Bad Königshofen

Der Rocket-Man aus Gemünden im großen Kursaal

Andreas Kümmert in Konzert in Bad Königshofen. An seiner linken Seite hatte er den Gitarristen Tobias Niederhausen sitzen. In der Bildmitte ist mit einem anatomischen Herz das Motto der aktuellen Tour platziert. Foto: Silke Kurzai

Die Bühne ist nur spärlich ausgestattet: zwei Stühle, drei Gitarren, Mikrophone, ein paar Kabel, nicht mehr. Im Hintergrund aber prangt das Bild eines großen Herzens: nicht ein verkitschtes Herz in rosa, sondern ein anatomisches, in dessen Mitte sich ein Auge befindet.

Natürlich das Herz: Das Tour-Motto leuchtet in bunten Farben 

Natürlich das Herz, so dämmert dem Zuschauer nach einigem Rätselraten, schließlich ist es das Motiv der  neuen Tour mit dem Titel „There is something in my heart“ von Andreas Kümmert, dem  Sänger aus Gemünden, der in ganz Deutschland  Bekanntheit erlangte, als er 2013 bei der Casting Show „The Voice of Germany“  mit einer Interpretation von John Eltons Rocket Man zum Sieger gekürt wurde. Auch heute noch ist das einer seiner bekanntesten Songs, der auch an diesem Abend nicht fehlte.

Andreas Kümmert in Konzert in Bad Königshofen. Foto: Silke Kurzai

Aufsehen erregte dann sein Sieg beim  Vorentscheid zum European Song Contest zwei Jahre später. In die Schlagzeilen aber wurde er vor allem katapultiert, weil er demonstrativ auf eine Teilnahme am Finale  des Wettbewerbs verzichtete und seither seine eigenen Wege geht. So etwas hatte es in der deutschen Musikszene noch nicht gegeben. Am Freitagabend nun gastierte Kümmert zusammen mit dem Gitarristen Tobias Niederhausen im großen Kursaal in Bad Königshofen.

Alle Altersstufen im Zuschauerraum vertreten

Es herrschte dichtes Gedränge in Zuschauerraum. Dabei waren alle Altersstufen reichlich vertreten: Junge, Ältere und auch viele, die sich schon im Rentenalter befanden. Sie wollten alle die legendäre Stimme des Sängers live erleben, den die allermeisten bislang nur aus dem Fernsehen kannten. Und schon beim ersten Song zeigte sich, was die Faszination dieses  Mannes ausmacht. In voller Lautstärke, dabei gleichzeitig irgendwie gefühlvoll und mit einer Menge rauem Timbre in der Stimme singt er und löst bei den Zuhörern gleichermaßen Emotionen aus, die sich mit Gänsehautfeeling nur unzureichend beschrieben lassen.

„Es trifft mich ins Mark!“, bekannte eine Besucherin und fügte hinzu: „Je lauter, desto besser!“ Und die Lautstärke ist sicherlich eines der Markenzeichen des Andreas Kümmert.  Dabei greift er auch gekonnt  in die Saiten seiner Gitarre, sich selbst begleitend. Aber es ist offensichtlich, das Instrument, das er meisterhaft  beherrscht, ist nicht eigentlich die Gitarre, sondern seine Stimme. Sie ist sein Markenzeichen,  sie hat ihn berühmt gemacht. Seit seinem Verzicht auf die Teilnahme am Eurovision Song Contest hat er sehr eigenwillig seinen Weg eingeschlagen, ist mittlerweile vom Sänger auch zum Songwriter geworden, der sich auch selbst vermarktet.

Tobias Niederhausen an der E-Gitarre

Sein häufiger Begleiter ist dabei der Gitarrist Tobias Niederhausen, der die Songs filigran mit seiner E-Gitarre untermalt und mit akrobatischen Soloeinlagen verblüfft: ein perfekt aufeinander abgestimmtes Duo. Kümmert selber setzt auch gerne als Entertainer Akzente. Immer wieder bringt er sein Publikum zum Lachen mit kleinen Seitenhieben auf  die Pharmaindustrie, die Fernsehgebühren der öffentlich rechtlichen Sender oder Spotify, den Kanal, der die Musikszene vernichtet. Manchmal hat er einen Hang zum Schlüpfrigen, aber die Fans stört das nicht.

Andreas Kümmert spielt sich mit seinem Mit-Gitarristen Tobias Niederhausen unplugged durch die Reihen des großen Kursaals in Bad Königshofen. Foto: Silke Kurzai

Ein Höhepunkt des Abends: Beide Musiker verlassen die Bühne und gehen mit ihren Instrumenten durch die Reihen im Saal. Ganz ohne elektronische Unterstützung kommt der Sound beim Publikum gut an und reißt die Leute von ihren Sitzen, Handys werden gezückt, es wird fotografiert. Blues, Rock, Pop, Funk und Soul, das alles sind Kümmerts bevorzugte Musikrichtungen, denen er aber auch seinen ganz eigenen Stil verpasst.

Man spürt, er hat irgendwie zu sich selbst gefunden, womöglich mit dem Herzen als Leitmotiv. Das Auge im Herzen, das im Laufe des Abends spektakulär immer wieder seine Farben wechselte, möchte man meinen, könnte auch Teil seiner Botschaft sein: Nur mit dem Herzen sieht man gut.

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