MELLRICHSTADT

Christian Staude fühlt sich berufen

Der Mellrichstädter Christian Staude, der als Pastoralpraktikant noch ein Jahr in der Pfarreiengemeinschaft St. Laurentius im Spessart im Dienst ist, wird am Samstag im Kiliansdom zum Diakon geweiht.
Der Mellrichstädter Christian Staude, der als Pastoralpraktikant noch ein Jahr in der Pfarreiengemeinschaft St. Laurentius im Spessart im Dienst ist, wird am Samstag im Kiliansdom zum Diakon geweiht. Foto: Andreas Brachs

Christian Staude wagt den nächsten Schritt. Der junge Mann auf dem Weg zum Priesteramt wird am Samstag, 30. September, um 9.30 Uhr im Würzburger Kiliansdom zum Diakon geweiht. Damit bringt Mellrichstadt nach über fünf Jahrzehnten wieder einen Priester hervor.

Bezeichnenderweise kommt er aus dem „Heiligen Eck“, wie es manche Mellrichstädter humorvoll bezeichnen. Er stammt aus der Friedenstraße, wo einst das ehemalige Gemeindekassenamt untergebracht war. Ruhestandspfarrer Bernhard Strohmenger, der 1964 zum Priester geweiht wurde, stammt aus dem Haus daneben und wohnt heute in der verlängerten Friedenstraße. Und Pfarrer Karl Dietz, der die hiesige Jugend mit seiner Pfadfinderarbeit sehr geprägt hat und 1957 Priester wurde, wohnte nicht weit weg in der Hellgasse.

Entscheidung nach dem Abitur

Sein Wunsch, Priester zu werden, kam nach dem Abitur auf, als er sich auch noch andere Berufswege vorstellen konnte, sagt Christian Staude in einem Gespräch. Von den Eltern geprägt, wäre Jura eine Option gewesen oder auch Politikwissenschaften. Von Beginn an habe er aber auf die volle Unterstützung seiner Familie zählen können, als er sich für den kirchlichen Weg entschieden habe, so der 27-Jährige.

Natürlich gab es auch negative Stimmen, die ihm von seinem Berufswunsch abgeraten haben, von denen er sich aber nicht beirren ließ. Geprägt haben ihn die Geistlichen in der Kirchengemeinde, allen voran Pfarrer Herbert Roßmark, unter dem er auch als Ministrant gedient hat – zeitweise waren mit seinen vier Geschwistern fünf Messdiener aus dem Hause Staude in St. Kilian tätig.

Mit 20 ins Priesterseminar

Nach dem Abitur hatte er ein freiwilliges soziales Jahr bei der Regionalstelle der Kirchlichen Jugendarbeit (kja) absolviert. In seiner Freizeit spielte er Handball, spielte Klavier und war Gründungsmitglied der Kirchenband „denkmal“. 2010, da war er gerade 20 Jahre alt, wurde es konkret: Christian Staude trat in das Priesterseminar ein. Zunächst hatte er in Bamberg ein Propädeutikum zu absolvieren. Dabei handelt es sich um eine Glaubens- und Lebensschule für Priesterkandidaten, in der sie sich in das geistliche Leben einüben können und alte Sprachen wie Hebräisch und Griechisch lernen. Zwei Jahre studierte er im Anschluss an der Universität Würzburg Theologie und wohnte im Priesterseminar. Von da aus ging es für ein Jahr nach Rom an die päpstliche Universität Angelicum, wo er zeitweise der einzige Deutsche war, und an zwei andere Hochschulen.

Pastoralpraktikant in Marktheidenfeld

In der Mitte des Studiums, nach vier Semestern, war er in einem „Freijahr“ als normaler Student auf sich alleine gestellt. Zum weiteren Studium schickte ihn der Regens zum Studium nach München ins Herzogliche Georgianum, das zweitälteste Priesterseminar der Welt. 2016 schloss Staude sein Studium ab und ist seitdem als Pastoralpraktikant in der Pfarreiengemeinschaft „Sankt Laurentius am Spessart, Marktheidenfeld“ eingesetzt.

Einen konkreten Wunsch, wo er in Zukunft wirken möchte, hat der 27-Jährige nicht. Er ist offen, dahin zu gehen, wo er gebraucht wird. Bereits jetzt weiß er schon, dass er am Pfingstsamstag 2018 zum Priester geweiht wird. Vor der Diakonenweihe musste er verpflichtend noch eine Woche Exerzitien in Maria Eck südlich von Traunstein absolvieren. Das Versprechen zu Gehorsam, Zölibat und die Verpflichtung zum Stundengebet wird er übrigens schon an diesem Samstag abgeben.

Kein Heiliger

Staude möchte als Priester „greifbar und ansprechbar“ sein. Und er erklärt, dass weder die Kirche noch er selbst fehlerfrei seien. „Die Priesterweihe macht einen ja nicht zu einem perfekten Menschen; es werden ja keine Heiligen geweiht.“ Umso wichtiger ist ihm die Glaubensvermittlung, gerade unter jungen Leuten. Der Priesterkandidat ist sicher: „Die Kirche hat der Welt viel zu sagen.“ Der Priestermangel und die wachsenden Ansprüche an die Pfarrer, die viele Gemeinden betreuen müssen, bereitet Staude Sorge. Die Frage, wie der Priester in größer werdenden Seelsorgeeinheiten noch Seelsorge am Menschen betreiben kann, beschäftigt ihn. Gleichzeitig sieht er den Priester aber als eine unersetzbare Größe in der neuen Struktur. Und er ist zuversichtlich, dass künftig Laien Entlastung schaffen, zum Beispiel als Verwaltungsleiter.

Weihe und Dankandacht

Die anstehende Weihe zum Diakon ist für ihn ein geistliches Ereignis, was auf die Heimat- und auch die Praktikumsgemeinde ausstrahlt. Beglückend für ihn ist, dass er jeden Tag aufs Neue das Interesse und die praktische Hilfe von Menschen erfährt. Für ihn wird der Weihetag am kommenden Samstag ein Fest des Glaubens, das soll in der Dankandacht an diesem Tag um 17 Uhr noch einmal deutlich werden.

Von Mellrichstadt fährt ein Bus zur Diakonenweihe von Christian Staude. Abfahrt ist um 7.30 Uhr an der Streuwiese. Es sind noch Plätze im Bus frei, Anmeldung im Pfarramt St. Kilian unter Tel. (0 97 76) 2 64. Mit Material von Andreas Brachs

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