Mellrichstadt

Die Feindobjekte der Stasi in Rhön und Grabfeld?

In der Markthalle in Mellrichstadt gab es von Sascha Münzel aus Suhl Informationen über Stasi Unterlagen aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld Foto: Hanns Friedrich

Die Aktivitäten der Staatssicherheit in Rhön und Grabfeld waren das Thema eines gut besuchten Vortragsabends mit Sascha Münzel in der Mellrichstädter Markthalle. Der Mitarbeiter Suhler Außensteller der Stasi-Unterlagenbehörde stellte dabei einige, ausgewählte Unterlagen aus den 111 Kilometer Archivmaterial, 1,3 Millionen Karteikarten mit Kurznotizen und zahlreichen Fotos vor, die aufbewahrt werden. In der Außenstelle werden die Unterlagen aus der Überlieferung der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit und den in ihr zugeordneten Kreisdienststellen  verwahrt.

Wie Referent betonte, bestehe großes Interesse an der Einsicht in Stasi-Unterlagen. Das bewiesen 139000 Bürger, die seit 1992 ihre Akten anforderten. Entsprechende Anträge waren auch in der Markthalle möglich. Suhl, so der Referent, sei der kleinste Bezirk in der damaligen DDR gewesen, hatte aber eine exponierte Lage an der deutsch-deutschen Grenze, die hier 400 Kilometer umfasste. . Die Staatssicherheit hatte daher 211 Kreisdienststellen eingerichtet und 1700 hauptamtliche Mitarbeiter eingestellt. Hinzu kamen an die 5000 inoffizielle Mitarbeiter, die sogenannten IM's.

Amerikaner im Visier

Das "Operationsgebiet" der Suhler war Osthessen, Nordbayern und München. In den Unterlagen finden sich zum Beispiel Prospekte der Stadt Mellrichstadt, Unterkunftsverzeichnisse, Fahrpläne für Busse und Bahn. Für die Stasi waren diese Informationen wichtig, um Aufenthalte für ihre inoffiziellen Mitarbeiter vorzubereiten. Die erhielten offiziell Aufträge zum Auskundschaften. Vor allem die Grenzinformationsstellen, die es von Lübeck bis Hof gab waren interessant. Sie gaben Einblicke in den Aufbau und die Organisation der Grenze. So wusste die Stasi von der Grenzinformationsstelle in der ehemaligen Volksschule in Bad Königshofen, von Führungen und Seminaren der Konrad Adenauer Stiftung. Bekannt waren Fladungen, Rappershausen und Breitensee. Den Bayernturm bei Zimmerau findet man mit Bildern und Beschreibung in den Unterlagen. Viele solcher Objekte wurden von der DDR als "gefährliche Feindobjekte" eingestuft.

Interessantes Bildmaterial hatte Sascha Münzel beim Vortrag in Mellrichstadt dabei. So unter anderem das Feindobjekt "Thüringer Blick" mit Bayernturm und Grenzinformationsstelle Breitensee. Foto: Hanns Friedrich

Politische und kirchliche Institutionen wurden ausspioniert. Der Referent wies auf die Gaststätte "Gambrinus" in Bad Neustadt hin, die im Visier war, weil sich dort amerikanische Soldaten trafen. Der Arbeitskreis Innerdeutsche Kontakte AIK, der Rhönklub Irmelshausen, das Vhs-Heim Sambachshof, die Grenzübergangsstelle Schanz oder auch das Hotel Sturm sowie das Hotel "Zum Wiesengrund" in Niederlauer sind Ausspähobjekte aufgelistet. Unter den Feindobjekten findet man den Decknamen "Thüringerblick", in dem die Grenzinformationsstellen Breitensee, Dürrenried, der Bayernturm bei Zimmerau und die "Henneberger Warthe" bei Rodach notiert sind. Man beobachtete die regelmäßigen Grenzführungen und hatte ein besonderes Augenmerk auf den 17. Juni geworfen, an dem deutschlandweit Veranstaltungen, an der Grenze, stattfanden. All das wurde penibel gesammelt und immer wieder aktualisiert. Schließlich findet sich in den Unterlagen aus dem Jahr 1984, dass es keine Hinweise auf feindliche Aktivitäten gibt.

Speziell in Mellrichstadt war die Bundeswehr im Visier der Stasi. Man kannte die Mannschaftsstärke ebenso wie die Herkunft und den Auftrag des Bataillons. Bilder vom Zollkommissariat Mellrichstadt sind ebenso vorhanden wie von der damaligen Grenzpolizei. Wie auch bei der Bundeswehr wurden   Lagepläne gezeichnet.

Zaunklappen und informelle Mitarbeiter

Der Referent berichtete von der Lauschstation "Blitz" bei Frankenheim in Thüringen, vom Eisenacher Haus, einem Abhörstützpunkt. Quittungen und Informationen von Innoffiziellen Mitarbeitern der Stasi sind vorhanden, ebenso Berichte über Treffen mit dem Führungsoffizier in sogenannten konspirativen Wohnungen. "Die Stasi war aktiver, als man gedacht hatte," sagte Sascha Münzel. Wer die IMs waren, ist in Personalakten niedergelegt, so dass die Decknamen, die sie hatten, heute entschlüsselt werden. Von Zaunklappen war an diesem Abend auch die Rede, wobei bei Ummerstadt sogar ein Auto in den Osten geschleust wurde. Alleine acht solcher Schleusenstellen gab es zwischen Fladungen und Maroldsweisach.

Viele Fragen hatte der Referent zu beantworten und erfuhr von Reinhold Albert, einst bei der bayerischen Grenzpolizei, dass die Grenzinformationsstellen eigene Räume und nicht bewohnt waren. Ob auch die Westseite spionierte, wollten Besucher wissen und verwiesen auf die Besatzungsmächte. Dazu hatte Sascha Münzel nichts in den Unterlagen gefunden. Inwieweit die Akten digitalisiert eines Tages auch im Internet zur Verfügung stehen? Da sei man dran, dass diese und Informationen per PDF Datei herunter geladen werden können, um Papier zu sparen. Vorhanden sei bereits eine Stasi-Mediathek und es gibt in Suhl auch zahlreiche Überwachungsfilme, die teils noch ausgewertet werden müssen.

Schlagworte

  • Mellrichstadt
  • Hanns Friedrich
  • Bundeskanzler Konrad Adenauer
  • Bundeswehr
  • DDR
  • Fahrpläne
  • Grenzpolizei
  • Innerdeutsche Grenze
  • Inoffizielle Mitarbeiter
  • Irmelshausen
  • Ministerium für Staatssicherheit
  • Mitarbeiter und Personal
  • Omnibusse
  • Personalakten
  • Reinhold Albert
  • Rhönklub
  • Sambachshof
  • Stadt Mellrichstadt
  • Stasi-Unterlagen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!