BAD NEUSTADT

Die Rhön bietet Chancen für Fachkräfte

vbw Fachkräftemangel Diskussion 2
Diskutierten gemeinsam Strategien gegen die stetig steigenden Fachkräftemangel (von links): Michael Wehner (Seniorenheim am Saaleufer in Bad Bocklet), Peter Mayr (perma-tec GmbH), Jörg Geier (Landratsamt Rhön-Grabfeld), MdL Steffen Vogel (CSU), René van Eckert (SPD), Yatin Shah (... Foto: Stefan Kritzer

Die hohe Nachfrage im Baugewerbe, die Energiewende wie die zunehmende Digitalisierung sind nur einige Beispiele für steigenden Mitarbeiterbedarf in Unternehmen. Wenn es diese Mitarbeiter denn gäbe. Doch der zunehmende Fachkräftemangel nimmt bundesweit wie auch in Mainfranken immer bedrohlichere Züge an. Was man dagegen tun kann, zeigten Beispiele aus der hiesigen Unternehmerzunft bei einem Kongress der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) in der Stadthalle auf.

Heimbetreiber auf Augenhöhe mit Mitarbeitern

Michael Wehner bezeichnet sich selbst als gelernte Krankenschwester und ist heute Heimbetreiber eines Seniorenheims in Bad Bocklet. Genauso wie er seinen Zuhörern im Seminarraum der Stadthalle auf Augenhöhe begegnet, so begegnet er auch seinen Mitarbeitern. Ein enges, freundschaftliches Verhältnis mit den Arbeitskräften und, soweit möglich, verbesserte und vor allem menschliche Arbeitsbedingungen. Das alles führt dazu, dass ausgerechnet im hart umkämpften Pflegebereich Wehner derzeit kaum Probleme mit der Rekrutierung von Mitarbeitern hat. „Die Gemeinsamkeit unter den Mitarbeitern ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Michael Wehner und spricht von langfristigen Strategien der Mitarbeiterführung.

Für andere Unternehmen gleich welcher Branche ist es nicht so leicht, geeignete und engagierte Kollegen zu gewinnen. „Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und der fortschreitende demographische Wandel führen schon heute zu Fachkräfteengpässen gerade im ländlichen Raum“, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des vbw. „Gleichzeitig nehmen im Zuge der Digitalisierung die durchschnittlichen Qualifikationsanforderungen und damit der Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu“, so Brossardt.

Ein wirtschaftliches Großproblem

Für mainfränkische Betriebe sind fehlende Mitarbeiter ein wirtschaftliches Großproblem. Auf 1,5 Milliarden Euro werden schon heute die jährlichen wirtschaftlichen Einbußen beziffert. Allein in Mainfranken. Ein Trend, der sich in einigen Jahren auf mehr als vier Milliarden Euro jährlich summieren dürfte. Immer mehr Arbeit, immer weniger Mitarbeiter. Die Arbeitslosenquote liegt rekordverdächtig dauerhaft unter 3 Prozent und dann kommt noch der prognostizierte Bevölkerungsrückgang von 3,5 Prozent bis 2036 hinzu. Stichwort Landflucht.

„Die Anzahl der Bewerber auf eine Stelle sinkt dramatisch“, bestätigt Peter Mayr, Geschäftsführer der Firma perma-tec in Euerdorf, einem Weltmarktführer für Einzelpunktschmiersysteme. Noch hat Mayr aktuell keine wirklichen Personalprobleme, doch die könnten in Zukunft auch auf den hochspezialisierten Betrieb zukommen. Bei stetigem Wachstum, immer mehr Digitalisierung etc.

Engagierte Mitarbeiterführung

Das Seniorenheim am Saaleufer in Bad Bocklet oder die Firma perma-tec sind Beispiele, wie man mit engagierter Mitarbeiterführung den Fachkräftemangel ein Stück weit umgehen kann.

Mit einem lebenswerten Umfeld in der Rhön, günstigen Bauplätzen und vielen Freizeitmöglichkeiten will Jörg Geier künftige Mitarbeiter in allen möglichen Branchen für den ländlichen Raum begeistern. Der Leiter der Stabsstelle für Kreisentwicklung in Rhön-Grabfeld sagt: „Wir müssen die Rhön als Arbeitsmarkt besser vermarkten. Schließlich eröffnen sich hier alle Chancen, die es gibt.“

Politik muss handeln

Politischen Handlungsbedarf im Kampf gegen den Fachkräftemangel sieht Bertram Brossardt: „Der Fachkräftesicherung muss dringend oberste Priorität eingeräumt werden. Notwendig ist eine Gesamtstrategie, die sowohl die Erschließung aller inländischen Potenziale als auch die Gewinnung qualifizierter ausländischer Fachkräfte umfasst“, so Brossardt.

Über die Fachkräftesicherung im ländlichen Raum diskutierten im Anschluss an die Vorstellung von Einzelstrategien der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel (CSU) sowie die Landtagskandidaten René van Eckert (SPD), Yatin Shah (Bündnis 90/Grüne), Gerald Pittner (Freie Wähler) und Karl Graf Stauffenberg (FDP) unter der moderierenden Leitung von Roland Schmitt-Raiser, Themenchef digitale Medien bei der Main-Post. Besonders beleuchtet wurden die Auswirkungen durch die demographische Entwicklung, der Trend zum Stadt- statt zum Landleben wie auch die Flüchtlingsproblematik und die Rente mit 63, der Bertram Brossardt eine deutliche Abfuhr von Seiten des vbw erteilte.

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