Bad Neustadt

Den ÖPNV in Rhön-Grabfeld für die Zukunft gestalten

Ein Ticket von der Rhön bis Würzburg, barrierefreie Bushaltestellen, stündliche Fahrten und ein 365-Euro-Ticket: Wie der öffentliche Nahverkehr im Landkreis aussehen könnte.
Der öffentliche Nahverkehr in Rhön-Grabfeld soll in Zukunft attraktiver werden.
Der öffentliche Nahverkehr in Rhön-Grabfeld soll in Zukunft attraktiver werden. Foto: Symbolbild: Jan Woitas

Ein zentrales Thema für die Zukunft, das massiv an Fahrt aufgenommen hat, so definierte Landrat Thomas Habermann das Thema Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), mit dem sich der Kreisausschuss und der Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Kultur und Tourismus in einer gemeinsamen Sitzung umfassend beschäftigten. Die Ausschussmitglieder ließen sich über mehrere Konzepte informieren, die den ÖPNV im Landkreis attraktiver machen sollen. 

"Ein hochakzptierter ÖPNV liegt dann vor, wenn ich keinen Fahrplan mehr brauche", sagte Habermann. Der ländliche Raum brauche massive Unterstützung, um seine Netze so ausbauen zu können, dass sie angebotsbasiert und eine echte Alternative seien, forderte er.

Erweiterung des Verkehrsverbundes

Die Landkreise Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen, Haßberge, Schweinfurt, Würzburg, Kitzingen und Main-Spessart, sowie die beiden Städte Würzburg und Schweinfurt sind seit 2018 im Verbund Nahverkehr Mainfranken GmbH (NVM) zusammengeschlossen. Christopher Alm, seit dem ersten August 2019 Geschäftsführer des NVM, stellte den Verkehrsverbund vor, mit dem es möglich sein soll, mit nur einem Ticket im gesamten Verbundgebiet mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein.

Fahrgast-Analyse auf allen Linien

Gibt es nur noch einen Fahrschein für alle öffentlichen Verkehrsmittel, müssen die Einnahmen gerecht verteilt und Einbußen ersetzt werden. Dabei wird es zu einer erhöhten finanziellen Beteilung der Aufgabenträger des NVM, also der sieben beteiligten Landkreise sowie der beiden Städte, kommen, kündigte Alm an.

Für die Aufteilung der Einnahmen sei eine Untersuchung aller Linien notwendig. Insbesondere das Verhalten von Umsteigern, also Fahrgästen, die mehr als ein Verkehsmittel nutzen, sei interessant. Die Daten sollen im gesamtem Jahr 2021 erhoben werden. Der Zeitraum sei deshalb so groß gewählt, damit beispielsweise Witterungsbedingungen und Schulferien nicht ins Gewicht fallen, erklärte Alm.

Die Kosten für die Untersuchung belaufen sich auf rund zwei Millionen Euro, die durch die Aufgabenträger und die Deutsche Bahn beziehungsweise die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) zu tragen sein werden. Die Busunternehmen werden nicht betroffen sein, sagte Alm. Außerdem gibt es eine Förderung durch die Regierung von Unterfranken, eine Förderung durch den Freistaat Bayern sei wahrscheinlich.

Das 365-Euro-Ticket

Weiter ging Alm auf das 365-Euro-Ticket ein, von dem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zum ersten Mal bei seiner Regierungserklärung im September 2018 sprach: Das Ticket entspricht einer Jahreskarte, die zunächst in fünf Modellstädten, das sind München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Würzburg, eingeführt werden sollte. 

Beim ÖPNV-Gipfel im April 2019 wurde beschlossen, dass es ab September 2019 bayernweit möglich sein soll, ein 365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildende in Verkehrverbünden einzuführen. Der aktuelle Stand sei nun, dass ein 365-Euro-Ticket für Schüler und Azubis in Verkehrsverbünden ab August 2020 eingeführt wird. Es gilt als Jahresticket ganztägig im ganzen Verbundgebiet.

 

Das Mobilitätskonzept im Grabfeld

Dieter Stepner von der kobra Nahverkehrsservice stellte ein Mobilitätskonzept für das Grabfeld vor. Das Konzept solle so noch nicht umgesetzt werden und sei unter dem Gesichtspunkt "Wir trauen uns mal, wir sind mal mutig, egal was es kostet", zu betrachten, so Habermann. Zur Abstimmung über die tatsächliche Umsetzung soll es im Frühjahr 2020 kommen.

Sechs Fahrzweige könnten das Grabfeld in Zukunft verbinden, erklärte Stepner. In der Mitte Bad Königshofen als Zentrum. Die Devise dabei: "Wir präsentieren ein Premiumprodukt", erklärte Stepner. Dabei seien moderne Fahrzeuge unerlässlich, wobei bei den relativ kurzen Strecken überlegt werden müsse, alternative Antriebe zu nutzen. Bei der zu erwartenden Zahl an Fahrgästen seien maximal Midibusse mit bis zu 35 Sitzplätzen notwendig. Das Erscheinungsbild sollte einheitlich sein - 'die Farbe der Grabfeldbusse" als Erkennungszeichen fungieren, sagte Stepner.

Die Haltestellen könnten, je nach den örtlichen Möglichkeiten, als Mobilitätspunkt gestaltet werden, beispielsweise mit Fahrradbügeln oder Ladesäulen für E-Autos. Zusätzlich könnten sie als Info-Points für Bekanntmachungen und Informationen dienen.

Eine weitere Option wäre die Anschaffung von E-Paper-Displays an den Haltestellen statt eines normalen Fahrplans auf Papier, die unter anderem über einer Vorlesefunktion verfügen, erklärte Stepner. Auch sogenannte Mobilitätslotsen könnten eingestellt werden, die die Akzeptanz des ÖPNV stärken sollen. Sie sollten gezielt auf bestimmt Personengruppen, zum Beispiel Senioren, zugehen und die Hemmschwelle zum Mitfahren senken.

Nahverkehrsplan für Rhön-Grabfeld

Die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes für Rhön-Grabfeld ist ebenfalls bisher nur ein Denkmodell, erklärte Stepner. Ein Punkt des Planes: Es soll eine Aufteilung der Linien in Haupt-, Neben-, und Ergänzungsnetz geben. Das Hauptnetz verbindet dabei die Städte Bad Neustadt, Bad Königshofen, Mellrichstadt, Fladungen und Bischofsheim. Das Neben- und Ergänzungsnetz versorge dann mit einigen Abstrichen die Fläche. 

Zusätzlich ist ein Azubi-Shuttle mit vier Kleinbussen geplant, die nicht im Linienverkehr eingebunden sind.

Barrierefreiheit an Bushaltestellen

Dirk Hohmeyer, ebenfalls von der kobra Nahverkehrsservice, gab einen Einblick in den barrierefreien Ausbau von Bushaltestellen. Dabei gibt es Haltestellen-Kategorien von A bis D. Haltestellen der Kategorie A sind zentrale Verknüpfungshaltestellen, mit sogenanntem Premiumstandard beim Ausbau. Haltestellen der Kategorie D sind weniger wichtig und bekommen Minimalstandard.

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