HÖCHHEIM

Dem Weltmarkt einheizen

Die Firma Caldatrac stellt Industrieöfen für den Weltmarkt her. Die Fertigungshalle ist energetisch hochmodern. Foto: Julia Back

Dass der Name „caldatrac“ vielen im Landkreis nichts sagt, findet Bastian Friedrich nicht schlimm. „Wir stellen ja kein Konsumgut her, das wir vertreiben müssen“, erklärt der Geschäftsführer. Dabei mischen sie mit ihren im Grabfeld hergestellten Industrieöfen auf dem Weltmarkt mit.

In Höchheim werden Industrieöfen im Niedertemperaturbereich bis 800 Grad entwickelt und gefertigt, erklärt Friedrich, der einer von fünf Gründern der Firma caldatrac ist. „Einfach gesagt, erzeugen die Öfen immer warme Luft“, so der 33-Jährige. Die Erwärmung der Luft erfolgt entweder elektrisch, durch Gas, Wasserdampf oder Thermalöl. „Wir haben aber auch schon kombiniert beheizte Öfen gebaut, sogenannte Hybriden“, sagt der 33-Jährige.

Öfen aus dem Grabfeld weltweit

Die Industrieöfen aus dem Grabfeld wurden bereits an Firmen wie Audi, BASF, Robert Bosch oder Preh geliefert und finden ihren Platz in Fabriken der gesamten Welt. „In Ghana, dem Kongo, Kasachstan, China, Mexiko oder den USA“, zählt Friedrich auf. Welch internationale Firma sich hinter den Toren zum Werksgelände befindet, ist von der Straße aus nicht zu erkennen.

Neben der Eingangstür prangt lediglich ein kleines Schild, auf dem der Firmenname zu lesen ist. „Zu Außenwerbung sind wir vor lauter Aufträgen noch nicht gekommen“, sagt Friedrich, der aus dem nahegelegenen Milz kommt.

Mit zwei Angestellten hat caldatrac 2010 angefangen, sieben Jahre später arbeiten dort 24 Mitarbeiter und drei Auszubildende, zwei weitere würden sie gerne einstellen. Die fünf Gesellschafter Bastian Friedrich, Alfred Killian, Andreas Töpfer, Silvio Triebel und Christian Michel hatten früher gemeinsam in einer Firma für Industrieofenbau gearbeitet. Zwar trennten sich ihre Wege, doch beschlossen sie Jahre später, zusammen eine eigene Firma zu gründen. Der 33-jährige Friedrich, der 44 Jahre alte Killian aus Höchheim und der 56-jährige Töpfer aus Römhild leiten caldatrac als Geschäftsführer.

Nach kurzer Zeit schrieb man schwarze Zahlen

„Wir hatten den Businessplan so konservativ ausgelegt, dass wir ein Jahr ohne Gewinn hätten leben können“, sagt Friedrich über die Anfänge des Unternehmens. Im September 2010 sind sie gestartet, im November kam der erste Auftrag, sechs Monate später schrieben sie bereits schwarze Zahlen. „Es ist seitdem eine Erfolgsstory“, so Friedrich.

Waren sie am Anfang noch bei der Firma Schindler Handhabetechnik in Bad Königshofen Untermieter, wurde es dort bald zu eng. Auf der Suche nach einer Immobilie wollten sie Bad Königshofen treu bleiben, fanden aber nichts Passendes. Nach Monaten sind sie auf das Firmengelände in Höchheim aufmerksam geworden. „Wir haben es Ende 2013 gekauft und im März 2014 mit den Umbaumaßnahmen begonnen“, erzählt Friedrich.

Der Umbau lag den Firmengründern sehr am Herzen. „Wir haben die alte Fertigungshalle entkernt, komplett neu verkleidet und energetisch saniert“, sagt Friedrich. Alles, was technisch ging, wurde in Höchheim verbaut: Dreifachverglasung, Photovoltaik, Lüftungsanlage, Wärmepumpe mit offener Brunnenwassernutzung und sogar die LED-Beleuchtung regelt sich automatisch nach Tageslichteinfall.

Was sie ihren Kunden anbieten – das wollen die Geschäftsführer von caldatrac auch selbst leben. „Wir sind Hersteller von energieeffizienten Industrieöfen. Da mussten wir zeigen, was energetisch-technisch möglich ist“, erklärt Killian. Ihre Halle sei selbst wie einer ihrer Industrieöfen, so Friedrich. Das Dämmkonzept sowie die Lüftung funktionieren ähnlich. „Ich kenne keine Fertigungshalle in Bayern, die energiefreundlicher ist“, sagt Killian. Sie verbrauchen im Jahr 14 800 Kilowatt Strom. „Damit kommt ein Einfamilienhaus nicht hin“, erklärt Killian.

Heute hat caldatrac einen Hektar Grundfläche, 850 Quadratmeter davon sind Fertigungsfläche. Dass sie in der Region geblieben sind und nicht beispielsweise nach Schweinfurt gegangen sind, bereuen sie nicht. „Industrieöfen kann man im letzten Zipfel herstellen, Hauptsache Lkws können uns vernünftig erreichen“, sagt Friedrich.

Alles geht digital

Auch im Industrieofenbau geht nichts ohne Digitalisierung. „Wir arbeiten komplett digital“, erklärt Killian den Fertigungsprozess. „Alles, was wir an Einzelteilen konstruieren, wird digital durch alle Prozessschritte bis zum fertigen Bauteil begleitet.“ Und die gesammelten Rahmendaten für die weitere Fertigung werden digital an die Zulieferer weitergegeben.

In Höchheim werden so die passenden Konzeptlösungen für die Kunden entwickelt. Der Trend geht weg vom Standardofen. „Wir stellen fast nur noch Sonderanlagen her“, sagt Friedrich. Die Öfen werden nach Bestellung hergestellt, auf Vorrat bauen sie nichts. „Jeder Ofen ist ein Unikat“, sagt Friedrich. Ab Bestellung dauert es zwischen sechs und 20 Wochen, bis der fertige Ofen geliefert werden kann, je nach Größe und Komplexität der Anlage.

Eine Standardanlage kann so groß wie ein Elektroherd sein, aber auch bis zu zwölf Meter Länge erreichen.

„Seit der Gründung haben wir etwa 400 Öfen gebaut“, erzählt Friedrich. Während ein kleinerer Standardofen um die 10 000 Euro koste, kosten die teuersten Anlagen um die 600 000 Euro. „Diese sind dann technologisch besonders anspruchsvoll“, sagt Friedrich.

Verwendet werden die Öfen zum Großteil zum Trocknen von lackierten Bauteilen. „Aber auch zum thermischen Altern von Kunststoffen, zum Erhitzen von Silikon oder Trocknen von Klebeverbindungen“, erklärt der 33-Jährige.

Potenzial erkennen und nutzen

Einzigartig macht die Höchheimer Öfen ihr Türverschluss. „Der funktioniert wie bei einer Autotür und kann einfach zugestoßen werden“, sagt Friedrich. Dies mache die Handhabung leichter als bei Öfen der Konkurrenz, die umständlich per Hebel verriegelt werden müssen. Patente halten die Höchheimer keine. „Wir halten nichts von Patentanmeldungen“, so Killian. „Das ist die einfachste Möglichkeit Mitbewerber schlau zu machen.“

„Die Aussagen bei anderen Arbeitgebern waren meist 'Das haben wir schon immer so gemacht' – das ist heute der meistgehasste Satz bei uns. Wir wollten zeigen, dass in dem Gebiet der Industrieöfen viel mehr Potenzial steckt und die Anlagen auf den Stand der Technik gebracht werden müssen“, erläutert Friedrich. Dies stellt gleichermaßen auch ihre Firmenphilosophie dar: Sie wollen zeigen, wie durch Optimierung Energie gespart werden kann. Der grüne Gedanke steht hierbei – wie bei ihrer Fertigungshalle – im Vordergrund.

Damit sie mit den Anforderungen ihrer Kunden mitwachsen können, ziehen sie alle paar Jahre ein neues Entwicklungsprojekt mit durch. „Wer rastet, der rostet“, ist sich Friedrich sicher – und das wollen die Firmengründer in Höchheim nicht.

Die drei (von links): Alfred Killian, Bastian Friedrich und Andreas Töpfer. Foto: Julia Back
Die Firma Caldatrac stellt Industrieöfen für den Weltmarkt her. Foto: Julia Back

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