BAD NEUSTADT

Damit das Landleben wieder attraktiv wird

In der Bauphase: Nicht unumstritten wegen der Kostensteigerungen war das Bruder-Franz-Haus in der Bauphase, wie auf unserem Archivbild vor fünf Jahren. Inzwischen ist es ein Vorzeigeobjekt des Regionalmanagements.
In der Bauphase: Nicht unumstritten wegen der Kostensteigerungen war das Bruder-Franz-Haus in der Bauphase, wie auf unserem Archivbild vor fünf Jahren. Inzwischen ist es ein Vorzeigeobjekt des Regionalmanagements. Foto: Barbara Hippeli

Ursula Schneider und Cordula Kuhlmann sind seit zehn Jahren in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld unterwegs. Als Regionalmanagerinnen halfen sie im Rahmen der EU-Förderinitiative Leader mit, 120 Projekte zum Leben zu erwecken. Und es sollen noch mehr werden. Die finanzielle Unterstützung der EU für das Regionalmanagement ist aber Ende 2012 ausgelaufen.

Doch offenbar ist den Kreisverantwortlichen klar, wie wichtig die Arbeit der Regionalmanagerinnen ist. Schneider wird ab Januar vom Kreis Rhön-Grabfeld übernommen, Kuhlmann vom Kreis Bad Kissingen.

Die Rhön-Regionen gemeinsam voranzubringen, war um die Jahrtausendwende das Ziel, als die beiden Rhön-Landkreise Entwicklungsgutachten in Auftrag gaben. 2003 beschlossen sie, ein gemeinsames Regionalmanagement zu beauftragen, das mit EU-Mitteln bis heute finanziert wurde. Ende 2012 ist mit der Förderung jedoch Schluss.

Dass man diese „Managertätigkeit“ in Sachen Rhön auch künftig braucht, wurde schon im März 2012 im Bad Neustädter Kreisausschuss durchdiskutiert. Dort war man sich jedoch schnell einig: Die Fachfrauen waren fleißig, man konnte in der Rhön einiges erreichen. Ohne die beiden Managerinnen wären die zahlreichen Leader-Aktionen auch gar nicht mehr zu organisieren und zu verwalten, hieß es in der Sitzung.

„Wir haben im Frühjahr eine sehr positive Bilanz gezogen“, sagt der im Landratsamt zuständige Oberregierungsrat Manfred Endres auf Anfrage der Main-Post. Schnell sei man zu dem Entschluss gekommen, dass man, will man die Verwaltung der Leader-geförderten Projekte auch künftig ernst nehmen, eine ganze Stelle für das Regionalmanagement beim Landkreis ansiedeln muss.

Die Bilanz der Regionalmanagerinnen sieht sehr gut aus, wie Kuhlmann im jüngsten Kreisausschuss darlegte. Durch die im Rahmen des Regionalmanagements organisierten Projekte kam immerhin die stattliche Investitionssumme von 10,06 Millionen Euro zusammen, davon flossen allein 5,54 Millionen Euro aus dem Leader-Fördertopf. Umgerechnet auf die Einwohner der beiden Landkreise bedeutet das pro Kopf eine Investitionssumme von 53,76 Euro und 29,60 Euro an Fördermitteln.

Was die mit EU-Mitteln geförderten Projekte angeht, ist das museumspädagogische Zentrum, das im Freilandmuseum Fladungen angesiedelt ist, laut Endres eines der bedeutendsten. Auch das Bruder-Franz-Haus am Kreuzberg gehört in diese Wertung. Kreisübergreifend sind nach Ansicht des Oberregierungsrats zum Beispiel der Museumsverbund und das Saale-Musicum-Spektakel wegweisend für die Zukunft.

Im kommenden Jahr 2013 wird Im Landkreis das Entwicklungskonzept für die neue Leader-Förderperiode im Mittelpunkt des Interesses stehen, sagt Endres. Denn Ende 2013 laufen bestehende Projekte aus, neue müssen erdacht und beantragt werden. Die Leader-Aktionsgruppe des Kreises ist also gefordert. Das neue Kreis-Entwicklungskonzept wird wohl Anfang 2014 in München eingereicht.

Schneider freut es jedenfalls sehr, dass ihre „zehn Jahre Probezeit“ zu Ende sind. „Es ist eine schöne Perspektive“, sagt die 48-Jährige Wahl-Geckenauerin und hebt hervor, dass ihr dabei das „Vertrauensverhältnis zu den Akteuren“ sehr wichtig ist. Ihrer Ansicht nach ist es für die Kreise eine „Investition, die sich lohnt“, denn sie müssen zwar eine neue Stelle finanzieren. Dafür fließt jedoch über Leader ein Vielfaches an Fördermitteln zurück in den Landkreis.

Auch im Rahmen des Regionalmanagements müsse man sich künftig mit den Auswirkungen des demografischen Wandels beschäftigen und weiter versuchen, junge Familien nach Rhön-Grabfeld zu bringen. Die Menschen sollen wieder gern hier auf dem Land wohnen, sagt Schneider. Dazu gehören freilich Arbeitsplätze. Deshalb müsse die Region auch für Wirtschaftsunternehmen wieder interessanter werden.

Diplom-Biologin Schneider selbst ist ein gutes Beispiel dafür, dass man das Landleben auch als Städterin lieben lernen kann. In den vergangenen zehn Jahren war sie in Oberelsbach tätig und pendelte zwischen dem Rhöner Ort und Bamberg hin und her. Vor kurzem kaufte sie sich eine alte Mühle in einem ganz kleinen Rhöner Ort. Sie persönlich glaubt, dass der „Run“ irgendwann wieder zurück in die Dörfer geht, weil man hier günstiger lebt als in der Stadt und weil man mit dem Computer auch von hier aus in die Welt starten kann.

Ursula Schneider
Ursula Schneider Foto: G. Fischer
Hat sich bewährt: Das Regionalmanagement der Rhön-Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld wurde bislang mit EU-Mitteln finanziert. Jetzt übernehmen die Landkreise die Verantwortung. Unser Archivbild zeigt die Akteure bei der Auszeichnung zur „Region des Jahres 2010“ in München, (von links) Landrat Thomas Habermann, die Regionalmanagerinnen Ursula Schneider, Cordula Kuhlmann und Mandy Schiller sowie Staatssekretärin Katja Hessel und der Kissinger Landrat Thomas Bold.
Hat sich bewährt: Das Regionalmanagement der Rhön-Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld wurde bislang mit EU-Mitteln finanziert. Jetzt übernehmen die Landkreise die Verantwortung. Unser Archivbild zeigt die Akteure bei der Auszeichnung zur „Region des Jahres 2010“ in München, (von links) Landrat Thomas Habermann, die Regionalmanagerinnen Ursula Schneider, Cordula Kuhlmann und Mandy Schiller sowie Staatssekretärin Katja Hessel und der Kissinger Landrat Thomas Bold. Foto: Ministerium

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