BAD KÖNIGSHOFEN

„Das Schlimmste ist die Hilflosigkeit“

Nach wie vor streiten Experten über die Frage, ob Mobilfunk-Strahlen tatsächlich schädlich sind oder nicht. Von „harmlos“ bis „höchst bedenklich und gefährlich“ differieren die Meinungen der Fachleute und jede Seite hat gute Gründe und diverse Gutachten auf ihrer Seite.
Strahlende Aussichten: Dachlandschaften wie diese (Bild wurde nicht in Bad Königshofen aufgenommen) gehören zum Stadtbild und pulsen ihre Wellen ins Land. Strahlung, die man nicht riecht, nicht hört und nicht schmeckt, die aber nach der festen Überzeugung Betroffener dennoch erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge haben kann. Foto: FOTO Obermeier

Für Hiltrud und Leonhard Ramsauer, die am Hohen Markstein in Bad Königshofen leben, gibt es auf diese Frage nur eine Antwort – „Ja, Mobilfunk-Strahlen machen krank“, denn Hiltrud Ramsauer ist überzeugt, dass ihre Gesundheit deutlich gelitten hat, seit auf dem Fabrikschlot an der Nordumgehung die neue UMTS-Technik installiert wurde.

„Ich war immer ein lebensfroher Mensch“, berichtet die 59-Jährige, bis in der ersten Jahreshälfte 2006 schlagartig Schlaflosigkeit und Probleme mit der Schilddrüse bei ihr auftraten. „Zu diesem Zeitpunkt wussten wir gar nicht, dass überhaupt eine Mobilfunk-Anlage dort installiert war“, so Hiltrud Ramsauer.

„Auffällig war nur, dass ich im Urlaub oder wenn ich unterwegs war, plötzlich wieder gut schlafen konnte“, erinnert sie sich. Nur zu Hause, im Eigenheim, litt sie bald schon auch an Herz- und Narbenschmerzen. „Ich war früher viel im Garten, aber plötzlich war es mir nicht mehr möglich, mich dort aufzuhalten“. Auch Spaziergänge im Strahlenbereich von Sendemasten gehörten der Vergangenheit an. Selbst in den Richtung Südosten und Nordosten gelegenen Räumen ihres Eigenheimes fühlte sie sich nicht mehr wohl. Alles wurde noch schwieriger, nachdem auf dem ehemaligen Kreiskrankenhaus eine neue Mobilfunkanlage installiert wurde.

Dr. Dietrich Moldan, ein Baubiologe aus Iphofen, wurde eingeschaltet und er fand durch Messungen heraus, dass die Räume in Richtung der Masten tatsächlich durch Strahlen höher belastet waren. Der Experte: „Wir haben hier die gleiche Taktung wie in Oberammergau. Dort wurden viele Menschen krank, seit auf UMTS umgerüstet wurde“ (Das Bayerische Fernsehen berichtete im Rahmen einer 45-minütigen Sendung über das Mobilfunkmasten-Problem in Oberammergau).

Erst eine Verlegung des Schlafraumes innerhalb der Wohnung entschärfte die gesundheitliche Situation etwas.

Hiltrud Ramsauer ist sich sicher: „Niederfrequent gepulste Hochfrequenzen, wie sie von Mobilfunk-Sendeanlagen mit UMTS, Handys WLAN (drahtloses Internet) und DECT-Schnurlos-Telefonen ausgehen, sind Schuld an meinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und daran, dass ich mich im eigenen Haus nur sehr begrenzt bewegen kann. Terrasse und Garten sind für mich tabu“.

Das schnurlose Telefon wurde schnell wieder abgeschafft und ein Handy haben die Ramsauers auch nicht. Mit einem großflächigen Abschirm-Zaun, bestehend aus kleinen Edelstahl-Quadraten, haben der Lehrer im Ruhestand und seine Frau ihren Balkon gegen Strahlen abgeschirmt – mit messbarem, aber nicht ausreichendem Erfolg.

Tatsächlich ergeben Messungen mit Spezialgeräten vor und hinter dem Zaun deutlich unterschiedliche Ergebnisse. „Hinterm Zaun ist die Belastung, die in Mikrowatt pro Quadratmeter gemessen wird, deutlich geringer“, so Leonhard Ramsauer, der sich extra für seine Messungen ein geeichtes Messgerät angeschafft hat. Während die Bestrahlung der normalen Netze durch das Metallgitter weitgehend absorbiert werde, könne allerdings die UMTS-Strahlung, die das eigentliche Problem sei, weiterhin ungehemmt ins Haus.

Problematische Grenzwerte

Die für Deutschland geltenden Grenzwerte werden natürlich spielend eingehalten, aber genau die seien das Problem und viel zu hoch angesetzt, so die Meinung von Familie Ramsauer. „Das ist so ähnlich, als wenn es erlaubt wäre, mit 1000 Stundenkilometern durch eine geschlossene Ortschaft fahren zu dürfen, da erwischen sie auch keinen Temposünder“, meinen die Betroffenen und haben offensichtlich ihren Humor noch nicht ganz verloren.

Der gültige Grenzwert von zehn Millionen Mikrowatt für das UMTS-Netz (9 Millionen für das E-Netz und 4,5 Millionen für das D-Netz) sei verheerend und tausendfach zu hoch.

Tatsächlich sei es so, dass die Experten rund um den Globus teilweise deutlich verschiedene Grenzwerte errechnet haben. Für die Toskana zum Beispiel wurde eine Obergrenze von gerade einmal 660 Mikrowatt festgelegt. In Salzburg hat man sich auf eine Obergrenze von nur 10 Mikrowatt geeinigt.

Jenseits aller Grenzwert-Diskussion gibt es aber offensichtlich Menschen die besonders sensibel sind für das, was sich unter dem Sammelbegriff „Elektrosmog“ zusammenfassen lässt.

„Allem kann man entkommen, nur die Strahlen, die sind überall “

Hiltrud Ramsauer über ihr Gefühl der Hilflosigkeit

„Ich denke, dass ich nicht die einzige bin in Bad Königshofen, die seit der Aufrüstung der Mobilfunk-Antennen unter plötzlich auftretender Schlaflosigkeit, Herzschmerzen, Schilddrüsen-Veränderungen und Kopfschmerzen zu leiden hat“, so Hiltrud Ramsauer. Sie glaubt dass viele Menschen im Strahlungsbereich gar nichts von der Existenz der Sendeanlagen wissen und deshalb Verschlechterungen ihres Gesundheitszustandes auf andere Faktoren zurückführen.

„Wir sind nicht generell gegen Mobilfunknetze. Aber auch mit einem Promille der gegenwärtigen Sendeleistung könnte ein Handy-Netz aufrecht erhalten werden“, so die Ramsauers. „Es mag sein, dass ein Großteil der Menschen nichts spürt von den Strahlungen, aber dennoch der Gefahr ausgesetzt ist“, so Hiltrud Ramsauer, die sich nichts sehnlicher wünscht als ein Leben ohne Strahlen. „Von allem kann man davonlaufen, nur die Strahlung ist überall – da gibt es kein Entkommen“.

„Zwangsbestrahlt“ fühlt sich die Familie Ramsauer. Ihren Balkon haben sie mit einem Drahtgitterzaun so weit wie möglich gegen Strahlen abgeschirmt. Messungen außerhalb der Abschirmung bringen tatsächlich eindeutig höhere Strahlenwerte. Normale Handy-Strahlen können durch den Draht einigermaßen absorbiert werden, die UMTS-Strahlen kommen jedoch weiterhin in die Wohnung. Foto: FOTO Helmut Glauch

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