MELLRICHSTADT

Das Licht der Welt aus Mellerscht

Anerkennung: Diesen Sonderstempel hatte die Deutsche Post zu Ehren von Martin Pollich herausgegeben. Er konnte bei der Festfeier zu seinem 500. Todestag am MPG erworben werden. Foto: Fred Rautenberg

Der vergangene Freitag, den Schule und Stadt dem bedeutenden Gelehrten Martin Pollich gewidmet hatten, wurde gekrönt von einem Festvortrag über den größten Sohn der Stadt, den Studiendirektor Stefan Wintersteiner hielt. Unter dem Titel „Martin Pollich und seine Zeit“ blickte Wintersteiner anlässlich des 500. Todestags des Humanisten auf sein Leben und Wirken zurück.

Der stellvertretende Landrat Helmut Will erinnerte zunächst daran, dass sich Bürgermeister Oskar Herbig seinerzeit nachdrücklich für den Namen „Martin-Pollich-Gymnasium“ eingesetzt hatte. Mit der Generalüberholung des MPG hat der Landkreis nun in die Zukunft investiert. Will griff das vom langjährigen Schulchef Rudolf Goy einst geprägte Schulmotto auf: „Lerne alles, und du wirst später sehen, dass nichts überflüssig war“ und wandelte es ab in „Zahle alles und du wirst sehen, dass …“

Mit seinem geschliffenen, akademischen Vortrag leistete Wintersteiner anschließend einen bedeutsamen Beitrag zum Verständnis von Martin Pollich, seiner Leistung als Gelehrter und zu seinem Leben allgemein. In den Vortrag flossen eigene Forschungen von Wintersteiner ein, indem er auf bisher wenig oder gar nicht beachtete Quellen zurückgriff. Als besonders ergiebig hatte sich die in Latein verfasste Biografie von Friedrich Boerner von 1751 erwiesen, die von zwei Schülern des Gymnasiums, Angelika Blum und Karim Yefsah, ins Deutsche übersetzt und von Wintersteiner ergänzt worden war. Diese Biografie mit dem Titel „De Vita et Meritis Martini Polichii Mellerstadtii“ lag den Besuchern auch als Festschrift zum Kauf vor.

Die früheste Erwähnung Pollichs stammt aus Leipzig, wo sich der junge Mellrichstädter 1470 als Student an der Universität eingeschrieben hatte. Seine Heimatstadt hat Pollich dann vermutlich nie wiedergesehen. 1476 erwarb er den Doktortitel der freien Künste, was dem heutigen Titel des Professors entspricht. Mit knapp 30 Jahren wird Pollich der Leibarzt des Kurfürsten Friedrich des Weisen. In dieser Zeit entstehen seine ersten wissenschaftlichen Werke. Er erkennt als einer der Ersten, dass das Wetter nicht von Gottes Gnade oder Zorn abhängt, sondern ein erklärbares Naturphänomen ist.

Schließlich wird die Medizin zu einem Mittelpunkt in Pollichs Leben. Zwei wissenschaftliche Werke dieser Art markieren diese Zeit. Aber, und das war ungewöhnlich, er „half auch am Krankenbett“ und betonte die Notwendigkeit, medizinische Theorie und Praxis miteinander zu vereinen. Mit seiner Unterstützung anatomischer Studien legte er einen Meilenstein zur modernen Medizin.

Pollich wird um 1501 in einen wissenschaftlichen Streit über den Ursprung der Syphilis verwickelt, indem er nicht die Konstellation der Planeten für die Krankheit verantwortlich machte, sondern Wege zur rationalen Bekämpfung der Seuche wies. Er musste deswegen gleichwohl die Universität von Leipzig verlassen und ging an den Hof des sächsischen Kurfürsten Friedrich. Als vom Kaiser der Wunsch ausging, mehr im Deutschen Reich für die Bildung zu tun, setzte sich Pollich energisch für den Standort einer neuen Universität in Wittenberg ein. Konsequent, dass er auch deren erster Rektor wurde. Um diese Zeit erhielt er auch den Beinamen „lux mundi“ („Licht der Welt“), besonders seit er, fast 50 Jahre alt, den dritten Doktortitel und die zweite Professur in Theologie erworben hatte. Pollich machte mit seinem Bekenntnis zum Humanismus die Wittenberg'sche Universität zu einer der modernsten und bedeutendsten Universitäten seiner Zeit. „Wittenberg schrieb mit Luther und Melanchthon kurz nach seiner Gründung schon Weltgeschichte“, hob Wintersteiner hervor. Da Pollich die Bedeutung Luthers frühzeitig erkannt hatte und den jungen Mönch förderte, darf Pollich auch als ein Vorläufer der Reformation angesehen werden. Der Reformator hat Professor Pollich „als Verwandten im Geist“ bezeichnet.

Pollich geriet später weitgehend in Vergessenheit, auch in seiner Geburtsstadt, bis Helmut Schlereth 2001 seine Doktorarbeit über Martin Pollich veröffentlichte. Wintersteiner würdigte das Werk Pollichs aus seiner profunden Kenntnis dieses Mannes: „Er hat den Grund gelegt, dass die ganz Großen die ganz Großen werden konnten.“ Didaktische, medizinische und philosophische Werke hatte er hervorgebracht. Martin Pollich starb am 27. Dezember 1513 in Wittenberg.

Martin Pollich und seine Zeit: Stefan Wintersteiner hielt am MPG einen fulminanten Festvortrag.

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