OBERELSBACH

Damit ermordete Oberelsbacher Juden nicht vergessen werden

Diese Tafel an der früheren Synagoge von Oberelsbach erinnert an die ehemalige jüdische Gemeinde im Dorf. Mit der Beteiligung der Gemeinde am „Denkort Aumühle“ soll ebenfalls ein Beitrag geleistet werden, dass die im Dritten Reich ermordeten jüdischen Oberelsbacher nicht vergessen werden.
Diese Tafel an der früheren Synagoge von Oberelsbach erinnert an die ehemalige jüdische Gemeinde im Dorf. Mit der Beteiligung der Gemeinde am „Denkort Aumühle“ soll ebenfalls ein Beitrag geleistet werden, dass die im Dritten Reich ermordeten jüdischen Oberelsbacher nicht vergessen werden. Foto: Thomas Pfeuffer

Ob das als gutes Omen gewertet werden darf? Es war die erste Sitzung im hochmodernen, neuen Sitzungssaal des Oberelsbacher Rathauses, zu der sich der Gemeinderat jetzt traf. Und bis auf kleinere Probleme mit der Präsentationstechnik verlief sie reibungslos und regelrecht harmonisch. Am Ende gab es sogar einen Blumenstrauß für Bürgermeisterin Birgit Erb. Das allerdings hatte weniger mit der Sanierung des Rathauses zu tun, als mit der Tatsache, dass zweiter Bürgermeister Klaus Spitzl der Bürgermeisterin damit zur Verleihung der Kommunalen Verdienstmedaille gratulierte.

Zuvor hatte das Ratsgremium allerdings ein ernstes Thema zu behandeln: Beteiligt sich die Marktgemeinde am Projekt „Denkort Aumühle“, mit dem der ermordeten Juden aus Unterfranken gedacht werden soll? Kreisheimatpfleger Reinhold Albert, Mitglied der gleichnamigen Initiative, stellte dem Ratsgremium das Projekt vor, nachdem er in aller Kürze auf die Geschichte der Juden in Deutschland und auch in Rhön und Grabfeld eingegangen war.

Unterstützt wurde er dabei von Marktgemeinderätin Monika Eckert, die unter anderem in der Oberelsbacher Chronik die Geschichte der Oberelsbacher Juden dargestellt hat. Sie ging auf das problemlose Zusammenleben zwischen der großen jüdischen Gemeinde und den Christen in Oberelsbach ein und stellte das Schicksal mehrerer jüdischer Familien im Dritten Reich vor, deren Mitglieder entweder rechtzeitig auswandern konnten oder ermordet wurden.

Mahnmal auf dem Bahnsteig

So wurden einige von ihnen im April 1942 von Oberelsbach nach Bad Neustadt und weiter nach Würzburg gebracht. Die Züge in den Tod starteten dort vom Güterbahnhof Aumühle. Im Gedenken daran soll im Umfeld dieser letzten Station der jüdischen Mitbürger in Unterfranken ein Mahnmal entstehen.

Jede der 109 unterfränkischen Gemeinden, in denen 1933 noch Juden lebten, soll dazu beitragen, indem jeweils ein heimischer Künstler einen Koffer oder ein Gepäckstück gestaltet, das dort – versehen mit dem Namen der Heimatgemeinde – aufgestellt wird. Ein Duplikat des Gepäckstücks soll dann auch in der jeweiligen Gemeinde die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger bewahren.

Die Bitte von Reinhold Albert, der Markt Oberelsbach solle sich an dem Gedenkprojekt beteiligen, stieß im Gemeinderat auf einhellige Zustimmung. Für Bürgermeisterin Birgit Erb ist die Erinnerung an die ehemaligen Oberelsbacher, gerade auch im Hinblick auf aktuelle Diskussionen ein wichtiges Thema. Es betreffe die Geschichte des Ortes, da sei es wichtig und richtig, wenn sich die Gemeinde einbringe und einen Beitrag leiste, dass der ehemaligen Oberelsbacher gedacht und sie nicht vergessen werden. Es sei ein Zeichen, dass sich Oberelsbach zu seiner Geschichte bekennt.

Einstimmiger Grundsatzbeschluss

Im Ratsgremium wurde das nicht infrage gestellt. Es gab lediglich Nachfragen nach der Gestaltung des Gedenkortes in Würzburg sowie des Gepäckstücks und seines künftigen Standortes in Oberelsbach. Der einhellig geäußerten Forderung, dass der Oberelsbacher Beitrag von einem heimischen Künstler hergestellt werden soll, konnte die Bürgermeisterin nur zustimmen. Der Standort des Koffers in Oberelsbach soll im Zuge des anstehenden Architektenwettbewerbs „Rathausumgriff und Marktplatzgestaltung“ ermittelt werden, damit sich das Kunstwerk „harmonisch einpasst“. Wie das Gepäckstück aussehen wird, soll ebenfalls in einem Wettbewerb ermittelt werden, regte Birgit Erb an.

Entsprechend fasste der Gemeinderat einstimmig den Grundsatzbeschluss, dass sich Oberelsbach an „Denkort Aumühle“ beteigen wird. Das weitere Vorgehen soll im Gemeinderat geregelt werden.

30 Löschwichte

Einhellig fiel auch ein weiterer Beschluss aus. Nachdem das inzwischen rechtlich möglich und versicherungstechnisch wesentlich günstiger ist, soll in jedem Ortsteil unter dem Dach der jeweiligen Wehr und letztlich damit der Gemeinde eine Kinderfeuerwehr gegründet werden. Wie Oberelsbachs Kommandant Sebastian May und der für die Oberelsbacher Kindergruppe Zuständige Oliver Söder erläuterten, sollen damit schon Kinder von sechs bis zwölf Jahren spielerisch an die Feuerwehr herangeführt werden. Bei einem ersten Treffen der „Löschwichte“ hätten 30 Kinder und 14 Betreuer schon viel Spaß gehabt. Das Programm für die einmal im Monat jeweils bei einer anderen Ortsteilwehr stattfindenden Veranstaltungen läge schon bis zum Ende des kommenden Jahres vor. Im Gemeinderat gab es darüber keine Diskussion, sondern nur Lob für den Einsatz der Wehren und ihrer Helfer.

Waldtausch abgeschlossen

Schließlich hatte die Bürgermeisterin noch eine erfreuliche Botschaft für Unterelsbach mitgebracht. Nach zehn langen Jahren und sehr viel Arbeit sei der freiwillige Waldtausch dort abgeschlossen.

Erstmals trafen sich die Mitglieder des Oberelsbacher Marktgemeinderats zu einer Sitzung mit Bürgermeisterin Birgit Erb im neuen Sitzungssaal.
Erstmals trafen sich die Mitglieder des Oberelsbacher Marktgemeinderats zu einer Sitzung mit Bürgermeisterin Birgit Erb im neuen Sitzungssaal. Foto: Thomas Pfeuffer

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Oberelsbach
  • Thomas Pfeuffer
  • Birgit Erb
  • Deportationen
  • Harmonie
  • Juden
  • Klaus Spitzl
  • Mahnmale
  • Mord
  • Reinhold Albert
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!