Der Herr der Dahlien

Peter Kirchner liebt Dahlien. In fünf Gärten hat der Eußenhäuser über 1000 Knollen gesetzt. Sie wurden am Wochenende bei der Gartenschau viel bewundert.
Mann mit grünem Daumen: Peter Kirchner, Organisator der Gartenschau in Eußenhausen, inmitten seiner Blütenpracht. Über 1000 Knollen mit verschiedenen Dahliensorten hat er im Frühjahr eingepflanzt. Foto: Tobias Griebel

Am Wochenende stand Eußenhausen zum fünften Mal im Zeichen der Blumen. Bei einer Dahlienschau gab es viel zu entdecken: einen noch erhältlichen Kaiser, eine Creme mit fast nur geheimen Zutaten und zwei dicke Freunde.

Vorbei geht es an Eveline und Tomo. Eveline sieht ziemlich bleich aus. Aus dem Weißen sticht ein kräftiger pinkfarbener Farbtupfer hervor. Tomo hingegen präsentiert sich leuchtend, in Lila und Pink. Seine weißlichen Züge sind nicht so ausgeprägt wie bei Eveline. In zwei Punkten stimmen allerdings beide überein: Sie sind Dahlien und haben ihre Wurzeln in einem Garten geschlagen, den Peter Kirchner gepachtet hat.

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Der Blumensammler steht nicht weit entfernt von Eveline und Tomo. Besucher der Gartenschau umringen den Organisator und löchern ihn mit Fragen. Nerven tut ihn das nicht, im Gegenteil. „Ich freue mich, wenn ich angesprochen werde“, sagt Peter Kirchner. Dafür sei eine Gartenschau schließlich da. Wann die Dahlien gesetzt werden sollen, werde er oft gefragt. Er empfiehlt die Zeit von Ende April bis Anfang Mai.

Peter Kirchner lässt seine Blicke über die Blütenpracht um ihn herum kreisen, er ist sichtlich stolz auf seine herrlichen Gärten. Die Erde zu seinen Füßen ist noch leicht feucht. Am Morgen waren zwei Millimeter im Regenmesser. Gut für die Dahlien. Das Wetter heuer sei den Pflanzen entgegengekommen, denn Regen haben sie gerne.

Peter Kirchner schaut durch den Garten, sein Blick fällt auf seine Beste. „Pauls Beste“ – so hat er eine Dahlie benannt, die er geschenkt bekommen hat. Der richtige Name von „Pauls Beste“ sei unbekannt. Möglicherweise könnte es sich um eine historische Sorte handeln, plaudert der 46-Jährige aus dem Nähkästchen. Ein weiteres Schmuckstück hat Peter Kirchner spontan im Kopf. Einen Kaiser. Kaiser Wilhelm, der Erste. Bei dieser Dahlie handelt es sich um die älteste deutsche Sorte, die noch erhältlich ist.

Wöllte Peter Kirchner alle Dahlien aufzählen, die in seinem Besitz sind, würde er vermutlich sehr lange brauchen. Mehr als 1000 Stück hat er in fünf Gärten in Eußenhausen vergraben. Stellt sich die Frage, wo er all die Knollen im Winter lagert, denn Dahlien sind nicht winterfest. Die Antwort: in zwei Gewölbekellern. Einer befindet sich im Alten Rathaus, wie der Pflanzensammler erzählt. „Da habe ich rechts und links Regale eingebaut, drei Etagen, und da werden die Knollen einfach eingestapelt.“ Der zweite Gewölbekeller zum Lagern liegt unter seinem Wohnhaus.

Seine Blumen sammelt er mit Herzblut. Pflanzen beschriften, dazu Zettel mit den Namen laminieren. Handschriftlich Pläne erstellen, um die Standorte der Pflanzen festzulegen. Knollen setzen, nach dem ersten Frost Pflanzen wieder ausbuddeln. „Ich plane meinen Urlaub mittlerweile schon danach“, verrät der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Eußenhausen. Zwei Wochen vor seiner Ausstellung hat er sich freigenommen: Die letzten Handgriffe vor dem Veranstaltungswochenende tätigen. Viel muss im Vorfeld erledigt werden. „Aber es macht Spaß, sonst würde ich es ja nicht machen“, sagt er lachend. Unterstützt wird der Eußenhäuser von Vereinskollegen und anderen Helfern.

Zu letzteren gehört Helga Nix. In der Woche vor der Dahlienschau unterstützt sie den Organisator tatkräftig. Ansonsten: „Wenn ich mal Zeit habe, fahre ich hier vorbei und dann wird geschaut, was anliegt.“ Sie hilft mit, „weil mir diese Vielfalt unheimlich gefällt, weil ich Blumen liebe, weil ich die Farben liebe, weil ich Spaß daran habe.“

Bei den Dahlientagen hat Helga Nix Aufsicht in Garten Nummer drei. Dieser liegt schräg unterhalb des Alten Rathauses, direkt neben Garten drei liegt noch ein weiterer. Die anderen Gärten der Dahlienschau befinden sich im Moorwiesenweg. Zwischen den Anlagen liegen rund 500 Meter Fußweg, Bindeglied ist das Alte Rathaus. Dort schenkt der Obst- und Gartenbauverein Eußenhausen Kaffee aus, es gibt Kuchen und Gegrilltes. Im Moorwiesenweg schenkt „Kräuterfee“ Heike Stäblein Kräuterlimo aus und wartet mit Pfannenkuchenstreifen mit Kräutercreme auf. Was alles in die Kräuterlimo kommt, will sie nicht verraten. Nur so viel: Holunderblüten und andere Wildkräuter. Ein natürlicher und leckerer Durstlöschend.

Unmittelbar neben dem Stand von Heike Stäblein liegt Garten Nummer fünf. Dort hat Franz Hoch Aufsicht. „Die Blütenpracht ist heuer wieder wunderbar“, schwärmt er. Besonders herausstechend sind seiner Meinung nach die Pflanzen mit dunkleren Stängeln und Blättern, „sie sehen edel aus“.

Regelrecht hingerissen ist eine Besucherin, die mit ihrer Freundin oberhalb des Gartens steht und auf das Blumenmeer schaut. „Was hier dargeboten wird, ist einfach faszinierend“, sagt sie. „Diese Menge und diese Artenvielfalt.“ Die beiden Freundinnen wollen im nächsten Jahr wiederkommen. Wenn Peter Kirchner seine sechste Gartenschau organisiert. Vielleicht sind auch wieder Eveline und Tomo dabei, die beiden dick befreundeten Dahlien.

 
Eine wahre Farbenpracht gab es bei der fünften Gartenschau in Eußenhausen zu bewundern. Foto: Tobias Griebel
Eine wahre Farbenpracht gab es bei der fünften Gartenschau in Eußenhausen zu bewundern. Foto: Tobias Griebel
Eine wahre Farbenpracht gab es bei der fünften Gartenschau in Eußenhausen zu bewundern. Foto: Tobias Griebel
Eine wahre Farbenpracht gab es bei der fünften Gartenschau in Eußenhausen zu bewundern. Foto: Tobias Griebel

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