BAD NEUSTADT

Der Kampf um Platz eins in Sachen Stromtankstellen

Ladestation der Stadtwerke am Bad Neustädter Goetheparkplatz: Rolf Ospel (links) lädt seinen Citroen, Michael Manger seinen Opel Ampera auf. Foto: Stefan Kritzer

Mit Statistiken ist das so eine Sache: Auf den ersten Blick scheinen Zahlen vertrauenswürdig, letztlich sind sie aber immer interpretiert. Jemand steckt dahinter und hinter diesem jemand eine Absicht. Das ist bei Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz nicht anders als bei Rhön-Grabfelds Wirtschaftsförderer Jörg Geier.

Als Scholz dieser Tage wieder einmal eine Stromtankstelle eröffnete, freute er sich sicher, dass der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die Stadt Hamburg mit 774 öffentlich zugänglichen Ladepunkten für Elektroautos in puncto Ladeinfrastruktur deutschlandweit an der Spitze sah, gefolgt von Berlin mit 628 und Stuttgart mit 402 Ladepunkten. Blickt man allein auf die absoluten Zahlen, ist an dieser Rechnung auch nichts auszusetzen.

Die Gegenrechnung des Wirtschaftsförderers

„Tatsächlich erscheint die Anzahl von 774 Ladepunkten gewaltig, jedoch ist die Bevölkerungszahl mit 1,7 Millionen ebenfalls enorm“, plädiert Geier dafür, die Zahl in Relation zu setzen. Die 2200 Einwohner, die in Hamburg auf einen Ladepunkt kommen, seien „im Bundesdurchschnitt tatsächlich ein herausragend guter Wert“, gesteht er zu – um dann die Gegenrechnung für Bad Neustadt aufzumachen.

Die rund 15 300 Einwohner der Rhön-Grabfelder Kreisstadt verfügen inzwischen über 29 Ladepunkte. In Bad Neustadt teilen sich also rechnerisch nur 528 Einwohner einen Ladepunkt. „Das ist das Vierfache des Hamburger Werts“, so Geier. „So gesehen müsste Bad Neustadt Deutschlands bestplatzierte Stadt sein.“

Hamburg auf Platz drei?

Gefolgt übrigens vom ebenfalls in Rhön-Grabfeld liegenden Mellrichstadt. Dort kommen Geier zufolge acht Ladepunkte auf 5500 Einwohner, macht also eine Quote von 690 Einwohnern pro Ladepunkt. „Hamburg muss sich hinter zwei Rhön-Grabfelder Städten mit Platz drei begnügen.“

Das Blatt wendet sich allerdings, wenn man anstatt der Bevölkerungszahl die gemeldeten Elektroautos als Bezugsgröße wählt. Schließlich, so könnte man argumentieren, nutzt nicht jeder Otto-Normalbürger auch eine Ladesäule, der Elektromobilist vor Ort aber schon.

29 Ladepunkte in Bad Neustadt

Zum Stichtag 26.10.2017 waren in Bad Neustadt 163 reine Elektro-Fahrzeuge und 19 extern aufladbare Hybridfahrzeuge angemeldet. Damit kommen also in der Kreisstadt rund sechs Autos auf eine der 29 Ladepunkte. Mellrichstadt mit 16 reinen Elektrofahrzeugen und einem extern aufladbaren Hybridfahrzeug kommt auf zwei Autos pro Ladesäule.

Geht man nun davon aus, dass die Ladesäulen auch von den Elektromobilisten der näheren Umgebung frequentiert werden, nimmt also die Gesamtzahl der in Rhön-Grabfeld gemeldeten Elektroautos (250) plus die extern aufladbaren Hybride in Rhön-Grabfeld (38), ergibt sich für die grob überschlagene Zahl von 45 Ladepunkten in Gesamt-Rhön-Grabfeld, die Zahl von 6,4 Autos pro Rhön-Grabfelder Ladesäule. In Hamburg, einem Bundesland, gab es laut Kraftfahrbundesamt zum 1. Januar dieses Jahres 17 956 Elektro-Autos, was bei 774 Ladepunkten eine Quote von 1,2 Elektroautos pro Ladesäule ausmacht.

Bad Neustadt: Jeder 84. Einwohner fährt, statistisch gesehen, elektrisch

Spätestens an dieser Stelle kommt erneut die Notwendigkeit der Interpretation ins Spiel: Steht Hamburg in Sachen elektromobile Infrastruktur nun besser da, weil es dort vergleichsweise wenig Elektroautos gibt? Denn während in Bad Neustadt, statistisch gesehen, jeder 84. Einwohner Elektroauto fährt, tut das in Hamburg nur jeder 1778. Man sieht: Die elektromobile Statistik ist ein weites Feld.

Sicher ist, Rhön-Grabfeld muss sich in Sachen Ladeinfrastruktur für Elektroautos nicht verstecken. Und der Hamburger Elektromobilist täte wahrscheinlich gut daran, mal in der Rhön Urlaub zu machen – vorausgesetzt, seine Reichweite erlaubt die weite Tour. Einmal vor Ort angelangt, könnte er jedenfalls in mehrfacher Hinsicht auftanken.

„„Hamburg muss sich hinter zwei Rhön-Grabfelder Städten mit Platz drei begnügen.“
Jörg Geier, Wirtschaftsförderer Rhön-Grabfeld

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