Bad Königshofen

Dafür gibt es Geld: Mehr Artenreichtum in den Grabfeldwäldern

Waldbesitzer werden für besondere Maßnahmen durch Leistungen aus dem Vertragsnaturschutzprogramm VNP entschädigt. Infofahrt mit Forstleuten zu unterschiedlichen Stationen.
Im Bad Königshöfer Stadtwald ist ein ganz neues Biotop entstanden, hier kann man demnächst beobachten, welche Pionierpflanzen sich ansiedeln und welche Tiere sich einfinden. Die Wurzelstöcke bleiben und bieten Rückzugsmöglichkeiten.
Im Bad Königshöfer Stadtwald ist ein ganz neues Biotop entstanden, hier kann man demnächst beobachten, welche Pionierpflanzen sich ansiedeln und welche Tiere sich einfinden. Die Wurzelstöcke bleiben und bieten Rückzugsmöglichkeiten. Foto: Regina Vossenkaul

Mehr Biodiversität wird nicht nur von Umweltverbänden gefordert, sondern auch vom Freistaat Bayern angestrebt, deshalb unterstützt das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP Wald) die Bemühungen der privaten und körperschaftlichen Waldbesitzer durch Zuschüsse für Maßnahmen, die die Artenvielfalt unterstützen. Einige Beispiele wurden auf einer Informationsfahrt gemeinsam mit Oliver Kröner, dem Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt, den Abteilungsleitern Wilhelm Schmalen und Hubert Türich vom Forstamt Bad Neustadt, Bürgermeister Georg Rath, Michael Krämer von der Unteren Naturschutzbehörde sowie Revierleiter Bernhard Kühnel und Herbert Geßner erkundet.

In dem vom Sturm gebeutelten Waldstück darf die Natur schalten und walten 

Was passiert, wenn eine vom Sturm getroffene Waldabteilung nicht abgeräumt und aufgeforstet wird, sondern der Natur überlassen bleibt? Dieser Frage ging die Gemeinde Herbstadt an der Rothöhe, im Mönchsholz, nach, wissenschaftlich begleitet von der Uni Würzburg. In der Waldabteilung hatte der Sturm "Kolle" 2017 ganze Arbeit geleistet. Zwei Hektar hat die Gemeinde für die Forschung zur Verfügung gestellt und erhält dafür einen Ausgleich für die entgangene Nutzung aus dem VNP. Im Fokus steht auf dieser Fläche unter anderem das Totholz, das nicht nur liegt, sondern auch steht, was in den bewirtschafteten Wäldern selten vorkommt. 20 Prozent aller waldbewohnenden Tierarten finden im Totholz ihren Lebensraum, das bedeutet einen Rückgang der Artenvielfalt in "sauberen" Wäldern. Beobachtet wurden im Mönchsholz bereits seltene Schmetterlinge und Käfer sowie die bedrohte Bechstein-Fledermaus.  

Interessante Forschungsergebnisse liefert die Waldabteilung Mönchsholz: Der Wald bleibt nach dem Sturm Kolle sich selbst überlassen, darüber sprechen vor Ort (von links) Bernhard Kühnel, Oliver Kröner, Georg Rath, Wilhelm Schmalen und Hubert Türich.
Interessante Forschungsergebnisse liefert die Waldabteilung Mönchsholz: Der Wald bleibt nach dem Sturm Kolle sich selbst überlassen, darüber sprechen vor Ort (von links) Bernhard Kühnel, Oliver Kröner, Georg Rath, Wilhelm Schmalen und Hubert Türich. Foto: Regina Vossenkaul

Die zweite Station, der Körperschaftswald von Eyershausen, Abteilung Hünlich, zeigt die traditionelle Art der Waldwirtschaft. Vor Ort erklärten zweiter Bürgermeister Philipp Sebald und Michael Krämer die Besonderheiten des Mittelwalds, der jeweils 30 Jahre wachsen darf und dann von den Holzrechtlern genutzt wird. Durch das VNP wird hier unterstützt, dass durch den Wechsel von Bewuchsdichte und Lichtverhältnissen viele Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum finden und teilweise mit der Nutzung "mitwandern".

Fauna und Flora: Raritäten im Körperschaftswald

Raritäten wie Diptam und Orchideen hat Krämer beobachtet, ebenso den Ziegenmelker. Man kann sich allerdings nicht nur auf den Stockaustrieb und die Naturverjüngung verlassen, es müssen auch Baumarten nachgepflanzt werden, das geschieht im Rechtlerwald von Eyershausen. Die Jäger müssen wegen des Wildverbisses mitziehen, denn die frischen Triebe nach der Nutzung schmecken den Rehen besonders gut.  

Biotop- und Totholzbäume konnte man im Stadtwald, Abteilung Hausschlag sehen. Die gekennzeichneten Stämme sind während ihrer Zerfallsphasen für unterschiedliche Lebewesen interessant, sie bieten unter anderem Höhlenbrütern wie Specht, Käuzchen und Hohltaube ein Zuhause, Spalten und Rindenabsprünge beherbergen auch Fledermäuse. Die Bäume dürfen eines natürlichen Todes sterben, was je nach Holzart und Mikroklima unterschiedlich dauert. Für den Nutzungsausfall gibt es auch hier eine Entschädigung aus dem VNP.

Neues Biotop soll den Wildtieren auch als Tränke dienen

Letzte Station war ein neu geschaffenes Feuchtbiotop, das nicht nur Lebensraum für Insekten und Amphibien bietet, sondern in Trockenzeiten Tränke für viele Tierarten ist. Der Landschaftspflegeverband hat diese Maßnahme gefördert, die auf eine Projektarbeit der ehemaligen Forstanwärterin Miriam Jantur zurückgeht. Der kleine See mit sehr flachen Ufern, der sich jetzt über dem tonigen Boden mit Wasser füllen kann, soll an den Walderlebnispfad angeschlossen werden und ihn bereichern. Pionierarten werden sich dort zunächst ansiedeln, in einigen Jahren wird das Areal kaum wiederzuerkennen sein.

Anträge für Maßnahmen innerhalb der VNP können beim zuständigen Revierförster oder beim Forstamt gestellt werden, die dann gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde zustimmt oder ablehnt. Wichtig ist, dass in der ganzen Region Rückzugsgebiete für gefährdete Arten entstehen, die wie Trittsteine die unterschiedlichen Bedürfnisse abdecken und zur Artenvielfalt beitragen. Im Jahr 2018 wurden 4,1 Millionen Euro an Fördermitteln aus dem VNP ausbezahlt, davon 120 000 Euro an Waldbesitzer in Rhön-Grabfeld.

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