MELLRICHSTADT

Die Flaschenpost ist wieder unter Putz

Wieder am alten Platz: Architekt Dominik Wukowojac (links), Martin Fischer (Mitte) von der Firma Maler Fischer aus Unterwaldbehrungen und Verputzer Frank Burkhardt (rechts) lassen die alte Bierflasche mit neuen Informationen gefüllt in der Außenfassade der Stadtpfarrkirche St. Ki... Foto: Julia Back

Vorsichtig dreht Dominik Wukowojac die sorgfältig gerollten Papiere in seiner Hand, bevor er sie in die alte Bierflasche gleiten und den Bügelverschluss zuploppen lässt. „Jetzt haben auch wir die Flaschenpost um die Niederschrift unserer Sanierungsarbeiten ergänzt“, erklärt der Mellrichstädter Architekt.

Ein ungewöhnlicher Fund

Den mit einer im Mauerwerk verputzten Bierflasche eher ungewöhnlichen Fund machten Maler Frank Burkhardt und sein Chef Martin Fischer von der Firma Maler Fischer aus Unterwaldbehrungen bei der Überprüfung der Westfassade der Mellrichstädter Stadtkirche St. Kilian im vergangenen September (wir berichteten). „Eine Bierflasche zu finden war eine Premiere“, sagt Burkhard. „Wir waren nur enttäuscht, dass kein Bier mehr drinnen war“, scherzt Fischer.

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Die Flasche in der Kirchenwand - Seltener Fund: Bei der Sanierung der Stadtpfarrkirche St.Kilian in Mellrichstadt haben Handwerker bei der Untersuchung des Außenputzes eine Bierflasche mit Aufzeichnungen aus den Jahren 1928, 1936 und 1970 entdeckt. Der Inhalt gibt interessante Aufschlüsse...

In der versteckten Rother Bräu-Flasche, Typ Export hell, steckten statt des erhofften Gerstensaftes zwei alte Zettel, die Aufschluss über die Sanierungsarbeiten der letzten 89 Jahre gaben. Informationen über Firmen, Handwerker, Arbeitszeiträume und die verrichteten Arbeiten aus den Jahren 1928, 1936 und 1970 lagerten so seit 46 Jahren unbemerkt unter dem Putz der Kirchenfassade.

"Das ist Ehrensache"

Der für die derzeitigen Sanierungsarbeiten an der Stadtkirche zuständige Architekt Dominik Wukowojac hat es sich nicht nehmen lassen, die Schriften in der alten Flasche nun auch um die Informationen zu den aktuellen Arbeiten zu ergänzen. „Dass wir wieder diese Bierflasche nehmen war Ehrensache, nur die Gummidichtung am Bügelverschluss mussten wir erneuern“, sagt er.

„Unter der Leitung des Architekturbüros „wukowojac architekten' aus Mellrichstadt, beauftragt durch die Kirchenstiftung St. Kilian/Mellrichstadt, unter Vorsitz von Herrn Pfarrer Thomas Menzel, wurden im Jahr 2016 Sanierungsarbeiten an Dach und Fassade der Kirche durchgeführt“ beginnt das zwei Seiten umfassende Schreiben. Es folgen die an der Sanierung beteiligten Handwerker sowie detaillierte Erklärungen zu den ausgeführten Arbeiten.

Architekt will die Flasche nicht mehr sehen

„Ich will nicht mehr erleben, dass die Flasche wiedergefunden wird“, sagt der 42-jährige Architekt. Denn das, so Wukowojac, würde bedeuten, dass sie einen schlechten Job an der Stadtpfarrkirche gemacht hätten. „Normalerweise hält der Putz nun die nächsten 80 Jahre“, so Wukowojac.

Auf den aktuellen Stand der Dinge gebracht, verschwand die Flaschenpost am Montagvormittag wieder im Mauerwerk unterhalb des Kirchengiebels. Maler Frank Burkhardt, der die Flasche vor über einem halben Jahr entdeckt hatte, hatte die Ehre, sie zusammen mit Dominik Wukowojac und Martin Fischer wieder an ihren alten Platz in 20 Metern Höhe unterzubringen.

Nachdem die Flasche wieder im Loch in der Mauer verschwunden war, verputzte Burkhardt die Stelle fachmännisch. „Jetzt muss es noch strukturiert werden, damit es zum Rest der Kirchenfassade passt“, erklärt der Fachmann.

Entdeckung war reiner Zufall

Es war reiner Zufall, dass die Verputzer die Flasche überhaupt entdeckt hatten. „Es war gar nicht geplant, dass der Putz abkommt, aber beim Abklopfen entdeckten wir eine Delle im Mauerwerk, die hohl klang“, erzählt Fischer. Dahinter kam ein Loch mit der Bierflasche und den Aufzeichnungen zutage. „Dort war früher ein altes Gerüstloch, in dem Dielen steckten. Darauf standen dann die Bauarbeiter und tranken wohl auch einmal das ein oder andere Bier“, erzählen die Verputzer über die Arbeit.

Das Kirchenschiff muss nun noch dreimal gestrichen werden – dann kann auch das Gerüst, das seit vergangenen Juli die Stadtpfarrkirche einrahmt, wieder weg. „Wenn das Wetter passt, sind wir in zwei Wochen fertig“, sagt Maler und Verputzer Martin Fischer. Dann werden auch die letzten Spuren der Bierflasche an der Außenfassade der Kirche verschwunden sein.

Fachmännisch verputzt Frank Burkhardt das Loch, in dem er und sein Chef die Flasche vergangenen September entdeckt hatte... Foto: Julia Back
Oben unter dem Giebel des Kirchenschiffes ist in zwei Wochen schon nichts mehr von dem Loch in der Fassade zu sehen. Foto: Julia Back

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