Das Schloss Hanstein: Ein Adelssitz für wertvolle Instrumente

Das Schloss Hanstein in Ostheim beherbergt einen Schatz: 16 außergewöhnliche Orgeln erklingen hier und machen den Museumsbesuch zum Erlebnis.
Die imposante Pfeifenanlage im Orgelbaumuseum ist 5,62 Meter hoch.
Die imposante Pfeifenanlage im Orgelbaumuseum ist 5,62 Meter hoch. Foto: Jörg Schindler-Schwabedissen

Die Zeitgeschichte hat nachgeholfen. Welch ein Glücksfall für Ostheim. Und damit auch für das Schloss Hanstein – der ehemalige Rittersitz hatte Ende des 16. Jahrhunderts einen Renaissanceanbau erhalten – als prägendes Stadtschloss. Denn vor 20 Jahren wurde das steinerne Gebäude wiederum zum Adelssitz. Nämlich für die „Königin der Instrumente“, wie die Orgel seit alters her bezeichnet wird. Seit 1993 ist nun der Name des Adelssitzes zugleich Programm: Orgelbaumuseum Schloss Hanstein. Dort wird dem Besucher ein faszinierendes Wechselspiel geboten: zwischen geschichtsträchtigem Ambiente und wertvollen Instrumenten. Denn in der Orgel verbinden sich auf einzigartige Weise Musik und Kultur mit handwerklich-technischem Können.

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Im Orgelbaumuseum

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Nun gilt das Ostheimer Orgelbaumuseum in seiner Konzeption als einmalig in Deutschland. Ist es doch das einzige, das ausschließlich authentische historische Exponate zeigt. „Wir wollen den Besucher in die Welt der Orgel, der Königin der Instrumente, einführen. Er soll merken, dass die Orgel Teil der Kultur, Teil des Lebens ist“, machten sich die Gründerväter des Orgelbaumuseums zum Leitsatz. Neben Gerhard Schmidt, den beiden Ostheimer Orgelbaumeistern Horst und Günter Hoffmann zählt insbesondere auch Kirchenmusikdirektor Jürgen-Peter Schindler, ein kompetenter Organologe, zu ihnen. Zusammen entwickelten sie ein trag- und zukunftsfähiges Museumskonzept.

Von der Geschichte förmlich überrannt wurde die ursprüngliche Absicht, in das Hansteinsche Schloss ein Thüringen-Museum einzurichten. Das Stadtschloss war 1988 mit finanzieller Unterstützung des Freistaates Bayern grundlegend saniert worden, freilich unter der Auflage für die Stadt Ostheim, darin ein Museum zu betreiben. 1990 zog dann mit der Thüringischen Landsmannschaft ein Thüringisch-Unterfränkisches Kunsthandwerksmuseum in die stilvollen Räume ein – mit der Darstellung zeitgenössischer Künstler aus Thüringen als Schwerpunkt. Mit der Grenzöffnung war dann freilich ein Thüringen-Museum überflüssig, um nicht zu sagen, fehl am Platz – die Grenzen nach Thüringen waren ja gefallen.

Nach der neuen Museumsidee musste nicht lange gesucht werden. Sie bot sich quasi von selbst an: Der Orgelbau in Ostheim/Rhön blickt schließlich auf eine 400-jährige Tradition zurück. Namhafte Orgelbaumeister, wie Johann Ernst Döring, Johann Georg Markert oder die Brüder Otto und Louis Hoffmann, lebten und arbeiteten in der Stadt. Der Orgelbaubetrieb Hoffmann besteht bis heute, seit 2010 unter dem Namen Hoffmann & Schindler.

Orgeln aus Ostheimer Produktion fanden weit über die Grenzen der Rhön hinaus in ganz Deutschland Verbreitung. Als Glücksfall erwies sich dabei die „Sammelleidenschaft“ der Orgelbaufirma Hoffmann, die unermessliche Schätze in ihrem Fundus beherbergten und zur Verfügung stellten. Im Laufe der Zeit kamen dann noch viele weitere Orgeln (zum Teil als Leihgaben) dazu, und so konnte man am 18. April 1993 das Orgelbaumuseum eröffnen und Teil dieser prägenden Tradition in Ostheim werden lassen.

In den Jahren 2007 und 2008 wurde die Dauerausstellung des Orgelbaumuseums grundlegend überarbeitet – stets den Anspruch der Besucherfreundlichkeit im Blick. Sie lag und liegt der Museumsleitung besonders am Herzen: Sigruth Strobel hatte dem Museum 17 Jahre lang Leben eingehaucht, seit September 2011 setzt Jörg Schindler-Schwabedissen das Werk seines Vaters Jürgen-Peter Schindler mit großem Engagement fort.

Über vier Stockwerke mit 15 höchst unterschiedlichen Ausstellungsräumen und rund 700 Quadratmetern Präsentationsfläche erstreckt sich die Ausstellung im Schloss Hanstein. In ihrem Mittelpunkt stehen die wertvollen Orgeln, die als Originale oder kunstvolle Nachbauten den Weg ins Museum fanden. Zu den Prunkstücken der Sammlung finden sich auf modernen Schautafeln übersichtliche Informationen und ergänzende Exponate, die faszinierende Einblicke in die Technik des Orgelbaus und dessen historische Entwicklungen erlauben. Technik- und Musikgeschichte verbinden sich so zu einem großen Panorama der abendländischen Kultur.

Selbstverständlich kommt auch das Hörerlebnis nicht zu kurz: Entweder werden die Orgeln im Rahmen „klingender Museumsführungen“ gespielt oder aber die Besucher dürfen selbst tätig werden – natürlich nicht an den historischen Stücken selbst, sondern an eigens eingerichteten Hör- und Mitmachstationen.

An alle Familien und Kinder: Das Orgelbaumuseum hält für sie einen Entdeckerrucksack bereit, um die Geheimnisse der Orgel zu entschlüsseln. Die Angebote für Erwachsene sind auch nicht von schlechten Eltern: Die Stadt Ostheim bietet mit dem Orgelbaumuseum ein besonderes Ambiente für standesamtliche Hochzeiten. Auf Wunsch wird die Trauung stilvoll mit festlicher Orgelmusik umrahmt. Damit nicht genug: Ein Museumskonzert als Geschenkidee. Museumsleiter Jörg Schindler-Schwabedissen spielt dabei eine Stunde lang ein exklusives Orgelkonzert im stilvollen Renaissancezimmer bei Kerzenlicht. Terminvereinbarung (per E-Mail) unter orgelbaumuseum@ostheim.de

Als Spezialmuseum genießt das Orgelbaumuseum internationale Anerkennung. Getragen wird das Museum von einem gemeinnützigen Verein, der – unterstützt von der Stadt Ostheim, dem Landkreis Rhön-Grabfeld und dem Bezirk Unterfranken – die Darstellung der internationalen Orgelgeschichte von ihren Anfängen bis zur Gegenwart zum Ziel hat. Eine zum 20-jährigen Bestehen des Orgelbaumuseums eingespielte CD soll dazu dienen, den Besuch auch zu Hause „nachklingen“ lassen zu können.

Das Jubiläumsprogramm:

Am 18. April 1993 wurde das Ostheimer Orgelbaumuseum eröffnet. In den vergangenen 20 Jahren haben über 120 000 Besucher die Exponate bestaunt. Das Jubiläumsprogramm bietet an vier Tagen einen bunten Reigen:

Donnerstag, 18. April: Um 18 Uhr beginnt der Festakt zum Jubiläum im Rathaussaal. Prof. Christoph Hammer wird im Anschluss um 20 Uhr ein Museumskonzert im Rathaus am Sulzbacher Tangentenflügel von 1790 gestalten. Der Eintritt ist frei. Freitag,19. April: Um 18 Uhr beginnt das Museumskonzert der Stadtkapelle Ostheim und verspricht einen geselligen Abend im Schlossgarten. Der Eintritt ist frei.

Samstag, 20. April: Von 18 bis 23 Uhr heißt das Motto „Die lange Nacht der Orgel“. Ab 18 Uhr führt das Organisten-Duo Lenz aus Wiesbaden „mit vier Händen und Füßen“ durchs Orgelbaumuseum. Und um 20 Uhr sind Iris und Carsten Lenz an der Lkw-Orgel der Orgelbaufirma Hoffman & Schindler in der Markthalle im Schlösschen zu hören. Sonntag, 21. April: Um 17 Uhr liest Amelie Koenigs aus Neustädtles/Bonn aus Dantes „Göttlicher Komödie“ und inszeniert diese im Papiertheater. Die Szenen werden mit einem Videoprojektor auf eine Leinwand übertragen.

Karten gibt es unter Tel. (0 97 77) 17 43 sowie an der Museumskasse.

Museumsleiter Jörg Schindler-Schwabedissen an der Toggenburger Hausorgel.
Museumsleiter Jörg Schindler-Schwabedissen an der Toggenburger Hausorgel. Foto: Georg Stock
Das Orgelpositiv von Manderscheidt mit digitalem Bildrahmen.
Das Orgelpositiv von Manderscheidt mit digitalem Bildrahmen. Foto: Georg Stock
Eine Schautafel zur Orgeltechnik im Schloss Hanstein.
Eine Schautafel zur Orgeltechnik im Schloss Hanstein. Foto: Georg Stock

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