BAD NEUSTADT

Das Gesicht der Öko-Modellregion

Glückliche Kühe: Seit über 20 Jahren bewirtschaftet Karl-Heinrich Weber seinen Hof in Wülfershausen als Bio-Betrieb. Wenn es nach dem Projektmanager der Öko-Modellregion geht, sollen künftig möglichst viele Landwirte Webers Beispiel folgen und Bio-Produkte produzieren. Foto: Renninger

Im Mai vergangenen Jahres verlieh der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner Rhön-Grabfeld den Titel Öko-Modellregion, seit Januar dieses Jahres hat der Titel nun auch ein Gesicht: Der 27-jährige Kai Schmidt aus dem Mellrichstädter Stadtteil Mühlfeld soll als Projektmanager die kommenden zwei Jahre den Titel Öko-Modellregion mit Leben füllen.

Neben Rhön-Grabfeld erhielten sechs weitere Gemeindebündnisse vom Landwirtschaftsminister besagte Auszeichnung, darunter die Interkommunale Allianz Oberes Werntal in den Kreisen Schweinfurt und Bad Kissingen und die Allianz Waldsassengau im Kreis Würzburg. Mit dem Titel ging die Bewilligung der Förderung eines Projektmanagers einher: Mindestens zwei Jahre lang gibt es einen Zuschuss von 75 Prozent der Personalkosten.

Kai Schmidt ist selbst in Mühlfeld auf dem elterlichen Hof als Nebenerwerbslandwirt im Bereich Ackerbau tätig. Studiert hat er in Stuttgart und Göttingen Agrarwissenschaften. Seine Hauptaufgabe als Projektmanager werde es sein, die Bio-Produktion im Landkreis weiter voranzubringen, sagt er.

Bayernweit soll diese bis zum Jahr 2020 verdoppelt werden. Dieses Ziel hat sich die Staatsregierung mit der Initiierung des bayerischen Landesprogramms BioRegio Bayern 2020 gesetzt. Die heimische Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln soll damit künftig stärker aus regionaler Produktion gedeckt werden.

Rund 100 Öko-Betriebe und 34 Hybridbetriebe gibt es derzeit schon in Rhön-Grabfeld, damit sind circa neun Prozent der Landkreisfläche biologisch bewirtschaftet. „Wir sind damit schon überdurchschnittlich gut“, bewertet Wirtschaftsförderer Jörg Geier diese Zahlen. An seine Stabsstelle Kreisentwicklung wurde die Stelle des Projektmanagers der Öko-Modellregion letztlich angedockt.

Geier will Schmidt und sich nicht unter Zahlendruck setzen. Ob 2020 tatsächlich 20 Prozent der Fläche ökologisch bewirtschaftet werden, will er erst einmal offen lassen. „Das ist die Frage, ob wir in vier Jahren so exorbitant erhöhen können.“

Sicher ist: Schmidt wird viel kommunizieren müssen in seiner Funktion als Projektmanager. Denn seine Aufgabe ist es auch, die vorhandenen Akteure zusammenzubringen und bereits existierende Strukturen weiterzuentwickeln.

In der Region ansässig sind ja bereits zahlreiche erfahrene Öko-Erzeuger und engagierte Verarbeiter. Mit ihnen zusammen soll an der Verbesserung der Verarbeiterstruktur, der Vermarktung, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der „Dachmarke Rhön“, und an der Förderung des Einsatzes von Öko-Produkten in Gastronomie, Hotellerie und Kantinen gearbeitet werden. Auch die Information und Bewusstseinsbildung von Landwirten, Verarbeitern und Vermarktern, aber auch von Bevölkerung und Tourismus sind wichtige Bausteine des Maßnahmenkonzeptes der Öko-Modellregion.

Sicher ist: An Ideen fehlt es in Rhön-Grabfeld nicht.

Als Beispiele nennen Schmidt und Geier diverse konkrete Maßnahmen, die schon an- und weitergedacht wurden wie die Errichtung einer mobilen Käserei, eine Zusammenarbeit mit dem Biohotel Sturm in Mellrichstadt als potenziellem Großkunden und Multiplikator, das Angebot eines Biomenüs im Rhön–Klinikum, die Inbetriebnahme einer Mühle als Weiterverarbeitungsmöglichkeit für Biogetreide.

Für diese und andere im Bewerbungskonzept formulierten Maßnahmen gelte es nun, Projektträger zu definieren, so Schmidt. Träger und Verantwortliche, mit denen man die „guten Ideen“ umsetzen könne. Die erste größere öffentliche Veranstaltung der Öko-Modellregion Rhön-Grabfeld ist für Ende April geplant: ein Vortrag von Felix Prinz zu Löwenstein, einem bekannten Agrarwissenschaftler und Biolandwirt, für Landwirte und andere Interessierte. Derzeit sucht Schmidt noch nach geeigneten Räumlichkeiten. Den Referenten kontaktierte er übrigens auf Anregung eines Biolandwirts hin. „Genau darum geht es“, erläutern Schmidt und Geier noch einmal die Rolle des Projektmanagers: Er sammle und koordiniere Ideen und Anregungen, wolle Schnittstelle sein und Akteure in Verbindung bringen.

Wer Anregungen rund um das Thema Öko-Modellregion hat, kann sich ab Montag, 29. Februar, mit Kai Schmidt in Verbindung setzen, Tel. (0 97 71) 94 308.

Kümmern sich um die Öko-Modellregion: Projektmanager Kai Schmidt (rechts) bekommt Unterstützung von der Stabsstelle für Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderer Jörg Geier (links). Foto: Renninger

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