an oberster Stelle. Auf Einladung der Hessischen Verwaltung des Biosphärenreservats Rhön und des Bundesverbands Naturwacht haben sich nun Ranger und Mitarbeiter von deutschen Nationalparken, Biosphärenreservaten und Natur-parken in der Rhön getroffen, um sich über Auswirkungen von Lichtverschmutzung, Gegenmaßnahmen und rechtliche Vorgaben zu informieren, heißt es in einer Mitteilung  des Biosphärenreservats. Die 15 Teilnehmer aus Eifel, Barnimer Land, Schwarzwald, Schwäbischer Alb und der Hessischen und Bayerischen Rhön trafen sich im „Fuldaer Haus“ an der Maulkuppe, um sich zum Thema „Schutz der Nacht“ schulen zu lassen.

Die meisten von ihnen – auch die Ranger im Biosphärenreservat Rhön – übernehmen Aufgaben in der Umweltbildung und tragen daher eine besondere Verantwortung, alle Bereiche des Natur- und Artenschutzes zu vermitteln. Sabine Frank, Sternenpark-Koordinatorin beim Landkreis Fulda, informierte in dem dreitägigen Seminar umfassend über die Folgen von schädlichen Lichtimmissionen. In Workshops erarbeiteten die Seminarteilnehmer daraufhin Praxistipps, wie sie das Thema Schutz der Nacht in ihre tägliche Arbeit im Schutzgebiet einbauen können.

Schädlich für Mensch und Tier

Aber auch das besondere Erlebnis im Sternenpark Rhön stand auf dem Programm: Exkursionen führten nicht nur in den Muster-leuchten-Park der RhönEnergie Fulda als Exempel für umweltfreundliche Außenbeleuchtung, sondern auch ins „Sternendorf“ Silges und zu den neuen Himmelsschauplätzen in Hofaschenbach und Danzwiesen. Auch eine nächtliche Sternenführung durfte nicht fehlen.

Als Expertin für den Schutz der Nacht machte Frank den Teilnehmern die Auswirkungen von Lichtverschmutzung deutlich. Da alles Leben auf der Erde eng an den Tag-Nacht-Rhythmus gekoppelt sei, kann nächtliche Beleuchtung in vielfacher Hinsicht negativ auf Menschen, Tiere und Pflanzen wirken. Beim Menschen könne durch das Zerstören des natürlichen hell-dunkel-Wechsels die Produktion des wichtigen Hormons Melatonin unterdrückt werden. Für Tiere wirke nächtliches Kunstlicht oft lebensbedrohlich: „Insekten werden aus ihren natürlichen Lebensräumen gelockt und Zugvögel, die in der überwiegenden Zahl nachts fliegen, werden durch das Licht irritiert und verlieren die Orientierung“, erklärte Frank. „Vögel in hell erleuchteten Städten fangen bis zu drei Wochen früher an zu brüten als ihre Artgenossen in den Wäldern. Kommt es zu Spätfrost, erleiden sie dann empfindliche Verluste.“

Dunkle Lebensräume nötig

Licht an Bächen, Teichen und Flüssen störe das gesamte Ökosystem des Gewässers, da es die nachtaktiven Arten verdränge. „Aber auch viele Pflanzen und Bäume sind nachtaktiv und auf nächtliche Bestäubung angewiesen“, machte Frank deutlich. Ein Beispiel hierfür sei der Schwarze Holunder, der vor allem nachts intensiv dufte und so Insekten anlocke. Die Ausführungen wurden unterstrichen mit Fotos von Bäumen in der Nähe von Straßenlaternen und Bodenstrahlern: Während Bäume und Sträucher im Umfeld bereits ihr Laub abgeworfen haben, weisen angestrahlten Bäume häufig noch ein dichtes Laubkleid im Bereich der Lampen auf. Frostschäden und sogar ein Absterben dieser Bäume, die viel zu spät ihr Laub abwerfen, können die Folge sein.

Eindringlich wurde dafür geworben, beim Naturschutz immer auch die Nacht mit einzubeziehen, da nachtaktive Tiere wie der Igel und die meisten Fledermausarten dunkle Lebensräume benötigen. Sabine Frank wies darauf hin, dass auch die Bundesregierung in ihrem Immissionsschutzgesetz nächtliche künstliche Beleuchtung als schädliche Umwelteinwirkung und maßgebliche Ursache für das Insektensterben anerkannt hat. Mittlerweile gebe es Empfehlungen, wie Lichtimmissionen seitens der Kommunen geregelt und eingeschränkt werden können. Auch in neuen Broschüren des Sternenparks Rhön sind diese als Planungshilfen für umweltverträgliche Beleuchtung zusammengefasst.

Die Broschüren stehen unter www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark zum Download bereit. 

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