OSTHEIM

Die Königin hält Hof in Ostheim

2300 Jahre Orgelbaugeschichte – in Ostheim sind sie versammelt. Einen Rundgang durch das Orgelbaumuseum gibts im Video-Extra.
Jörg Schindler-Schwabedissen       -  Ein Leben für die Orgel: Jörg Schindler-Schwabedissen ist im September seit 2006 Leiter des Ostheimer Orgelbaumuseums. 2300 Jahre der Orgelbaugeschichte sind in dem Museum versammelt. Dass alles nicht nur trockene Theorie bleibt, dafür sorgen unter anderem die Konzerte im Jahreslauf im Hansteinschen Schloss.
Ein Leben für die Orgel: Jörg Schindler-Schwabedissen ist im September seit 2006 Leiter des Ostheimer Orgelbaumuseums. 2300 Jahre der Orgelbaugeschichte sind in dem Museum versammelt. Dass alles nicht nur trockene Theorie bleibt, dafür sorgen unter anderem die Konzerte im Jahreslauf im Hansteinschen Schloss. Foto: Gerhard Fischer

Zu Ostheim gehört gewiss nicht nur die Kirchenburg, zu Ostheim gehört vor allem auch die Orgelbaugeschichte.

Seit Jahrhunderten werden in Ostheim und Urspringen Orgeln gebaut, die in Kirchen auf der ganzen Welt das musikalische Lob Gottes anstimmen. 2300 Jahre der Orgelbaukultur werden seit 23 Jahren im Ostheimer Orgelbaumuseum dargestellt.

Museumsleiter ist seit bald sechs Jahren Jörg Schindler-Schwabedissen. Neben den klassischen Führungen sind es vor allem die unterschiedlichen Konzert-Angebote, die das Museum mit seiner ganz speziellen Thematik zu einem kulturellen Treffpunkt der Stadt machen.

 

 

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Das Orgelbaumuseum in Ostheim

Drei Kinder, drei Enkelkinder, dazu jede Menge Rhöner Natur: Schindler-Schwabedissen fühlt sich in Ostheim rundherum wohl. „Wenn ich Montag und Dienstag frei habe, erkundige ich die Rhöner Lande und den Thüringer Wald mit meinem Maxi-Roller“, erzählt der Museumsleiter von seinem liebsten Hobby.

Alle anderen Tage der Woche geht er voll in seiner Museumsarbeit auf. Schließlich beherbergt das Hansteinsche Schloss unter anderem eine Rekonstruktion der ältesten erhaltenen Orgel der Welt, der Norrlanda-Orgel aus Gotland. In Ostheim entstand eine spielbare Rekonstruktion, die bei einer Konzertreihe im Aachener Dom zum Einsatz kam und für Aufsehen in der Fachwelt sorgte.

Der Orgelbau blickt in Ostheim auf eine 400-jährige Tradition zurück. Im Ort selbst arbeiteten namhafte Orgelbaumeister, wie Johann Ernst Döring, Johann Georg Markert oder die Brüder Otto und Louis Hoffmann. Die Gründung des heute noch bestehenden Orgelbaubetriebes Hoffmann erfolgte vor 160 Jahren.

Das seit 1994 bestehende Orgelbaumuseum ist Teil dieser prägenden Tradition in Ostheim. Untergebracht ist es in den aufwändig sanierten Räumen des Hanstein?schen Schlosses.

Das Ostheimer Orgelbaumuseum ist in seiner Konzeption als einmalig in Deutschland. Ist es doch das einzige, das ausschließlich authentische historische Exponate zeigt. „Wir wollen den Besucher in die Welt der Orgel, der Königin der Instrumente, einführen. Er soll merken, dass die Orgel Teil der Kultur, Teil des Lebens ist“, machten sich die Gründerväter des Orgelbaumuseums zum Leitsatz. Neben Gerhard Schmidt, den beiden Ostheimer Orgelbaumeistern Horst und Günter Hoffmann zählt insbesondere auch Kirchenmusikdirektor Jürgen-Peter Schindler, ein kompetenter Organologe, zu ihnen. Zusammen entwickelten sie ein trag- und zukunftsfähiges Museumskonzept.

Ursprünglich sollte 1988 ein Thüringen-Museum entstehen. Doch kurz darauf kam die Wende. Nach der neuen Museumsidee musste nicht lange gesucht werden. Sie bot sich quasi von selbst an: Der Orgelbau in Ostheim/Rhön blickt schließlich auf eine 400-jährige Tradition zurück.

Als Glücksfall erwies sich dabei die „Sammelleidenschaft“ der Orgelbaufirma Hoffmann, die Schätze in ihrem Fundus beherbergten.

In den Jahren 2007 und 2008 wurde die Dauerausstellung des Orgelbaumuseums grundlegend überarbeitet. Sigruth Strobel hatte dem Museum 17 Jahre lang Leben eingehaucht, seit September 2011 setzt Jörg Schindler-Schwabedissen das Werk seines Vaters Jürgen-Peter Schindler fort.

Über vier Stockwerke mit 15 höchst unterschiedlichen Ausstellungsräumen und rund 700 Quadratmetern Präsentationsfläche erstreckt sich die Ausstellung im Schloss Hanstein. Technik- und Musikgeschichte verbinden sich so zu einem großen Panorama der abendländischen Kultur.

Selbstverständlich kommt auch das Hörerlebnis nicht zu kurz: Entweder werden die Orgeln im Rahmen „klingender Museumsführungen“" gespielt oder aber die Besucher dürfen selbst tätig werden. Die Stadt Ostheim bietet mit dem Orgelbaumuseum ein besonderes Ambiente für standesamtliche Hochzeiten.

3560 Besucher waren 2015 im Schloss Hanstein zu Gast, 220 mehr als im Jahr zuvor. 86 Museumsführungen hatte Schindler-Schwabedissen angeboten – drei mehr als 2014. 35 Paare hatten sich im schönen Ambiente des Schlosses das Ja-Wort gegeben.

Im September feiert die museumseigene Manderscheidt-Orgel ihren 370. Geburtstag, was mit einem feierlichen Konzert gefeiert wird.

Was Jörg Schindler-Schwabedissen selber gerne hört? „Natürlich Barock, aber durchaus Mal etwas Zeitgenössisches, zum Beispiel Klezmer“. Ansonsten ist er selbst musikalisch aktiv, auch als Chormitglied beim Kammerchor des Kirchenkreises Meiningen.

So ist das, wenn man in einer musikalischen Stadt musikalisch tätig ist.

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