MELLRICHSTADT

Die Energiepolitik zerstört, was bewahrt werden soll

Enoch zu Guttenberg1
Ist gegen die "unsäglich verlogene Energiepolitik" in Deutschland. Enoch zu Guttenberg bei seinem Vortrag im Raum 7 in Mellrichstadt. Foto: Stefan Kritzer

Ein Blatt vor den Mund zu nehmen war noch nie das Ding Enoch zu Guttenbergs. Der Dirigent von Weltruf und etablierte Experte in Sachen Umwelt und Naturschutz hat im Raum 7 einen beeindruckenden Vortrag über die Energiewende in Deutschland gehalten. Ein gutes Haar hat er dabei an Windenergie, Biogas und Photovoltaik nicht gelassen. Er verteufelte diese Arten der Energiegewinnung nicht grundsätzlich, wohl aber die damit einhergehenden Geschäftsmodelle um die vermeintlich umweltfreundlichen Energien.

Albtraum Windkraftanlage

Eingeladen hatten der Verein zum Schutz der Umwelt und des Kulturerbes Rhön-Grabfeld sowie die Kreisgruppe des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern. Vorsitzende beider Vereine ist Bert Kowalzik. Die „märchenhaft verwunschenen Landschaften der Rhön und die lieblichen Saaleauen“ kennt Guttenberg noch aus seiner Kindheit, in der er immer wieder auf der Salzburg in Bad Neustadt zu Gast war. Doch auch hier muss er mittlerweile zahlreiche Photovoltaikanlagen auf Feldern, Biogasanlagen und - sein schlimmster Albtraum - Windkraftanlagen entdecken.

„Wir müssen dieser Energiewende mit ihrem Windkrafthorror, der Biogasmanie und dem Solarirrsinn endlich Einhalt gebieten“, sagte Enoch zu Guttenberg und hob den Schutz der Heimat als das höchste Gut empor. „Heimat wächst nicht nach“, sagte Guttenberg, „und austauschbare Artefakte der Industrie schaffen keine Identität.“ „Windräder bedeuten 100 Prozent Landschaftszerstörung und Heimatverlust“, so Guttenberg.

Die Bürger sind nicht die Profiteure

Niemand außer Wirtschaftsbossen und Großgrundbesitzern profitiere vom Aufstellen der Windkraftanlagen. „Das ist eine ökonomische wie ökologische Katastrophe.“ Der Stromverbraucher in seinem Eigenheim müsse die Zeche für den Ausbau der erneuerbaren Energien bezahlen, um die Geldbörsen weniger Unternehmer zu füllen, wetterte zu Guttenberg. Bis ins Jahr 2035 soll der Anteil der erneuerbaren Energien von derzeit 30 auf 65 Prozent ausgebaut werden. „Dabei ist die Energiewende schon heute krachend gescheitert“, rechnet Guttenberg vor: „Lediglich zwei Prozent des gesamten Energiebedarfs wird heute durch 28 000 Windkraftanlagen in Deutschland gedeckt.“

Wenn in Zukunft millionenfach Elektroautos durch die Gegend fahren und auch das Heizen mit Strom wieder attraktiver wird, dann müssten noch weitere hunderttausende Windenergieanlagen errichtet werden. „Windkraft ist ineffektiv“, resümiert Guttenberg. Derweil die Kosten für die Energiewende in Deutschland explodieren, die Speicherproblematik von Strom praktisch ungelöst ist, der Stromverbrauch in der immer weiter grassierenden Konsumgesellschaft drastisch ansteigt, auch in Zukunft steigen wird und damit einhergehend auch der Kohlendioxid-Ausstoß.

Hilfe durch Konsumverzicht?

Wie der zunehmende Energiebedarf in Deutschland sowie in der ganzen Welt gedeckt werden kann, ließ Guttenberg weitestgehend offen. Effizienzsteigerungen, Abwrackprämien für alte und energiefressende Maschinen aller Arten sowie eine ehrliche Energiepolitik müssen der planlosen Erstellung von immer mehr Windkraftanlagen in der Landschaft entgegengesetzt werden, fordert er. „Mit unserer Energiepolitik zerstören wird das, was wir eigentlich bewahren wollen. Der Konsumrausch frisst zudem, was die Welt zum Leben braucht“, so Guttenberg. „Das Schlimmste aber“, befürchtet er, „kommt erst noch. Nur ein Weniger auf allen Gebieten wird helfen!“

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