UNTERELSBACH

Der Wolf: Graue Gefahr im Wald?

Umwelt: Der Wolf zieht durch die Wälder. Das treibt auch die Politik um. CSU und CDU wollen das Tier ins Jagdrecht aufnehmen. Das könnte Auswirkungen auf die Region haben.
Wolfs- und Herdenschutzinformationszentrum

Im Märchen ist er der Böse. In der Realität polarisiert er: der Wolf. Die CDU- und CSU-Bundestagsfraktion hat deshalb einen Vorstoß gewagt: Das Wildtier soll gejagt werden dürfen. Der Urahn des Hundes habe eine ausreichend große Population und keine natürlichen Feinde. Daher sollten die Bestände reguliert werden. Das sorgt bei vielen für Diskussionsstoff.

Im Rudel hilft die Natur die Größe einer Population zu kontrollieren: Bei Beutegreifern wie dem Wolf gibt es eine Selbstregulierung. „Nach zwei Jahren drängen die Elterntiere ihre Jungen aus dem Rudel. Das passiert nicht höflich – sondern mit Bissen“, führt Dr. Kai Frobel, Artenschutzreferent beim Bund Naturschutz, aus. „Die Jungtiere suchen sich dann ein eigenes Revier. Dabei kommt es zu Revierkämpfen und Toten.“

Frobels Meinung zum Positionspapier: „Das ist Symbolpolitik. Es ändert nichts, das lässt sich zum Beispiel in Sachsen beobachten.“ Dort wurde der Wolf bereits ins Jagdrecht aufgenommen. „Den Weideviehbesitzern stellen sich dort noch immer die gleichen Fragen wie in den Bundesländern, in denen der Wolf nicht im Jagdrecht ist.“ Fragen der sächsischen Viehbesitzer gehen in Richtung von Fördermitteln und Wolfsschutz.

Eric Imm, Geschäftsführer der Wildland-Stiftung Bayern, der Naturschutz-Stiftung des Bayerischen Jagdverbands, ist ebenfalls nicht überzeugt: „Es braucht keine Übernahme ins Jagdrecht. Dadurch wird der Anschein geweckt, dass das Schießen eines Problemwolfs einfacher wäre.“ Fr ihn verkompliziert sich die Thematik dadurch: „Dann ist nicht mehr nur wie bisher das Landesamt für Umwelt (LfU), sondern auch die Obere und Untere Naturschutzbehörde und das Landwirtschaftsministerium für den Wolf zuständig.“ Sinnvoller sei es, aktuell nach den Managementplänen vorzugehen, in denen alles geregelt ist.

Nach diesen darf ein Wolf, der vermehrt für Probleme sorgt, „bereits jetzt schon als Ultima Ratio entnommen werden“, heißt es aus dem LfU. Konkret: Er muss erschossen werden. Allerdings gelten dafür bestimmte Kriterien: „Darunter fällt etwa unprovoziertes, aggressives Verhalten gegenüber Menschen oder das mehrmalige Reißen von Nutztieren. Aber: Davor müssen alle Schutzmaßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde erfolglos gewesen sein.“

„Das wilde Tier ist nicht gleichzusetzen mit der wilden Natur. Der Wolf ist äußerst anpassungsfähig …“
Dr. Helmut Fischer, Veterinär

Wird trotz aller Schutzmaßnamen ein Tier gerissen, kommt in Bayern der „Ausgleichsfonds große Beutegreifer“ für den Schaden auf. „Allerdings muss das erst vom LfU geprüft werden“, informiert Imm von der Wildland-Stiftung. „Das geschieht mit einem Gentest. Wir brauchen Gewissheit, dass wirklich ein Wolf das Tier gerissen hat.“ Erst dann könne die Stiftung Schadenersatz leisten. „Ein Mutterschaf ist zwischen 200 und 250 Euro wert“, teilt ein Sprecher des LfUs auf Anfrage dieser Redaktion mit.

Freistaat soll fördern

Frobel hat sich bereits Gedanken über das zukünftige Wolfsmanagement gemacht: Für ihn spielen darin eine größere Anzahl an Wolfsberatern und mehr Fördergelder für die Weideviehhalter eine Rolle. „Nicht nur die Anschaffungskosten von Herdenschutzhunden und Zäunen, sondern auch die Unterhaltskosten müsste der Staat zu 100 Prozent fördern.“ Der Freistaat befinde sich diesbezüglich bereits auf einem guten Weg: „Aktuell arbeitet Bayern an einer fortschrittlichen Förderrichtlinie“, teilt er mit.

Ähnlich sieht es Imm: „Noch haben wir wenige Wölfe in Deutschland und Bayern – das gibt uns Zeit, uns zusammenzusetzen und über die zukünftige Vorgehensweise zu sprechen.“ Denn die Wolfsdebatte wird nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen geführt. Auch in den Rhön-Landkreisen ist sie ein Thema, zumal der Wolf schon in Rhön-Grabfeld heimisch ist.

„Bei dem Wolf in der Rhön handelt es sich um eine Fähe – also ein Weibchen“, teilt Imm mit. „Im Umgang mit dem Tier orientieren wir uns an der zweiten Stufe des Managementplans“, teilt ein Sprecher des Amtes mit. Geregelt ist darin, wie mit einzelnen standorttreuen Tieren umzugehen ist. Ziel des Plans ist es, Konflikte zwischen Mensch und Wolf zu vermeiden. Denn: „Das wilde Tier ist nicht gleichzusetzen mit der wilden Natur.

Bringt der Wolf die Tollwut mit?

Der Wolf ist äußerst anpassungsfähig und neugierig“, sagt Veterinär Dr. Helmut Fischer aus Bad Kissingen. „Die deutschen Wölfe‘ sind alle aus dem osteuropäischen Raum gekommen.“ Viele Staaten im Osten Europas gelten nach Einstufung der Welt-Gesundheitsorganisation nicht als Tollwut-frei. „Es besteht die Gefahr, dass es so zur Tollwuteinschleppung kommen kann.“

Unter kritischem Blick stehen auch die sogenannten Wolfs-Hybriden. „Das sind Kreuzungen aus Wolf und Hund“, erklärt der Veterinär. Die Hybriden sorgen aktuell für Aufmerksamkeit: „Es gibt in der Langen Rhön einen frei laufenden wolfsähnlichen Hund, der in eine Schafherde gegangen ist und Tiere gebissen hat“, sagt Imm. „Der Vorfall war im Oktober. Wir haben den Hundebesitzer daraufhin angeschrieben und darüber aufgeklärt, dass das Tier schlimmstenfalls auch erschossen werden kann“, teilt Manfred Endres, vom Landratsamt Rhön-Grabfeld dazu mit.

„Wenn sich der Hund mit der Wölfin paaren sollte, gibt es Hybriden“, erläutert Fischer. Die bergen Gefährdungspotenzial: „Das ist eine Kreuzung aus einem wilden und einem domestizierten Tier“, führt Fischer aus.

„Es lässt sich nicht vorhersagen, wie sich so ein Tier gegenüber Menschen verhält.“ Auch aus Artenschutzgründen müssen Jäger die Hybriden bejagen. Der Genpool des Wolfs könnte sonst verwässern.

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