Bad Neustadt

CSU verliert absolute Mehrheit im Kreistag

Die Christsozialen müssen zwei Sitze abgeben. Deutliche Zugewinne bei den Grünen und Freien Wählern. Die Linke ist erstmals im Kreistag, die SPD verliert erneut deutlich.
Wenn der neue Kreistag zum ersten mal im Sitzungssaal des Landratsamtes tagt, dann tut er das nicht mehr mit einer absoluten Mehrheit der CSU.
Wenn der neue Kreistag zum ersten mal im Sitzungssaal des Landratsamtes tagt, dann tut er das nicht mehr mit einer absoluten Mehrheit der CSU. Foto: Stefan Kritzer

Die Christlich Soziale Union hat bei der Wahl zum Kreistag mit 46,04 Prozent erneut ein stolzes Ergebnis zu verzeichnen. Allerdings büßte die CSU im Vergleich zur Wahl im Jahr 2014 Stimmen ein und verliert die absolute Mehrheit im Kreistag. Dort wird sie in der kommenden Legislaturperiode nur noch 28 von 60 Sitzen bekleiden. 2014 hatte sie es mit 49,94 Prozent der Stimmen auf 30 Sitze gebracht. Weil Thomas Habermann einer dieser gewählten CSU-Kreisräte ist, aber gleichzeitig zum Landrat gewählt wurde, rückt für ihn Bruno Werner aus Unterweißenbrunn mit 15 251 Stimmen und 1,63 Prozent in den Kreistag nach.  

Sitze-Gewinner sind bei den Kreistagswahlen die Freien Wähler mit zwei zusätzlichen Mandaten, die Grünen mit ebenfalls zwei zusätzlichen Sitzen sowie die Linke, die erstmals im Kreistag mit einem Kreisrat vertreten sein wird. Die Freien Wähler verbesserten ihr Ergebnis im Vergleich zu 2014 deutlich. Sie erreichten 20,77 Prozent nach 18,65 Prozent vor sechs Jahren. Das bedeutet für die Freien Wähler 13 Sitze im künftigen Kreistag. Die Grünen legten kräftig zu auf 14,01 Prozent. 2014 hatten sie es auf 9,47 Prozent gebracht. Damit sind die Grünen nun mit acht Sitzen im Kreistag vertreten.

SPD nur noch fünf Prozent

Großer Verlierer ist die SPD, die von ihren acht Sitzen im Kreistag drei verlor und künftig nur noch mit fünf Kreisräten im Gremium vertreten sein wird. Die Sozialdemokraten brachten es nur noch auf einen Stimmenanteil von 8,22 Prozent. 2014 waren es immerhin noch 13,78 Prozent gewesen. Ein Minus von mehr als fünf Prozentpunkten.

Die Wählerinitiative Altlandkreis Bad Königshofen bleibt wie bisher mit drei Abgeordneten im Kreistag vertreten. Die FDP behält ebenfalls ihre zwei Sitze. Erstmals im Kreistag vertreten ist die Linke mit einem Abgeordneten. Das Ergebnis von Linke, FDP und Wählerinitiative Altlandkreis Bad Königshofen fasst das Wahlbüro im Landratsamt unter „Sonstige“ mit anderen Parteien zusammen. die bringen es insgesamt auf 10,96 Prozent. Die Wahlbeteiligung bei der Kreistagswahl lag bei 66,80 Prozent.

Persönlichkeitswahl

Auch wenn die CSU im Kreistag zwei Sitze abgeben muss, ist Fraktionsprecherin Birgit Erb sehr zufrieden. Sie freut sich, dass ihre Partei wieder so deutlich vorne liegt und die Unterstützung der Wähler gefunden hat. Dadurch, dass mit der Linken eine neue Gruppierung angetreten ist, sei mit einem Stimmenverlust zu rechnen gewesen. "Außerdem ist Kommunalwahl eine Persönlichkeitswahl und nicht so sehr ein Wahl nach einer Parteiliste", stellt sie fest. 

Ökologische Themen

Auf den bundespolitischen Schub für Bündnis 90/Grüne hat auch die Fraktion in Rhön und Grabfeld gebaut. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Fraktionssprecherin Birgit Reder-Zirkelbach. Selbstverständlich wollen die Grünen mit einer neuen "Frau- und Mannschaft", wie sie sagt,  im Kreistag die ökologischen Themen weiter im Fokus behalten. Erfreut zeigte sich Reder-Zirkelbach zudem über die Tatsache, dass die AfD im Landkreis sowohl auf Gemeinde- und Stadt- wie auf Kreisebene nicht zur Wahl angetreten ist.

Noch mehr Akzente setzen

Damit ist sie sich einig mit Bruno Altrichter, dem Fraktionssprecher der Freien Wähler. Dass die AfD keine Rolle spielt, freut ihn genauso, wie er mit dem Ergebnis seiner Partei zufrieden ist. Mit zwei Mandaten mehr im Kreistag zu sein findet er sehr erfreulich. Damit gehe die Fraktion gestärkt an die Arbeit und könne noch besser Akzente im Gremium setzen. Dass die CSU ihre absolute Mehrheit verloren hat, ist für Altrichter zwar erfreulich, aber nicht ganz so wichtig. Ihm geht es nicht um die Mehrheit von Parteien, sondern um Mehrheiten in der Sache. Und da habe der bisherige Kreistag schon gut zusammengearbeitet. 

Bundesweiter Negativtrend

„Wir hätten uns ein besseres Ergebnis gewünscht“, gibt René van Eckert unumwunden zu. Der Kreisvorsitzende der SPD trauert jetzt schon um den Aderlass seiner Fraktion im Kreistag, die um einige erfahrene Politiker, vor allem weibliche, ärmer werde. Den bundesweiten Negativtrend der Wählergunst für die SPD nennt van Eckert als wesentlichen Grund für das schlechte Abschneiden seiner Fraktion. Zudem habe erstmals die Linke kandidiert und sei erfolgreich gewesen. Die Grünen profitierten seiner Ansicht nach von ihrem bundesweiten Positivtrend. Versäumnisse der SPD-Fraktion in der zurückliegenden Legislaturperiode stellt van Eckert nicht fest: „Es kann definitiv nicht an den Themen liegen, die wir in den letzten Jahren beackert haben.“

Marginal mehr

Zufrieden mit dem Resultat und zwei Sitzen im kommenden Kreistag zeigte sich Karl Graf Stauffenberg für die FDP. „Wir haben marginal mehr Stimmen erhalten als 2014“, sagte Stauffenberg. „Damit müssen wir zufrieden sein.“ Graf Stauffenberg wird einen der beiden Sitze im Kreistag bekleiden.

Wieder drei Mandate

Karl-Heinz Schönefeld von der Wählerinitiative Bad Königshofen hat es selber zwar nicht mehr in den Kreistag geschafft. Doch das sieht er nach 18 Jahren in dem Gremium als nicht so schlimm. Er freut sich, dass seine Fraktion auch künftig wieder mit drei Mandatsträgern im Kreistag vertreten sein wird. Zwischendurch sah es bei der Auszählung sogar so aus, als könnten es vier wären. Das hätte sich Schönefeld zwar gewünscht, für ihn geht das Abschneiden der WI Bad Königshofen in Ordnung.

Neu im Kreistag

Neu im Gremium ist Matthias Freund. Er ist zwar der Einzige, aber auch der erste, der es als Vertreter der Linken in den Rhön-Grabfelder Kreistag geschafft hat. Darüber freut er sich sehr, hätte aber gehofft, dass es sogar für einen zweiten Sitz reicht. Der Betriebsrat bei Siemens bezeichnet es als tollen Erfolg, dass die Linke eine Liste zustande gebracht und gleich einen Mandatsträger in das Gremium gebracht hat. 

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