Sulzdorf

Der Reuthsee in Sulzdorf droht zu verlanden

Ein gespenstisches Bild bietet der Reuthsee aktuell. Aufgrund des zunehmenden Wassermangels verlandet der See zusehends. Foto: Ralf Seidling

Die beiden vergangenen extrem trockenen Jahre zeigen in vielen Bereichen der Region ihre Wirkung. Angefangen von den gesunkenen Grundwasserspiegeln über die Borkenkäferplage, abgestorbenen Bäume bis hin zu ausgetrockneten Bächen und stark gesunkenen Pegeln in den Seen.

Besonders hart trifft das auf die sogenannten Himmelsseen, wie den mit rund 12 Hektar wohl größten Natursee in Unterfranken, den Reuthsee in Sulzdorf zu. Bei diesen Seen erfolgt die Speisung rein über die Regenfälle, den Schneefall im Winter oder über mögliche Zuläufe aus anliegenden Gräben. Erwin Schmitt von der Interessengemeinschaft Reuthsee teilte mit, dass der Wasserstand 2018 an der tiefsten Stelle des Sees um 74 Zentimeter auf 1,46 Meter gesunken war. Die Wassertiefe betrug sonst dort maximal 2,20 Meter.  

Die herbstliche Idylle trügt. Durch den Wassermangel gibt es am Sulzdorfer Rheuthsee gravierende Probleme Foto: Ralf Seidling

Der Pegel des Sees sinkt immer mehr

Durch die geringen Niederschläge (rund 445 Liter / Quadratmeter) hat sich der Pegel von April bis Dezember 2018 nur um rund 24 Zentimeter auf 1,70 Meter erhöht. Die Entwicklung ist umso dramatischer, da der tiefste Punkt des Sees gerade einmal zwei Prozent der gesamten Wasserfläche ausmacht. Das heißt, dass der überwiegende Teil des Sees noch viel flacher ist. 

In diesem Jahr ist der Pegel noch weiter abgesunken. Es wurde eine Differenz von 82 Zentimetern zu der Maximaltiefe von 2,20 Metern gemessen. Die Folge: an seiner tiefsten Stelle mass der See nur noch 1,38 Meter und drohte "umzukippen", wie Schmitt erklärt. Ende Juli wurden durch die Fischereiberatung des Bezirks Unterfranken Wasseranalysen durchgeführt, die so schlecht ausfielen, dass gehandelt werden musste. Nach den Vorgaben der der Behörde erfolgten daraufhin vorsichtige Kalkzugaben, was Erfolg brachte und ein Umkippen verhinderte.

Die Uferzonen werden zunehmend velanden und verschilfen, wenn sich die Niederschläge nicht bald regulieren Foto: Ralf Seidling

Der trockene Waldboden rund um den See saugt jede Flüssigkeit auf

Der See befinde sich in einer dramatischen Situation und Besserung sei nicht in Sicht, so Erwin Schmitt. Die knapp 430 Liter pro Quadratmeter, die heuer bislang an Niederschlägen fielen, bestätigen dabei leider die düstere Prognose. Die Wassereinzugsfläche des Reuthsees beträgt weniger als einen Quadratkilometer und der trockene, umliegende Waldboden saugt die wenigen Niederschläge sofort auf.

In früheren Jahren füllte sich der See hauptsächlich durch die Schneeschmelze auf gefrorenem Boden. Diese Konstellation gibt es aber kaum noch. Dadurch ist die Existenz des Sees sehr ungewiss. Noch so ein trockener Herbst und Winter und der See verschwindet durch die zunehmende Verlandung von der Landkarte, so die Befürchtungen der Interessengemeinschaft und der Gemeinde. Das wäre fatal, denn im und um den See wird Artenschutz betrieben. So werden vom Aussterben bedrohte Fischarten wie der Schlammpeitzger, die Karausche aber auch Edelkrebse und Muscheln gezüchtet.

Zugvögel drohen einen Rastplatz zu verlieren 

Sollte der See verlanden, würde auch ein Zwischenziel für Zugvögel wegfallen, die sich alle Jahre wieder zu einer Rast einfinden. Auch seitens der Gemeinde Sulzdorf wird nach Möglichkeiten zur besseren Wasserzufuhr gesucht. Bei einem Ortstermin des Gemeinderats wurde erörtert, welche Maßnahmen möglich wären. So will die Gemeinde versuchen, mittels Nivellierung und Ausbaggern von alten Gräben, weiteres Wasser in den See zu bringen.

Doch die Anzahl der Möglichkeiten hält sich bei enormen Kostenaufwand für die Gemeinde in Grenzen. "Nichts desto trotz werden wir alles in unserer Macht stehende versuchen, um eines unserer Wahrzeichen, den Reuthsee, zu erhalten", so Bürgermeisterin Angelika Götz. Am Wasserstand des Reuthsees hat sich auch durch die Niederschläge in den letzten Wochen kaum etwas verändert und es bleibt nur zu hoffen, dass der Herbst und Winter niederschlagsreicher wird als in den letzten Jahren.

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