Ottelmannshausen

Christbäume: Welche Tannen nadeln und stechen nicht?

Seit zwei Jahren kümmern sich Schafe in der Christbaumkultur der Familie Wirsing um die Pflege der Fläche unter den Bäumchen. Die spezielle Rasse weiß, dass sie nur unter – und nicht an – den Christbäumen fressen darf. Foto: Wolfgang Ruck

Es ist ein langer Weg vom kleinen Pflänzchen bis hin zum fertigen Weihnachtsbaum. Das zeigt ein Besuch auf dem Hof der Ottelmannshäuser Familie Wirsing. Seit zwölf Jahren bewirtschaftet das Landwirte-Ehepaar Sandra und Wolfgang Wirsing eine Christbaumkultur.

2007 pflanzten die Wirsings rund ein Dutzend verschiedener Baumarten, um auszutesten, welche Bäume  hier am besten gedeihen und was die Kundschaft am stärksten nachfragt. Mittlerweile hat sich ein klarer Favorit herauskristallisiert: Zu 85 Prozent herrschen Nordmann-Tannen auf der Fläche nordwestlich des Dorfes vor.  Weitere zehn Prozent entfallen auf Blaufichten. Den Rest der angebauten Baumarten deklariert Wolfgang Wirsing mit "Sonstige".  Dazu zählen beispielsweise die Colorado-Tanne oder die Korea-Tanne.  Letzte wächst sehr langsam und hat die Besonderheit, dass sie Zapfen bildet.

Baum hat bis Mai nicht genadelt

Nordmanntannen werden vor allem deshalb nachgefragt, weil sie nicht nadeln und nicht stechen. Wolfgang Wirsing erzählt von einem Kunden, der seinen Christbaum bis Mai in der Stube hat stehen lassen. Selbst im Mai habe der Baum noch nicht genadelt. "Der Kunde hat ihn nur aus dem Wohnzimmer raus, weil er den Baum im Mai nicht mehr sehen wollte", erzählt Wolfgang Wirsing.

Eine Minderheit der Baumkäufer bevorzugt Blaufichten, weil deren Nadeln stechen.  So sei gewährleistet, dass Kinder und Haustiere dem Baum nicht zu nahe kommen.  Sandra Wirsing erzählt, dass der Baumkauf eine völlig subjektive Angelegenheit ist. "Manche finden einen Baum hässlich, andere wollen genau diesen haben, weil er Atmosphäre ausstrahlt", berichtet Sandra Wirsing.

Kundschaft im Nadelwald

Fast alle Bäume werden ab Hof verkauft.  Die Kundschaft kommt vorbei, geht durch den "Nadelwald", sucht sich einen Baum aus, lässt ihn fällen und nimmt ihn mit. Manche Zeitgenossen lassen sich auch einen Baum reservieren. Dieser wird dann mit Namensschild versehen und erst unmittelbar vor Weihnachten gefällt. Wolfgang Wirsing erzählt, dass man sich auch schon nach den Mondphasen gerichtet habe beim Fällen der Bäume.  Solche Kundenwünsche konnte man aber in den vergangenen beiden Jahren nicht berücksichtigen, weil der optimale Termin schon Ende November gewesen wäre. Und zu diesem Zeitpunkt möchte niemand seinen Weihnachtsbaum fällen.

Als Exote gilt die Korea-Tanne in der Baumkultur der Wirsings. Die Bäumchen haben die Besonderheit, dass sie Tannenzapfen bilden. Foto: Wolfgang Ruck

Die Kundschaft der Familie Wirsing stammt überwiegend aus dem hiesigen Gebiet und kauft nach dem Motto "Aus der Region – für die Region". Einige Bäume aus Ottelmannshausen haben aber auch schon den Weg bis in warme Stuben nach Dresden und Rostock geschafft.

Beispielsweise hielten schon Montagearbeiter auf der Heimfahrt an, um schnell noch einen Baum zu besorgen, oder es wurde eine Tanne als Mitbringsel für den  weihnachtlichen Besuch bei den weit entfernt lebenden Eltern gekauft.

Bäume werden nicht gespritzt

Den Baumkäufern sind nach Wirsings Worten vor allem zwei Aspekte wichtig: Der Baum muss frisch geschlagen sein, und er darf nicht gespritzt sein. Wolfgang Wirsing erzählt, dass von 1000 gepflanzten Bäumchen durchschnittlich nur 650 den Weg bis zur Ernte schaffen.  Vor allem die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre habe zu hohen Ausfällen geführt.

Eigentlich wollten die Wirsings schon 2018 einen Teil ihrer Fläche neu anpflanzen.  Aufgrund der Trockenheit wurde dies dann immer wieder verschoben. Erst im Frühling 2019 wagte man die Neuanpflanzung. Doch die ab Mai einsetzende Trockenheit machte den jungen Pflänzchen zu schaffen. "Obwohl wir die Bäumchen täglich gegossen haben, gingen 90 Prozent der frisch gepflanzten Kultur ein", erinnert sich Wolfgang Wirsing. Er vermutet rückblickend, dass die Verdunstung zu stark war und dadurch kaum Wasser an den Pflanzenwurzeln ankam. Die extrem trockenen Jahre 2018 und 2019 haben dazu geführt, dass eine Lücke klafft beim "Nachwuchs der Christbäume", wie er es nennt.

Schafherde als Kulturpfleger

Manchmal sorgen Spätfröste Anfang Mai für Ausfälle. Auch fallen manche Pflänzchen dem Schädlingsbefall zum Opfer oder werden bei der Plantagen-Pflege versehentlich mit dem Balkenmäher umgesenst. Damit letzteres nicht mehr passiert, setzen die Wirsings seit zwei Jahren auf "vierbeinige Plantagenpfleger". Eine kleine Schafherde kümmert sich drum, dass die Flächen unter den Tannen und Fichten kurz gehalten werden. Hierbei handelt es sich um eine aus England stammende Schafrasse.  "Die Tiere wissen, dass sie nur das Gras fressen dürfen und an den Bäumchen nichts verloren haben", sagt der Halter.

Viel Arbeit und Fürsorge ist nötig bei der Hege und Pflege einer Christbaumkultur, bis die Bäume geerntet werden können. Wolfgang und Sandra Wirsing aus Ottelmannshausen (im Bild mit Tochter Lena) haben derzeit alle Hände voll zu tun. Foto: Wolfgang Ruck

Sandra Wirsing erklärt, dass ein Christbaum etwa acht bis zehn Jahre alt wird, bis er eingeschlagen wird. Die Familie bezieht die Setzlinge von einem Kollegen, dann sind sie drei bis vier Jahre alt und etwa 15 Zentimeter groß. In den ersten Jahren  wachsen die Tannen und Fichten nur unwesentlich. Erst ab dem fünften bis sechsten Lebensjahr gehen die Bäume in die Höhe.

Viel Arbeit und Fürsorge ist nötig bei der Hege und Pflege einer Christbaumkultur. Wenn der Kunde den fertigen Christbaum sieht, kann er nur erahnen, wie viel Liebe, Kosten und Zeit dahintersteckt, bis Tanne, Fichte und Co.  im Lichterglanz in den Wohnzimmern erstrahlen.

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