BAD NEUSTADT

Damit es kühl bleibt in der Klinik

Vor strahlend blauem Himmel schwebt eine der Anlagen per Kran auf das Klinikdach. Foto: Sonja Demmler
Vor strahlend blauem Himmel schwebt eine der Anlagen per Kran auf das Klinikdach. Foto: Sonja Demmler

Dass es auf dem Gelände des Rhön-Klinikums und in den angrenzenden Straßen eng zugeht, ist nicht erst seit Beginn der Bauarbeiten so. Für Abhilfe wird später das neue Parkhaus mit seinen rund 900 Plätzen sorgen. Besonders eng wird es zurzeit immer dann, wenn große Baumaschinen oder Bauteile angefahren werden. So wie in diesen Tagen, als zwei Kätemaschinen und drei sogenannte Rückkühlanlagen auf das Dach des Akut-Bereichs gehoben wurden.

Für die Rückkühlwerke allein ist nach Auskunft von Projektleiter Markus Lang ein spezieller 400-Tonnen-Kran im Einsatz – mit einem Ausleger von über 60 Metern. Für die beiden Kältemaschinen ist dann noch ein weiterer Kran nötig. Denn an der Baustelle des akutklinischen Bereichs stehen keine Baukräne mehr, die die Aggregate auf das Dach heben könnten. Diese stehen inzwischen an der Baustelle für den ambulanten Bereich des künftigen Campus'.

Zwei Kältemaschinen

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Rhön-Klinikum Campus

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Bei den zwei Kältemaschinen auf dem Dach handelt es sich um hocheffiziente Turbo-Flüssigkeitskühler. Die Geräte mit einem elektrischen Anschlusswert von jeweils 220 Kilowatt schaffen eine Betriebskälteleistung von je 1200 Kilowatt. „Das heißt, aus einem Kilowatt Strom werden sechs Kilowatt Kälte“, erklärt Lang. Die beiden Maschinen erzeugen die Kälte für die Kühlung der radiologischen Großgeräte und für die EDV. Sie sorgen außerdem für die Kühlung der Operationssäle und der belüfteten Bereiche wie Intensivstation oder Intermediate Care. Außerdem leiten sie die sogenannte Prozesswärme – zum Beispiel aus der Versorgungsstelle für Sterilgut oder der Küche – ab. Die Anlagen sind laut Lang redundant ausgelegt. Wenn also eine der Anlagen ausfällt, ist die Kälteversorgung trotzdem durch die andere sichergestellt.

Drei Rückkühlwerke

Von den außerdem installierten drei Rückkühlwerken haben zwei eine ganz einfache Aufgabe. Sie sind dafür zuständig, die anfallende Wärme von den Kältemaschinen einfach über das Dach in die Umgebung abzuleiten. Für eine effiziente Nutzung dieser Wärme ist der Anfall zu gering, erklärt Lang. Jede der beiden Anlagen ist 13,5 Meter lang, 2,5 Meter breit und fast drei Meter hoch. Betriebsgewicht: 8900 Kilogramm.

Kühler Beton

Der dritte Rückkühler hat dagegen eine ganz andere Aufgabe. Er versorgt in der Sommerzeit nachts die sogenannte Betonkernaktivierung des Bauwerks mit Kälte. Die Betonkernaktivierung ist das System, mit dem die Patientenbereiche temperiert werden. Um auch bei extremen Außentemperaturen die Patientenbereiche kühlen zu können, wird Wasser eingesetzt. Dieses wird in einem sogenannten Adabiaten System versprüht, um die Verdunstungskühlung zu nutzen.

Die Betonkernaktivierung funktioniert im Sommer ähnlich wie eine Fußbodenheizung. Nur wird in diesem Fall gekühlt, nicht geheizt. Dafür verlaufen in den Betondecken des Gebäudes Leitungen, in denen Wasser zirkuliert, das seine Kühle vom Rückkühlwerk bezieht. Ähnlich wie bei der Fußbodenheizung wirkt der Beton dabei als Speicher. Er nimmt nachts die Kühle auf, gibt sie tagsüber ab und sorgt so für ein angenehmes Raumklima.

Verdunstung

In der kalten Jahreszeit hat der dritte Rückkühler eine andere Aufgabe. Ab einer Außentemperatur unter etwa fünf Grad übernimmt er die Funktion der beiden Kältemaschinen. Er versorgt dann die zu kühlenden Bereiche der kompletten Klinik über die sogenannte „Frei Kühlung“ mit der nötigen Kälte. Diese Kälte muss dann nicht extra erzeugt werden, sondern wird direkt aus der Außenluft entnommen. „Frei Kühlung“ ist die effektivste Form der Kälteerzeugung, erklärt Lang. Die Kältemaschinen sind dann außer Betrieb. Das dritte Rückkühlwerk hat eine ähnliche Größe und ein ähnliches Gewicht wie die beiden anderen.

„Aus einem Kilowatt Strom werden sechs Kilowatt Kälte.“
Markus Lang, Projektleiter
Auf dem Dach werden die Anlagen, die zur Kühlung der Klinik dienen, montiert. Foto: Sonja Demmler
Auf dem Dach werden die Anlagen, die zur Kühlung der Klinik dienen, montiert. Foto: Sonja Demmler
Tonnenschwere Aggregate für die Kühlung des künftigen Rhön-Klinikum Campus' heben zwei Kräne auf das Dach des Akutbereichs. Foto: Sonja Demmler
Tonnenschwere Aggregate für die Kühlung des künftigen Rhön-Klinikum Campus' heben zwei Kräne auf das Dach des Akutbereichs. Foto: Sonja Demmler

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