BAD NEUSTADT/NORDHEIM

Das E-Bike verdrängt das Fahrrad

Bike Point Rhön Akku E-MTB
Systemintegration ist das Stichwort. Akkus und Motoren von E-Bikes werden immer kleiner.

Während der Elektroantrieb bei Automobilen noch weit hinter den avisierten Zielen zurück hinkt, ist beim Fahrrad die elektromobile Entwicklungsstufe schon längst überschritten. In naher Zukunft wird jedes zweite verkaufte Fahrrad einen elektrischen Zusatzantrieb haben. Tendenz steigend.

Vor 200 Jahren drehte jener berühmt gewordene Erfinder Karl Freiherr von Drais mit einem hölzernen Laufrad seine ersten Runden in Karlsruhe. Der Beginn einer neuen Mobilität der Menschheit. Heute findet sich das Fahrrad rund um den Globus und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Zurzeit durchlebt das fast zwei Jahrhunderte von Muskelkraft angetriebene Zweirad jedoch einen grundlegenden Wandel.

Das E-Bike erkämpft sich Jahr für Jahr größere Marktanteile

Das Zauberwort heißt: E-Bike. Ein Elektromotor sorgt beim Treten für Kraftunterstützung beim Fahren. Und nur dann. Das bedeutet, dass man schneller unterwegs ist. Oder länger fahren kann. Oder länger schneller fahren kann. Das E-Bike – bis vor ein paar Jahren noch als Fahrzeug für das etwas gesetztere Publikum gedacht – erkämpft sich Jahr für Jahr größere Marktanteile. Derzeit im zweistelligen Prozentbereich.

„Das E-Bike ist nicht die Zukunft des Fahrrades“, ist sich Michael Hippeli sicher. „Es ist die Gegenwart!“ Mehr als die Hälfte, wenn nicht sogar zwei Drittel seiner im Cube Store in Nordheim verkauften Fahrräder haben einen Akku und einen Hilfsmotor dabei. „Es gibt mittlerweile viele Kunden, die fragen nicht mal mehr nach einem „normalen“ Fahrrad“, sagt Hippeli.

Die Ladezeiten werden immer kürzer

Vor allem verfliegt immer mehr die Angst vor einem leeren Akku auf der Radtour. Die Energiespeicher werden immer leistungsfähiger, die Ladezeiten immer kürzer. Sollte die Tour doch mal länger dauern, das kleine Schnellladegerät passt problemlos in die Satteltasche. Während der Kaffeepause wird der Akku für den Rest der Strecke wieder aufgeladen. „Der Hype um die Ladestationen, die heute noch überall errichtet werden, dürfte bald vorbei sein“, ist sich Michael Hippeli sicher. Ladestationen werden in wenigen Jahren gar nicht mehr benötigt werden.

Bernhard Wolf vom Bike-Shop Der Wolf in Bad Neustadt setzt – neben dem sportlichen Fahrrad – ebenfalls verstärkt auf E-Bikes. Auch er vermutet, dass in wenigen Jahren die Hälfte der in seinem Fahrradgeschäft verkauften Räder einen Elektromotor dabei haben. „Bei vielen Kunden kommt durch das E-Bike auch die Lust aufs Radfahren zurück“, sagt Wolf. Regelmäßig längere Strecken fahren hält fit und das Elektrofahrrad macht die ganze Tour nicht gar so anstrengend.

Große Stückzahlen

Komplett auf das E-Bike setzt das Autohaus Gaul und Klamt. Vor einigen Jahren hatte Jürgen Gaul die Idee, seinen Kunden ein Elektrofahrrad mitzugeben, wenn das Auto zum Service muss. Diese Idee hat so sehr eingeschlagen, dass Gaul mittlerweile E-Bikes in reicher Stückzahl verkauft. Wenn in Kürze der Neubau seines Autohauses fertiggestellt ist, wird er das alte Domizil nicht schließen. Statt Ford und Mustang wird es dort künftig E-Bikes zu kaufen geben. Und nur E-Bikes.

Zum Elektrofahrrad gehört natürlich ein passender Computer. Beim Fahren sollen die Radfahrer über die Ladekapazität des Akkus genauso informiert werden wie über die aktuelle Geschwindigkeit, die zurückgelegte Strecke und vieles mehr. Zum Beispiel auch, wo es überhaupt lang-geht. Doch der Navigation im Fahrradcomputer räumt Bernhard Wolf keine allzu große Zukunft mehr ein. „Das können Smartphones heute genauso gut“, sagt er. Trotzdem gehört der Computer zum Radfahren einfach dazu.

Der Computer fährt mit

Allein schon, wie Michael Hippeli aufzeigt, um auszurechnen, wie viele Bäume man mit der umweltfreundlichen Fortbewegung auf dem Elektrofahrrad gerettet hat. Zukünftig wird der Fahrradcomputer aber nur noch der verlängerte Arm des Smartphones sein. Dort sind alle Wegepläne, aber auch Gesundheitsdaten und vieles mehr gespeichert und können über eine Cloud mit dem Radcomputer synchronisiert werden.

Dem Gesundheitsaspekt des E-Bike-Fahrens räumt Walter Raab einen immensen Stellenwert ein. „Das Fahren im Grundlagenausdauerbereich ist mit dem E-Bike im Training viel besser und effektiver möglich“, sagt der Inhaber des Radhauses in Bad Neustadt. Raab sieht derzeit den Trend zum sportlichen E-Bike und vor allem zur Systemintegration. Elektromotor und Akku werden immer kleiner und leistungsfähiger. „Bald wird man auf den ersten Blick gar nicht mehr zwischen einem E-Bike und einem normalen Fahrrad unterscheiden können“, ist sich Walter Raab sicher. Karl Freiherr von Drais hätte seine helle Freude gehabt.

Bike Point Rhön MIchael Hippeli
Aus dem Cube Bike Store von Michael Hippeli fahren heute schon mehr E-Bikes als „normale“ Fahrräder. Foto: Stefan Kritzer

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