Bad Neustadt

Der April tut, was er will?

Auch der Fensterschmuck deutet es an: Ostern ist nicht mehr weit.
Auch der Fensterschmuck deutet es an: Ostern ist nicht mehr weit. Foto: Bernd Heim

Zum kalendarischen Frühlingsbeginn noch einen kleinen winterlichen Nachschlag: Nachdem durchweg alle drei Wintermonate zu mild und schneearm waren, war der März recht sonnenscheinreich und trocken. Jetzt fragen sich viele, wie das Wetter im April wird.

Der Monatsname geht auf den altrömischen Kalender zurück und ist vom lateinischen Wort "aperire" abgeleitet, was so viel wie "öffnen" heißt. Die Altvorderen nannten ihn  „Keimmonat“ oder "Ostermond". Und nach den jahrhundertealten Witterungserfahrungen kann sich im Frühlingsmonat April das Wetter jeden Moment ändern. Gilt dieser ja sprichwörtlich wetterwendisch und launenhaft. Nicht von ungefähr spiegelt sich in den alten Wetterweisheiten die Wechselhaftigkeit des Aprilwetters, die auch an den unsteten Charakter des Menschen denken lässt.

Jahrhundertealte Wetterbeobachtungen

Seit alters her gibt es diese Wettersprüche: "Bald trüb und rau, bald licht und mild, ist der April des Menschen Ebenbild", "Aprilwetter und Frauensinn, sind veränderlich von Anbeginn" sowie "Aprilwetter und Kartenglück wechseln jeden Augenblick". Und die so genannten "Bauernregeln" fassen jahrhundertealte Wetterbeobachtungen und -erfahrungen in kurze, gereimte Sätze: "April, dein Segen heißt Sonne und Regen" bzw. "Warmer Aprilregen bringt großen Segen", "Wenn der April Spektakel macht, gibt's Heu und Korn in voller Pracht", "Bläst der April mit beiden Backen, gibt's genug zu jäten und zu hacken", "Je eher im April der Schlehdorn blüht, je früher der Bauer zur Ernte zieht", "Blüht die Esche vor der Eiche, gibt es eine große Bleiche (= trockener Sommer), blüht die Eiche vor der Esche gibt es eine große Wäsche (= verregneter Sommer)", "Nasser April - blumiger Mai", "Auf nassen April folgt ein trockener Juni", jedoch: "April windig und trocken, macht alles Wachstum stocken".

Wissenschaftlich nachgewiesen ist die Aprilwetter-Launenhaftigkeit in unseren Breiten durch den in dieser Übergangsjahreszeit sich vollziehenden Kampf der Luftmassen mit Verschiebung der Zirkulationszonen, verursacht durch Kaltlufteinflüsse aus dem Norden auf das bereits frühlingserwärmte Südeuropa. Insofern eben gilt der April als unberechenbarster Wettermonat des Jahres. Und wohl auch deswegen werden bei uns nachweislich schon seit der Mitte des 17. Jahrhunderts die Menschen an seinem ersten Monatstag "in den April geschickt" und so heißt es: "Den 1. April musst übersteh'n, dann kann dir manch Gut's gescheh'n". Ein bisschen Tradition ist damit auch in den Zeiten der Wetter-Apps erhalten geblieben.

Vorhersagen über Wetterverhältnisse       

Nach altem Volksglauben ermöglichen bestimmte und meist nach Kirchenheiligen benannte "Lostage" Vorhersagen über die Wetterverhältnisse in der Folgezeit. Im  Lostag-Begriff ist die Bedeutung von "Los" im Sinne von „Schicksal“ enthalten.

Die Wetterregel für den 2. April, dem Tag der Heiligen Rosamunde, lautet: "Sturm und Wind an Rosamunde bringt dem Bauern gute Kunde" und "Bringt Rosamund Sturm und Wind, so ist Sybille (d.h. der 29. April) uns gelind." Für den 8. April, dem Tag des Heiligen Amandus, solle gelten: "Ist's um Amandus schön, wird der Sommer keine Dürre seh'n", jedoch: "Wenn es viel regnet um den Amandustag, ein dürrer Sommer folgen mag."  Für den 14. April, dem Sankt-Tiburtius-Tag und im  im Volksmund auch "Kuckuckstag" geheißen, soll Gültigkeit haben: "Tiburtius kommt mit Sang und Schall, er bringt den Kuckuck und die Nachtigall" sowie "Nach den Tiburtiustag alles grünen mag." Der 23. April ist der Tag des Heiligen Georg und man sagte: "Sankt Georg kommt nach alten Sitten auf einem Schimmel angeritten", d.h. es können durchaus noch die letzten Schneeflöckchen fallen oder Reif geben. Des Weiteren solle gelten: "Auf St. Georgs Güte stehen alle Bäum' in Blüte" sowie "Es deutet eine gute Ernte an, wenn sich zum Georgstag schon die Krähe im Korn verstecken kann." Und früher an diesem Tag fanden in vielen Orten auch Feldumgänge und Flurgrenzbegehungen statt. Für den 25. April, dem Tag des Heiligen Markus, gibt es diese  Bauernregeln: "Bauen um St. Markus schon Schwalben, so gibt"s viel Futter, Korn und Kalben", "Wie an Markus sich das Wetter hält, so ist es auch oft im Herbst zur Ernte bestellt" , ferner: "Hat Sankt Peter (damit  ist der 27. April, der Tag des St. Petrus Kanisius, gemeint) das Wetter schön, kannst du Kohl und Erbsen sä'n." Und für den 30. April soll ja seit alters her gelten: "Regen auf Walpurgisnacht (die Nacht zum 1. Mai) hat stets ein gutes Jahr gebracht."

All diese Wetterweisheiten und -sprüche lassen sich in unserer Zeit auf Grund der Gregorianischen Kalenderreform eigentlich mit einem zehn Tage späteren Datum besser anwenden als mit dem in der jeweiligen Regel genannten Tag. Ließ man doch im Jahr 1582 auf den 4. Oktober unmittelbar den 15. Oktober folgen. Und außerdem gilt es natürlich ebenfalls die Auswirkungen des sich in unserer Gegenwart  vollziehenden Klimawandels mit seinen Wetterextremen und -kapriolen mit einzukalkulieren.            

Hundertjähriger Kalender

Schenkt man übrigens den Prognosen des Hundertjährigen Kalenders Glauben, darf  zum Ende des ersten und des zweiten Monatsdrittels jeweils mit ein paar schönen Tagen gerechnet werden, überwiegend dominieren sollen jedoch Kühle, Wind und Regen. Vom 1. bis 9. April soll trübe, windige und regnerische Witterung vorherrschen, vom 10. bis 13. April regnen, dann bis zum 20. April kühl sein, vom 21. bis 25. April schönwettrig werden und danach der Monat mit Regenwetter enden.  

Also schauen wir einmal, welche Trefferquote die alten Wetterprognosen diesmal haben und lassen wir uns einfach vom diesjährigen Aprilwetter überraschen. Am Monatsende werden wir schließlich wieder etwas schlauer sein.

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